Studentenprotest gegen Kürzungen

Ulm.  Antrittsvorlesungen und Ehrungen standen im Mittelpunkt des „Dies academicus“ an der Uni. Für Abwechslung sorgten Informatik-Studenten: Sie protestierten in Trauerkleidung gegen Kürzungen in der Lehre.

Den Hörsaal stürmen wollten sie dann doch nicht. Also warteten die rund 50 ganz in Schwarz gekleideten Informatikstudenten der Uni, bis der Festakt zum „Dies academicus“ zu Ende war. Erst als die Honoratiorenschar gegen 13 Uhr aus dem Hörsaal ins Forum der Medizinischen Klinik strömte, blies die studentische Protestkapelle ihr Ständchen: „Ich hatt’ einen Kameraden.“ Parallel dazu beerdigten die Studierenden in einem großen schwarzen Holzsarg „Den unbekannten Tutor“. Die „Dies“-Festschar vernahm es mit freundlichem, teils anerkennendem Lächeln – und machte sich ohne weiteren Kommentar ans italienische Büffet, das Mensa-Chef Günter Mayr kredenzt hatte.

Die Demonstration war allerdings keine Veranstaltung einer Spaßguerilla. Die Mehrheit der rund 700 Ulmer Informatikstudenten ist sauer auf die Universitätsleitung beziehungsweise die Landespolitik. 105 Tutorenstellen hatten die Informatiker für das kommende Semester beantragt, nur 70 studentische Betreuungskräfte wurden bewilligt. „Wir hatten in den Jahren vor Einführung der Studiengebühren immer um die 100 Tutoren“, sagt Informatikstudent Stefan Kaufmann. Früher habe die Uni diese Hilfskräfte aus ihrem regulären Haushalt bezahlt. Nach der Einführung der Studiengebühren in Höhe von 500 Euro pro Student und Semester im Jahr 2007 seien die Tutoren aus dem Studiengebühren-Etat bezahlt worden – schon das sei fragwürdig gewesen.

Weil der Uni durch die neue Geschwisterregelung des Landes – Studierende mit Geschwistern sind jetzt größtenteils von den Gebühren befreit – weniger Geld zur Verfügung steht, sei das Betreuungsverhältnis aber schlechter geworden als früher. „Und das, obwohl die Studiengebühren angeblich nur zur Verbesserung der Lehrbedingungen erhoben werden“, wie Kaufmann sagte. Das sei natürlich eine Farce. Es werde deutlich, dass Geld umgeschichtet werde, damit die Uni, zum Beispiel, gestiegene Heizkosten bezahlen könne.

Studiendekan Franz Hauck sieht die Sache anders. Die Zahl der Studierenden im Fach Informatik sei zurückgegangen, erklärte der Informatik-Professor auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE. „Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass wir weniger Tutoren einstellen.“

Das Ende der Kundgebung verlief versöhnlich. Die Studenten wurden von Ebelings Referenten Oliver Schnell aufgefordert, sich am Büffet gütlich zu tun. So konnten sie zumindest einen Teil der Studiengebühren wieder hereinholen.


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