Dietrich, Xinedome & Co. hatten 2009 rund 1,2 Millionen Zuschauer
Ein Zuschauerplus von fast 20 Prozent hatten die Kinos in Ulm und Neu-Ulm im vergangenen Jahr zu verzeichnen. Doch die Konkurrenzsituation ist hart, und heuer kommen wohl drei neue Säle hinzu.
"Wenn der Kuchen so groß ist wie vergangenes Jahr, bleibt für alle genug." Mit diesen Worten fasst Roland Sailer, Geschäftsführer des Dietrich-Multiplexes, die Jahresbilanz 2009 der Kinos in Ulm und Neu-Ulm adäquat zusammen.
Der gute Filmjahrgang hat der deutschen Kinobranche 16 Prozent mehr Besucher beschert, und trotz der heftigen Konkurrenzsituation - fünf Kinos mit insgesamt 22 Leinwänden - fallen die Zahlen in der Region noch besser aus: Rund 1,2 Millionen Kinozuschauer bedeuten ein Plus von nahezu 20 Prozent.
"Ein richtig gutes Jahr", freut sich Sailer, der im Dietrich (neun Säle, 2500 Plätze) fast 600 000 Zuschauer zählte, also knapp 20 Prozent mehr als 2008. Den Grund sieht er nicht nur im attraktiven Filmangebot, sondern auch im veränderten Freizeitverhalten: "Die Menschen fahren in Krisenzeiten weniger in den Urlaub, dafür gehen sie häufiger in Freizeiteinrichtungen vor Ort."
Auch der 3D-Boom mag sich ausgewirkt haben. "Avatar" läuft noch immer hervorragend, und das Animationsabenteuer "Ice Age 3" war der absolute Renner des Jahres. Selbst ein Titel wie der Horrorfilm "Final Destination" wurde wegen 3D "super angenommen", sagt Aurèle Fink. Sie ist seit 2009 gemeinsam mit Tina John im Dietrich für Theaterleitung und Marketing zuständig. Weitere Erfolgstitel waren "Wickie" und "Die Päpstin".
Das Obscura-Kino (zwei Säle, 370 Plätze), das Sailer auch noch betreibt, spielt derweil mit nicht einmal mehr 20 000 Zuschauern nur noch eine marginale Rolle.
Über knapp eine halbe Million Kinogäste (das ist ebenso ein Plus von fast 20 Prozent) freut sich Hans-Otto Leibing, Betriebsleiter des Ulmer Xinedome (acht Säle, 1800 Plätze). Auch er staunt derzeit über den "Avatar"-Erfolg: "Eine derart positive Mundpropaganda habe ich in 25 Jahren Kino noch nicht erlebt." Die erfolgreichsten Titel 2009 waren "Ice Age 3", "Madagascar 2", "Harry Potter" und "Illuminati", aber neben den Popcorn-Krachern verbessern auch die Hits des Qualitätskinos wie "Slumdog Millionär" und "Der Vorleser" die Bilanz. Überproportional erfolgreich laufen im Xinedome vor allem auch Filme für Mädchen im Teeniealter wie "17 Again". Und eine Überraschung "ohne Vorwarnung" war die Komödie "Hangover". Leibings Fazit für 2009: "Ein sehr erfolgreiches Jahr."
Von einem "Super-Jahr" spricht Franz Fischer vom Filmbüro Augsburg, das die beiden Mephisto-Kinos (300 Plätze) und Lichtburg (270 Plätze) betreibt. Ein Plus von 15 Prozent und "deutlich über 100 000 Besucher" hat er verzeichnet. Den Grund sieht er im sehr guten Filmangebot im gehobenen Bereich: von den "Buddenbrooks" über "Slumdog Millionär" und "Der Vorleser" bis zu "Das weiße Band" und "Soul Kitchen" - "der läuft bombastisch". Es gehe einfach um Qualität, sagt Fischer. "Das alles sind Filme, die nachhaltiges Zuschauerinteresse finden". Gerade Zuschauer über 30 Jahren gingen wieder vermehrt ins Kino, "das kommt uns im Arthouse-Segment entgegen".
Dennoch wird der Markt in der Region immer umkämpfter. Der Sternenpalast in Biberach läuft gut, und das Ende 2007 in Memmingen eröffnete Zehn-Kino-Cineplex hat 2009 mehr als 30 Prozent zugelegt. "Natürlich spielt das hier für die Kinos in Ulm und Neu-Ulm eine Rolle", sagt Sailer. Und nun entsteht auch noch in Günzburg ein Kinocenter mit vier Sälen und 600 Plätzen; Baubeginn ist im Frühjahr.
Aber auch hier wird gebaut: Sailer erweitert das Dietrich um drei Säle mit je rund 100 Plätzen. Baubeginn soll im Frühjahr sein, Eröffnung im Spätherbst. Mit mehr Abspielstätten will Sailer das Filmangebot verbreitern; denn angesichts der vielen Neustarts können etliche potenziell reizvolle Streifen gar nicht gespielt werden, andere Filme werden zu schnell wieder aus dem Programm genommen.
Auch Hans-Otto Leibing vom Xinedome kann nur den Kopf schütteln angesichts des oft so gedrängten Filmangebots: "Ich verstehe die Verleiher nicht mehr. Wir können leider nicht alle Filme zeigen, die es verdienen." Oder eben nicht so lange, wie es sinnvoll wäre. Beispiel "Die Päpstin": "Die hätte ich noch Monate bei annehmbaren Zuschauerzahlen spielen können. Aber dann hätte ich auf Neustarts verzichten müssen. Was ja nicht geht."
Das Dietrich versucht, mit der Erweiterung dem Problem zu entkommen. Vielleicht wird damit ja auch der Kuchen ein Stück größer.
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Autor: MAGDI ABOUL-KHEIR | 28.01.2010
Das Filmangebot der Multiplexe - links Neu-Ulmer Dietrich, rechts Ulmer Xinedome - ist meist ziemlich ähnlich. Fotos: Matthias Kessler
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