Keine Abschiebung: Tunesier darf in Neu-Ulm bleiben
Neu-Ulm. Im vergangenen Juli sollte Abderrahman Fredj aus Neu-Ulm abgeschoben werden - der Tunesier hatte nach 36 Jahren vergessen, seine Aufenthaltserlaubnis verlängern zu lassen. Jetzt darf er bleiben.
Der Fall Abderrahman Fredj hatte im Sommer die Öffentlichkeit bewegt: Der damals 59-jährige Tunesier, der seit 1973 im Raum Ulm lebt und bis 2006 bei Kässbohrer und Evobus arbeitete, war von der Polizei festgenommen worden und wäre um ein Haar nach Tunesien abgeschoben worden - obwohl er dort keine Angehörigen mehr hat. Der bis dahin unbescholtene Mann hatte seine befristete Aufenthaltserlaubnis trotz mehrfacher Mahnungen nicht verlängern lassen und so die deutsche Verwaltungsmaschinerie herausgefordert.
Die für Schwörmontag vorgesehene Abschiebung wurde in letzter Minute ausgesetzt, nachdem Ex-Arbeitskollegen Alarm geschlagen hatten und der ehemalige Ulmer SPD-Landtagsabgeordnete Eberhard Lorenz eine Petition an den Petitionsausschuss des bayerischen Landtags eingereicht hatte. Seither war Fredj "geduldet".
Jetzt bekommt der Tunesier eine auf fünf Jahre befristete Aufenthaltsgenehmigung. "Wenn er sich in diesem Zeitraum nichts zu schulden kommen lässt, wird sie in eine unbefristete umgewandelt", sagt Jochen Grotz, Leiter der Ausländerbehörde im Neu-Ulmer Landratsamt. Grund ist eine Änderung im Ausländerrecht. Bis 2005 wurden unbefristete Aufenthaltsgenehmigungen nur erteilt, wenn der Antragsteller entsprechende Deutschkenntnisse nachweisen konnte - was bei Fredj nicht der Fall war. Seit der Novellierung des Rechts sei dies aber nicht mehr zwingend vorgeschrieben, die Ausländerbehörde habe mehr Spielraum, sagt Grotz.
Die Bleibe-Entscheidung geht nicht auf Intervention des Petitionsausschusses beziehungsweise des bayerischen Innenministeriums zurück, dort hat man an sich mit dem Fall noch gar nicht befasst. Das Landratsamt Neu-Ulm hat die Aufenthaltserlaubnis erteilt, nachdem ein ärztliches Gutachten zu dem Schluss gekommen ist, dass Fredj nicht in der Lage ist (und offenbar nie war), seinen Alltag eigenständig zu bestreiten. Zudem hatte Eberhard Lorenz bei Landrat Erich Josef Geßner persönlich vorgesprochen und auf das tragische Schicksal des Mannes aufmerksam gemacht.
Seit Juli kümmert sich Lorenz um Fredj, er ist mittlerweile auch von Amts wegen zu dessen Betreuer bestimmt worden. Dass der Tunesier in den vergangenen drei Jahren nicht auf Aufforderungen des Landratsamts reagiert habe, sei keine Böswilligkeit gewesen, sagt er. "Der Mann ist Analphabet und kann mit Schriftstücken nichts anfangen." So lange Fredj bei Evobus arbeitete, hatten sich Kollegen um den alleinstehenden Mann gekümmert und ihn auch bei Amtsgängen unterstützt. Nachdem er 2006 arbeitslos wurde, sei er jedoch zunehmend in die Isolation geraten.
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar
Autor: CHRISTOPH MAYER | 24.11.2009
Abderrahman Fredj in der Haftanstalt Memmingen. Das Foto entstand kurz vor der für den 20. Juli geplanten Abschiebung. Sie wurde wenige Tage später ausgesetzt. Privatfoto
MEISTGELESENE ARTIKEL
So haben die Ulmer den Schwörmontag erlebt
Ulm Schwörrede und Nabada sind vorbei. Jetzt heißt es: Ab in die Friedrichsau und erst einmal ausruhen. Auf der Dianawiese gibt's Leckeres zu essen und Erfrischendes zu trinken. Die Grünflächen laden zum Grillen und Erholen ein. Wir haben die Ulmer befragt, wie ihr Schwörmontag war und wo es jetzt noch hingeht.... mehr
So feiert Ulm den Schwörmontag
Ulm Blauer Himmel, angenehme Wassertemperaturen auf der Donau: Beste Bedingungen für die vielen Nabader. Und so feucht fröhlich ging es zu beim Nabada 2010. Hier die Bildergalerien vom Nabada ansehen und bewerten!... mehr
Nie mehr zurück ans Set: Heinrich Schmieder tot
Gaildorf/Livigno Die Transalp 2010 wollte er packen, das härteste Mountainbike-Rennen der Welt. Doch er sollte nicht ans Ziel kommen: Der aus Gaildorf stammende Schauspieler Heinrich Schmieder (40) ist tot.... mehr
Hinweise auf fatale Fehler bei Loveparade
Duisburg Nach der Katastrophe bei der Duisburger Loveparade verdichten sich die Hinweise auf fatale Fehler der Planer. Gegen die Stadt, die Polizei und den Veranstalter gab es neue massive Vorwürfe.... mehr
Die größte Wasserschlacht des Landes
Ulm Kurz vor 16.00 Uhr schwammen die Möwen noch friedlich auf der Donau. Doch nach den Startschüssen zum Ulmer „Nabada“ brachten sich die Tiere schnell in Sicherheit. Tausende Ulmer paddelten in unzähligen Schlauchbooten, auf Gummitieren oder selbst gebauten Flößen wie eine geschlossene Wand flussabwärts. ... mehr

ZURÜCK



Kommentare (2)
Schon faszinierend...
wieviel braunes Gebrabbeln hier neuerdings vom Stapel gelassen wird. Für wen ist so ein Präzedenzfall tödlich ? Den deutschen Durchschnittsarbeitslosen ? Der seinen Hintern nicht aus der Couch bekommt und sich zu schade zum Arbeiten ist ?Bei solchen Statements fragt man sich, wieviel IQ denn der geneigte Schreiberling besitzt, ob soviel Menschen- und vor allem Ausländerfeindlichkeit.
Glück gehabt ??? Gesetze wieder ausgehebelt !!
und schon haben wir 1 Person mehr , die bis zum 89.Geburtstag von uns liebevoll versorgt werden müssenEs sind GASTARBEITER gewesen ( haben wir NUR solche Arbeiter mit IQ 65, die nach 36 Jahren kein Wort Deutsch können , geholt???)
Gastarbeiter , die auch wieder gehen sollten .. Für ihre Arbeit wurden sie 100 mal besser bezahlt als in ihrem land !!
Laut einer Studie RTL kostet eine Person bis zum 50. um die 495.000
http://www.rtl.de/extra/extra_991649.php
Das Schaffen solcher Präzedenz fälle ist TÖDLICH .. Gesetze sind nur noch das Kloopapier wet