Ulm/Neu-Ulm vor 40 Jahren

In der Woche vom 2. bis 7. März 1970 hat die SÜDWEST PRESSE (SWP) unter anderem über dieses denkwürdige Ereignis berichtet:

Hattlers Kontrabass

Ein Jazzkonzert brachte vor 40 Jahren in der SWP eine Gruppe junger Musiker größer raus, die bald vollgas-ahoi Furore machen sollten. Auf der Bühne im Alten Theater stand die Veith Wolbrandt Group, die sich seit Gründung im Juni 1969 bereits vom Hard Bop über Bossa Nova bis hin zum Free Jazz einen Namen erspielt hatte. Die Besetzung zeigt: Man hat es dabei mit der Stammtruppe der Ulmer Krautrock-Legende "Kraan" zu tun. Neben Hartmut Mau an der Flöte nämlich Veith Wolbrandt (Gitarre), Jan Wolbrandt (Drums), Johannes Pappert (Saxophon) und Hellmut Hattler am Bass. Und den fragen wir jetzt mal 40 Jahre später:

Hallo Herr Hattler. Veith Wolbrandt Group: Schon mal gehört?

HELLMUT HATTLER: Na klar, da habe ich sogar schon mal mitspielen dürfen.

Wer war Veith?

HATTLER: Das war Peter Wolbrandt. Kein Ahnung, wie er auf den Namen kam. Klang aber gut. Ich sagte: Besser als gar kein Name.

Ihr ward in Ulm heimisch?

HATTLER: Das war gerade so im Übergang. Peter Wolbrandt war auf dem Weg nach Berlin. Wir haben uns sporadisch getroffen, und es waren immer wieder Gastmusiker mit auf der Bühne, oft auch im "Piepmatz".

Das Konzert im Alten Theater habt ihr mit der Rhythm & Blues Corporation aus Schwäbisch Gmünd bestritten.

HATTLER: Eine schicksalhafte Begegnung! Sie waren es, die ins Gut Wintrup gezogen waren. Später hat Kraan dieses Hofgut übernommen - und auch deren Manager.

Jetzt aber zum Instrument: Hellmut Hattler spielt im Alten Theater Kontrabass.

HATTLER: Ursprünglich habe ich Gitarre gespielt. Aber dann musste ich einen Bass kaufen, weil keiner einen hatte. Ganz heimlich habe ich E-Bass gespielt, aber das war damals null hip - und unter meiner Gitarristenehre. Da hab ich gedacht: Kontrabass edelt das ein bisschen auf.

Und wann kam dann der Umstieg zum E-Bass?

HATTLER: Das ging ganz schnell. Bei Kraan gab es mich schon nicht mehr mit Kontrabass. Da habe ich jetzt übrigens noch eine richtig gute Meldung: Kraan wird im kommenden Jahr 40. Dazu planen wir Wiederveröffentlichungen, die ganzen Sachen nach Themen und Jahrgängen gebündelt.

Hellmut Hattler startete Ende 1970 mit Peter und Jan Wolbrandt, der sich dann Fride nannte, unter dem Bandnamen Kraan durch, und Alto Pappert kam bald erneut dazu. Dass diese Band in höchste Sphären abhob, hatte sich dabei schon im Februar angebahnt, und damit zurück ins Alte Theater, das sich damals als junger Talentschuppen entpuppte. 400 begeisterte Leute verfolgten das dortige Konzert, Auszug aus der SWP: "Der Bühnenraum der Guckkastenbühne, geschickt aufgeteilt mit alten Coca-Cola-Kisten, schuf richtige Werkstattatmosphäre." Von der Atmosphäre, die die Veith Wolbrandt Group verbreitete, spricht eine noch frühere SWP-Kritik über ein Konzert der Band im Szenetreff "Piepmatz", dem Café plus: "Gitarre und Flöte simulieren Drogenrausch." jr


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