Anwohner sehen Zahl der Flüchtlinge kritisch

Ein zweites Gebäude der Hindenburgkaserne am alten Eselsberg bietet fortan weiteren 250 Asylsuchenden Platz. Ein drittes Gebäude soll folgen. Jetzt melden sich auch kritische Stimmen zu Wort.

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So ruhig wie bei der Info-Veranstaltung im Sommer, als die ersten Flüchtlinge im ehemaligen Kasernengebäude am Mähringer Weg 103 untergebracht wurden, ist es nicht zugegangen bei der Besichtigung des zweiten Gebäudes, in das nun die 120 Flüchtlinge aus der Keplerhalle eingezogen sind. Einen Tag vor Inbetriebnahme konnten sich Nachbarn ein Bild machen von der Gemeinschaftsküche und den Mehrbettzimmern, in denen jedem Bewohner an die sechs Quadratmeter zur Verfügung stehen.

"Privatsphäre gibt es hier keine", sagt Werner Fischer, der die Flüchtlingsunterbringung in Ulm koordiniert, auf Nachfrage nach den Gemeinschafts-Spinds. Und der Personalschlüssel der anwesenden Sozialarbeiter? "Einer auf 120 Menschen." Dafür werde mit Zuzug der neuen Bewohner der Sicherheitsdienst verstärkt. Rund um die Uhr werden für jedes der Gebäude je zwei Sicherheitsleute zuständig sein, der Eingang zum Areal werde fortan von zwei weiteren überwacht.

In das erste Gebäude zogen im August 52 Bewohner aus der Römerstraße, die restlichen der 250 Plätze wurden sukzessive mit Zuweisungen aus der Erstaufnahmestelle in Karlsruhe aufgefüllt. Auch das zweite Gebäude, Mähringer Weg 101, wird bis Jahresende mit 250 Menschen ausgelastet sein. Wer genau zu den 120 Flüchtlingen aus Gambia und Togo hinzukomme, wisse man noch nicht. "Es kommt auch darauf an, wie viele Familien kommen. Das haben wir aus Karlsruhe noch nicht erfahren", sagt Fischer.

Bis April soll ein drittes Gebäude auf dem Areal bezugsfertig sein, das weiteren 200 Menschen Platz bieten wird. Besonders die hohe Anzahl der an einem Ort zusammenkommenden Menschen rief jetzt bei einigen der zahlreich erschienenen Anwohnern Unmut hervor.

Von einem "Flüchtlingsberg" ist da die Rede, von Bedenken hinsichtlich eines geregelten Zusammenlebens verschiedener Nationen. Schließlich werde die Anzahl der künftig auf dem Eselsberg untergebrachten Flüchtlinge in etwa so hoch sein wie das derzeit gesamte Kontingent in Ulm lebender Asylsuchender. Auch die Integrationsbemühungen stoßen auf Unverständnis. Denn mit der erst kürzlich vom Bund beschlossenen Reduzierung auf lediglich vier nicht sichere Herkunftsstaaten haben viele Bewohner in den Unterkünften der Hindenburgkaserne wenig bis keine Aussichten auf Bleiberecht.

"Wir leben zum Glück in einem Rechtsstaat, und da bekommt jeder Schutzsuchende das Recht auf ein Verfahren", erwidert Fischer. 5,8 Monate würde momentan ein Asylverfahren dauern, und aus den osteuropäischen Ländern kämen kaum noch Flüchtlinge nach Ulm.

Die anfangs in der Kaserne wohnenden Menschen seien nach dem Abschiebungsbescheid schon nicht mehr in Ulm, sagt Heimleiter Benedikt Fürst. Aber tatsächlich abgeschoben worden in Form von nächtlichen Polizeieinsätzen sei noch keiner. Es handelte sich um so genannte "freiwillige Ausreisen".

Den Flüchtlingen aus der Keplerhalle droht bald das gleiche Schicksal, da Gambia wie auch Togo als sichere Herkunftsstaaten gelten. Die Keplerhalle wird als Notunterkunft übrigens nicht aufgegeben.

Wie geht es weiter mit dem Kasernen-Areal?

Hindenburgkaserne Ungeachtet der jetzigen Zwischennutzung laufen die Verhandlungen der Stadt zum Erwerb der Kaserne weiter. Noch gehören die Gebäude dem Bund, mit dem die Stadt Ulm für die Unterbringung der Flüchtlinge derzeit einen Generalmietvertrag abgeschlossen hat. Ursprünglich war im Konzept der Stadt ein Gebäude für Flüchtlinge und eins für das Studentenwerk vorgesehen. Letzteres habe aber wegen des Preises kein Interesse mehr daran. Momentan laufe die Ausschreibung für das Gesamtareal, sagte Bürgermeisterin Iris Mann. Erst wenn das neue Stadtquartier mit etwa 900 Wohnungen fertig sei, werde in der Umgebung etwas für die Infrastruktur getan: "Bis dato gehen wir davon aus, dass es am Einkaufszentrum Stifterweg noch Kapazitäten gibt", sagte Iris Mann. 2016 soll der Städtebauwettbewerb erfolgen, 2017 der Bebauungsplan. Nach der Erschließung und der Ausschreibung für Bauträger und Einzelbauherren 2018 startet 2019 der private Wohnungsbau.

 

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Kommentare

11.12.2015 11:11 Uhr

Verfälschung der Wahrheit oder andere Sichtweise?

Dieser Artikel erweckt den Eindruck, als wären die Anwohner der Kaserne sehr besorgt. Dazu tragen hier so Sätze wie:
" Besonders die hohe Anzahl [...] rief jetzt bei einigen der zahlreich erschienenen Anwohnern Unmut hervor."
sowie:
"Dafür werde mit Zuzug der neuen Bewohner der Sicherheitsdienst verstärkt"

Dazu möchte ich Anwohner, der auch bei der Veranstultung war folgendes sagen.
Es waren geschätzt ca 50 Menschen bei der zitierten Gesprächsrunde. Davon haben sich zwei kritisch geäußert.
Einer schmieß mit lauter falschen Zahlen um sich und kritisierte vor allem die Verfahren, es machte aber den Eindruck, als hätte die Aufklärung der Fehlinformationen, durch die kompetenten Mitarbeiter der Stadt, ihn "besänftigt".
Der zweite war ein Herr im fortgeschrittenen Alter, der einfach nur Angst vor Fremden hat, was leider in rassistischen Aussagen mündete. Den seine Argumente waren solche: "Ich kann nicht mehr in die Sparkasse gehen, weil da Asylanten stehen" (Ich bin mir nicht mehr sicher welches Wort er für Asylanten benutzt hat).
Ich fand es wirklich schade, dass man gerade zweiterem, aus Respekt vor dem Alter, viel Redezeit eingeräumt hat, da die anderen 50 Teilnehmer an der Sachlage und nicht an rassistischen Äußerungen interessiert waren.
(Ich hatte den Eindruck, einer redet und 50 verdrehen die Augen und hoffen dass er jetzt endlich still ist.)

Die Information mit dem Sicherheitsdienst bezog sich darauf, dass mehr Bewohner kommen und als Konsequenz dessen auch mehr Sicherheitsleute und mehr Sozialarbeiter.
Durch Weglassen der Sozialarbeiter im Artikel ensteht wiederum ein falscher Eindruck.

Bei einem Großteil der Teilnehmer war die Gefühlslage eher Mitleid mit den Asylanten und Bedauern, dass die Unterkünfte sehr spartanisch eingerichtet sind. Dies steht im Artikel nur in einem Halbsatz ("[...] auf Nachfrage nach den Gemeinschafts-Spinds.").
Dass sich die Teilneher im Gespräch erkundigt haben, wie sie denn die Stadt und die Flüchtlinge unterstützen können wird gar nicht erwähnt. Auch desswegen entsteht ein falsches Bild.

Insgesamt möcht ich sagen, dieser Artikel spiegelt die Veranstaltung, über die er berichtet nicht richtig wieder. Er verzerrt das Bild total indem er den Schwerpunkt der Meinungen einfach falsch widergibt.

Und meine persöhnliche Meinung als Anwohner. Ich finde es richtig, dass die Kasernengebäude als Flüchtlingsunterkünfte genutzt werden, denn sie eignen sich dazu gut. Ich habe keine Angst vor diesen Menschen und will dafür einsetzten, dass ein gutes Zusammenleben möglich ist.

Außerdem hat jeder Mensch das Recht darauf um Asyl zu suchen: Artikel 14 der Menschrecht.
Das Auswärtige Amt warnt übrigens vor Reisen nach Gambia (http://bit.ly/1RI7YZX) und Togo (http://bit.ly/1OWLPEL), wegen Terrorismus und gewalttätigen Auseinandersetzungen, soviel zu sicherer Herkunftsstaat. (Gerne mal nachlesen :) )

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02.12.2015 18:41 Uhr

sinnlose Integrationsversuche

Wenn Gutmenschen jeden Asylbewerber integrieren wollen, obwohl dieser letztlich nach Jahren und vielen Kosten ausreisen müssen, dann sollen sie dieses auf ihre privaten Kosten nehmen.

Dem Asylbewerber tun sie dabei nichts gutes, denn die "ewig Geduldeten" sehen die Zeit in Deutschland meist als verlorene Jahre, denn die dauerhafte Trennung von deren Umfeld verkraften die wenigsten gut.

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02.12.2015 14:55 Uhr

Endlich - Jetzt melden sich auch kritische Stimmen zu Wort.

War auch Zeit!!!

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