Arbeiten von Madeleine Dietz im Ulmer Museum

Einen Dialog zwischen historischer Architektur und moderner Kunst entwickeln die Installationen von Madeleine Dietz. "Weg und Ort" heißt die Ausstellung im Ulmer Museum - ein vielschichtiger Denkraum.

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Museumsdirektorin Gabriele Holthuis präsentiert im historischen Gemäuer Installationen von Madeleine Dietz.  Foto: 

Kunst wirkt immer im Raum. Wie wichtig der Ort ist, in welchem ein Bild, eine Plastik, eine Installation präsentiert wird, das zeigt sich selten so deutlich wie in der Ausstellung "Weg und Ort" mit Installationen von Madeleine Dietz im Ulmer Museum.

Wer die Stelen und Wände aus Stahlplatten mit Öffnungen, die den Blick auf Lehmziegelschichtungen freigeben, kennt, dem fallen die Wirkungsmöglichkeiten der Werke auf. Für sich genommen und im Kunstwald einer Messe wirken diese Plastiken von Madeleine Dietz bei aller Strenge und materialen Polarität recht dekorativ. Das passt in jedes modern designte Wohnzimmer. In den historischen Räumen des Ulmer Museums - im Kiechelhaus und im Ehinger Stadel - entwickeln sie dagegen eine eigene Wirkung. Der strengen Form scheint nun Konzentration eingeschrieben zu sein, Plastiken werden zu wohl kalkulierten Installationen.

Der Kontrast zwischen historischen Räumen mit Säulen, Gewölben und Steinboden ist formal enorm. Inhaltlich jedoch entwickeln sich erstaunliche assoziative Verknüpfungen. Eine diagonal gestellte große Mauer aus dunklen Stahlplattenquadern und den besagten geschichteten Lehmziegeln wird hier zur Klagemauer, Schutzmauer oder zu einem Wall, der nicht nur den Raum, sondern die Jahrhunderte durchschneidet. Das sind Assoziationsräume, die eine Plastik- für sich und in einem beliebigen Raum präsentiert - schwerlich eröffnen kann. Als Installation verknüpft sie formale wie historische Denkräume.

Wie kontextgebunden dergleichen Assoziationsangebote sind, zeigt eine kleine Wandarbeit. Da hängt ein halbrundes Gefäß aus Stahl an der Wand, gefüllt mit vertrocknetem Lehm. Im Raum hängen noch historische Steinfragmente aus dem Museumsbestand sowie ein großes Bild von Madeleine Dietz mit dem Konterfei der Bihlafinger Madonna von Hans Multscher, ebenfalls aus dem Museumsbestand. In diesem Kontext wird aus dem halbrunden Gebilde ein Weihwasserbecken, allerdings gefüllt mit vertrocknetem Lehm. Die Künstlerin greift also nicht nur die historische Architektur auf, sondern greift zurück bis in die mittelalterliche Kunst und deren Ideenwelt - und geht mit dieser durchaus kritisch um.

Neben den religiösen, historischen und existenziellen Inhalten reflektiert die Künstlerin damit auch die Präsentationsästhetik, die mit dem Alter der Objekte fragmentarischer wird. Dieses Fragmentarische zieht sich durch die ganze Ausstellung. So kann man Madeleine Dietz formale Reduktionen letztlich als Fragmentierungen lesen, die nur noch einen Teil von dem darstellen, was sie tatsächlich beinhalten. Das ist nicht nur auf assoziativer Ebene so, das ist zum Beispiel auch im wissenschaftlichen Umgang mit der Antike so. Von der sind allenfalls zehn Prozent überliefert, wir meinen aber ein recht geschlossenes Bild von ihr entwickeln zu können.

Die 1953 in Mannheim geborene und heute in Landau-Godramstein lebende Madeleine Dietz greift also mit ihren Installationen entschieden in architektonische Gegebenheiten ein. Sie nimmt die dort präsentierten Kunstwerke (mit deren Ideenwelt) auf und kommt damit zu ihren originären Beiträgen, die existenzielle wie intellektuelle Dimensionen erreichen. Damit habe sich die Künstlerin in der Kunstwelt eine feste Position erarbeitet, die inzwischen, sagt Museumleiterin Gabriele Holthuis, auch international stark wahrgenommen werde.

Die Ausstellung "Weg und Ort" beginnt am, Freitag, 19 Uhr, im Ulmer Museum und läuft bis 31. August: Di-So 11-17, Do bis 20 Uhr. Zur Eröffnung spricht auch Ulrike Lorenz, Direktorin der Kunsthalle Mannheim.

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Kommentare

28.03.2014 08:19 Uhr

.. also auf dem Bild siehts aus wie eine Baustelle!

.. also auf dem Bild siehts aus wie eine Baustelle!

Wäre sicher billiger gewesen und noch wesentlich besser - wenn man das so sieht...

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