Ansichten eines schreibenden Paars

Diesmal waren "zwei Autoren im Gespräch" im Stadthaus: Rafik Schami und Root Leeb. Ernst und heiter ging es dabei zu, kurz: erfrischend lebendig.

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Beste Unterhaltung: Rafik Schami und Root Leeb im Stadthaus. Foto: Oliver Schulz

Es war bei diesem Autorengespräch im Stadthaus etwas anders als sonst. Mit Rafik Schami und Root Leeb saß erstmals ein Schriftsteller-Ehepaar auf dem Podium, weshalb vh-Leiterin Dagmar Engels ihren gewohnten Platz freigab und die Moderation Wolfgang Niess vom SWR überließ. Das passte - ist Schami doch seit 30 Jahren befreundet mit dem Redakteur, der im Gegensatz zum deutschen Feuilleton früh die geniale Erzählkunst des gebürtigen Syrers erkannt hat. "Deswegen mag ich ihn ja!" scherzte Schami zur Freude der 120 Zuhörer.

Rasch breitete sich eine familiäre Atmosphäre aus, die viel Raum ließ für private Auskünfte. Man erfuhr von Schamis eineinhalbjähriger Schreibhemmung angesichts des furchtbaren Krieges in seinem Heimatland, von  Root Leebs lustigen Erlebnissen als ehemaliger Straßenbahnschaffnerin,  vom "sehr ordentlichen Büro" und sehr strukturierten Alltag des Autors oder von seiner Privatlektorin, die jedes Buch liest, bevor es an den Verlag geht: "Denn es bleibt immer eine kleine Unsicherheit, wenn man nicht in seiner Muttersprache schreibt."

Auch das Ehepaar "hilft" sich gegenseitig. Leeb, die Germanistin und Philosophin, die bis zum dritten Roman "Hero" (2012) eher als Illustratorin bekannt war, könnte die "Romane meines Mannes ganz leicht um die Hälfte" kürzen, er dagegen ihre knappen Formulierungen um einiges verlängern. Aber, so Leeb: "Jeder hat genug Respekt vor dem andern und kann ihn lassen."

So viel Harmonie machte Niess stutzig: "Unter uns . . . " - Gelächter - ". . . hat Rafik keinerlei arabische Machomentalität?" Eindeutig nein, beschied Leeb. Man glaubte ihr aufs Wort, so sympathisch und humorvoll, so gelöst und aufmerksam einander zuhörend saßen die beiden da. Als Erste las Leeb aus "Hero", der Geschichte eines Familienpatriarchs, der angesichts seines nahenden Todes viel dazulernt. Ein Buch, das trotz des ernsten Themas seine Leser zum Lachen bringt. Sehr appetitanregend! Doch blieb der Höhepunkt am Schluss Schami vorbehalten, als er begann, aus seinem letzten Buch "Die Frau, die ihren Mann auf dem Flohmarkt verkaufte" zu erzählen: natürlich frei, voller Vitalität, herrlich bilderreich. Man hätte noch lange zuhören, zuschauen mögen. Begeisterter Applaus.

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