Annette Schavan beteiligt sich nicht an BUND-Umfrage

Frank Berger (FDP) will den Luftraum über Ulm friedlich nutzen. Der Rest ist gegen Übungsflüge. Direktkandidaten stellten sich vor der Bundestagswahl Fragen des BUND. Annette Schavan (CDU) schwieg.

|
Vorherige Inhalte
  • Die Umfrage des BUND an fünf Direktkandidaten für den Bundestag. 1/3
    Die Umfrage des BUND an fünf Direktkandidaten für den Bundestag. Foto: 
  • Beim Fluglärm gehen die Meinungen der Direktkandidaten auseinander. Unser Foto zeigt am Himmel über Neu-Ulm den Kondensstreifen eines Eurofighters (kleines Foto) nach der Kehrtwende. Fotos: Volkmar Könneke/Archiv 2/3
    Beim Fluglärm gehen die Meinungen der Direktkandidaten auseinander. Unser Foto zeigt am Himmel über Neu-Ulm den Kondensstreifen eines Eurofighters (kleines Foto) nach der Kehrtwende. Fotos: Volkmar Könneke/Archiv
  • 3/3
Nächste Inhalte

"Eine echte Überraschung waren die Antworten auf unseren Kandidatencheck zwar nicht, aber die Auswertung war doch sehr interessant", sagt Ralf Stolz, Regionalgeschäftsführer im Ulmer Umweltzentrum des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Allgemeine, aber auch auf Ulm bezogen Fragen waren den fünf Bundestags-Direktkandidaten im Wahlkreis Ulm gestellt worden.

Vorweg so viel: Bei den Fragen zu Bürgerbeteiligung, Massentierhaltung und Gentechnik lagen vor allem Hilde Mattheis (SPD), Eva-Maria Glathe-Braun (Linke) und Annette Weinreich (Grüne) mit ihren Äußerungen nicht allzu sehr auseinander. Frank Berger (FDP) steht zumindest einigen BUND-Forderungen positiv gegenüber.

Nicht am Kandidatencheck beteiligt hatte sich Annette Schavan (CDU), wofür Stolz kein Verständnis hat. Die Ulmer Bundestagskandidatin habe auf Nachfrage bedauernd durch ihren Referenten mitteilen lassen, dass die Fragen nicht pauschal mit "Ja", "Nein" oder "Enthaltung" zu beantworten seien.

Fluglärm: Beim Ulmer Dauerthema "Fluglärm" sind sich die übrigen vier Kandidaten nicht einig, berichtet Stolz. Während sich die Kandidaten von SPD, Linken und Grünen eindeutig gegen militärische Übungsflüge über Ulm aussprachen, brach FDP-Kandidat Frank Berger eine Lanze für eine friedliche Nutzung des Luftraums zu Trainingszwecken.

Energiewende und Fracking: Für eine Energiewende sind sie alle. Eva-Maria Glathe-Braun will langfristig eine Strom- und Wärmeerzeugung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien. Strom- wie Wärmenetze gehörten in die öffentliche Hand, meint sie. Für Annette Weinreich findet die Energiewende maßgeblich im Gebäudesektor statt. Das große Sanierungspotenzial dort müsse genutzt werden, um den steigenden Energiekosten entgegenzuwirken. Berger wünscht sich eine möglichst schnelle Energiewende. Die Tatsache, dass die bestehende Infrastruktur nicht zu den Bedürfnissen einer hundertprozentig erneuerbaren Energieerzeugung passt, lasse sich jedoch nicht ignorieren.

Berger plädiert sogar dafür, Chancen und Gefahren beim "Fracking" - das ist ein umstrittenes Verfahren zur Erdgasgewinnung - sorgsam abzuwägen und es nicht pauschal zu verteufeln. Alle anderen Kandidaten wie auch der BUND lehnen Fracking rundum ab. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis tritt für einen sozial verträglichen Ausbau der Erneuerbaren Energien und eine grundlegende Reform des EEG ein, die den Ausbau langfristig sichert und die Strompreise im Blick hat.

Massentierhaltung: Differenzierte agrarpolitische Sichtweisen haben die vier Kandidaten bei der Forderung, die industrielle Massentierhaltung und Fleischexporte zu stoppen. Annette Weinreich will die gesetzliche Privilegierung für landwirtschaftliche Betriebe mit gewerblicher Tierhaltung im Außenbereich aufheben.

Eva-Maria Glathe-Braun fordert eine Abschaffung der Massentierhaltung. "Quälerische Praktiken in der Tierhaltung" müssten unterbunden und Tiertransporte auf vier Stunden begrenzt werden. Auch Hilde Mattheis findet, dass sich die landwirtschaftliche Nutztierhaltung stärker an den Bedürfnissen der Tiere ausrichten muss.

Berger findet die Produktion von Nahrungsmitteln in Großbetrieben nicht per se verwerflich, solange Standards des Tierschutzes eingehalten würden. Exportsubventionen für Agrarprodukte lehnt er ab, gerade wenn es um Exporte in Entwicklungsländer geht, da hierbei Märkte verzerrt oder gar zerstört würden.

Gentechnik: In eine ähnliche Richtung argumentiert Berger bei der Frage nach einem gentechnikfreien Baden-Württemberg: Der Verbraucher sei ausreichend informiert und lehne daher gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Die Forschung mit Gentechnik berge jedoch große Chancen, die man sich nicht verbauen solle. Dabei müsse allerdings sichergestellt bleiben, dass veränderte Gene sich nicht unkontrolliert verbreiten können.

Für Hilde Mattheis sind die Auswirkungen von genetisch veränderten Lebensmitteln auf Mensch, Tier und Umwelt noch nicht ausreichend erforscht. Solange Gefahren für die gesamte Umwelt nicht ausgeschlossen sind, sei sie gegen Gentechnik, betont die Ulmer SPD-Bundestagsabgeordnete.

Der Meinung ist auch Annette Weinreich: Sie ist zwar für eine Vielfalt von Lebensmitteln. Die Verbraucher sollten aber unbewusst keine genmanipulierte Nahrung erhalten. Die Grünen-Stadträtin fordert deshalb eine Positivkennzeichnung gentechnikfreier Lebensmittel.

Auch die Linken-Kandidatin Eva-Maria Glathe-Braun will der Gentechnik in Baden-Württemberg die Rote Karte zeigen, da die Risiken der Agro-Gentechnik nicht beherrschbar seien. Eine Koexistenz gentechnisch veränderter und unveränderter Pflanzen hält sie für schlicht unmöglich.

BUND fragt Kandidaten im Stadthaus
Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung
Kommentieren

Kommentare

17.09.2013 11:31 Uhr

"CDU/CSU: –keine Antwort–"

"Stellungnahmen der Parteien zu den 8 Forderungen von openPetition für wirkungsvollere öffentliche Bundestagspetitionen"

bei den Fragen 1 bis 7:

CDU/CSU: –keine Antwort–
CDU/CSU: –keine Antwort–
CDU/CSU: –keine Antwort–
CDU/CSU: –keine Antwort–
CDU/CSU: –keine Antwort–
CDU/CSU: –keine Antwort–
CDU/CSU: –keine Antwort–

Frage 8: "Volksinitiative: Bürger/innen können Gesetzesentwürfe einbringen, ab einer festen Unterschriftenzahl muss das Parlament einen Beschluss zu dem Vorschlag fassen. (Aus den Wahlprogrammen der Parteien zur Bundestagswahl 2013)

CDU/CSU: Keine Initiativ-Möglichkeiten im Wahlprogramm. Bürgerbeteiligung wird nur im Zusammenhang mit Einbeziehung bei Großvorhaben wie dem Bau eines Flughafens genannt."

https://www.openpetition.de/blog/wahlen-sie-burgerbeteiligung-am-22-september

Antworten Kommentar melden

05.09.2013 17:07 Uhr

Antwort auf „Von wegen nichts unternommen”

Hervorrander Kommentar. Dem ist nichts hinzuzufügen. Diese undifferenzierten und reflexhaft gestreuten Dogmen des BUND bringen uns leider nicht weiter. Ich halte die Arbeit des BUND für wichtig, aber leider in der Sache weniger dienlich, als es sein könnte, wenn man die Themen mehr reflektierte, damit das jeweilige Problem auf den Punkt und somit auch in der Sache weiter brächte.

Antworten Kommentar melden

05.09.2013 15:46 Uhr

Arroganz von Frau Schavan

Frau Schavan hat - im Gegensatz zu allen (!) anderen Bundestagskandidaten - auf die Fragen nicht reagiert. Auf Nachfrage ließ sie ihren Referenten mitteilen, dass sie die Fragen nicht zu beantworten gedenkt. Heute gibt es ein Podiumsgespräch, und Frau Schavan nimmt nicht teil. Es ist ja nicht so, dass die hiesigen Kandidaten 20 mal Podiumsgespräche zu absolvieren hätten...
Das Verhalten von Frau Schavan ist schlicht unerträglich arrogant, gegenüber potentiellen Wählern und gegenüber den anderen Bundestagskandidaten, und ich hoffe, dass diejenigen, die mit der Zweitstimme CDU wählen wollen, die Erststimme jemand anderem als Frau Schavan geben.

Antworten Kommentar melden

04.09.2013 19:22 Uhr

Von wegen nichts unternommen

Angela Scheffold, von welchen Skandalen ist hier die Rede? Von Lebensmittel, Tierhaltung, Klimaveränderung, Atomkraft, Wasserverschmutzung?

Das klingt so anklagend, als ob die Menschheit seit den letzten hundert Jahren keine Kläranlagen entwickelt hätte und unser Trinkwasser nicht das am besten kontrollierte Lebensmittel wäre. Das klingt so, als ob wir keine Hygienevorschriften und keine hohen Standards bei der Produktion, Aufbewahrung und Zubereitung von Nahrungsmitteln hätten. Das klingt so, als ob es in der vorindustriellen Zeit keinen Klimawandel gegeben hätte. Das klingt so, als ob die alternative Stromerzeugung keine schädlichen Nebenwirkungen entfalten würde.

Bevor es die von den Natur- und Umweltschützern so scharf kritisierte moderne Industriegesellschaft gab, wurde das Wasser mit Wein gemischt, um es überhaupt trinkbar zu machen. Auf der Alb gab es im Sommer weder Wein noch geklärtes Wasser, sondern nur verfaultes. Dieses faulige Wasser wollte nicht einmal das Vieh mehr trinken. Mutterkorn und Schimmel waren tödliche Gefahren. Die Wälder wurden immer mehr abgeholzt, weil neben Kohle Holz der einzige Brennstoff, bzw. Energielieferant war. Um das Schicksal von Tieren kümmerte sich überhaupt niemand. Es gab nämlich keine Tierschutzvorschriften. Kinder wurden ab dem siebten Lebensjahr als Erwachsene behandelt. Kindheit ist nämlich eine Erfindung der Moderne. Die Lebenserwartung war um einiges geringer als heute weil es keine Impfstoffe gab, die tödliche Epidemien verhindern halfen.

Nein, ich finde es nicht skandalös, dass man aus den heutigen Skandalen nichts lernt und sie schon nach sieben Tagen vergessen hat. Ich finde es viel skandalöser, dass der Fortschritt der Technik, der uns so viel mehr Lebensqualität beschert hat, nicht gewürdigt wird. Sorry, ich kann diese Romantisierung der Vergangenheit und der "heilen Natur" beim besten Willen nicht nachvollziehen.

Wer also soll da nichts unternommen haben? Um den Umweltschutz auf dieses hohe Niveau zu bringen, das wir heute haben, war die Arbeit und die Kreativität tausender Techniker, Ingenieure und Wissenschaftler erforderlich. Es wurde unglaublich viel unternommen und wer jetzt noch daherkommt, und meint, es müsse NOCH MEHR unternommen werden, der mag vielleicht recht haben, aber es kann sich nur noch um marginale Verbesserungen handeln. Um die kann man streiten, aber ich denke, es gibt wahrlich genügend andere Probleme, um die man sich dringender kümmern sollte, denn kein einziger der sogenannten Skandale der letzten Jahre war es wert, dass man sich länger als sieben Tage hätte damit beschäftigen müssen.

Antworten Kommentar melden

04.09.2013 17:02 Uhr

Antwort auf „Diese Naturschutzbund-Fritzen nerven!”

Aber zu einer unflätigen Antwort reichts noch?
Derartige Ignoranten der Realität sollten sich einige Kisten Bier in den Keller stellen. Diese sollten sie dann genüßlich leeren und anschließend versuchen ihre Scheuklappenrealität auf einem Spaziergang über die Autobahn zu überprüfen. Falls sie es nicht schaffen sollten, die persönliche Zukunftserwartung auf der anderen Straßenseite zu realisieren, so bleibt zumindest allen Naturschutzbund-Fritzen, die erfreuliche Bestätigung ihrer Vorhersagen.
Wer nicht nachhaltige Überlebensstrategien entwickelt, wird von der nahen Zukunft überfahren!

Antworten Kommentar melden

04.09.2013 12:49 Uhr

Ja mei,es ist halt Wahlkampf

Die üblichen "Ich-wünsch mir was"-Antworten. Wünschen kostet ja nichts, gell! Und die Umsetzung auch nicht, zumindest nicht unsere Polit-Ideologen.
Laaaangweilig...

Antworten Kommentar melden

04.09.2013 11:00 Uhr

Zu den Naturschutz-Fritzen von Andreas Schmitz

Meine Erfahrung in nahezu 30 Jahren Naturschutzarbeit war immer dieselbe:

Diejenigen die sich am wenigsten um Ihre Umwelt kümmern, sich alles NEHMEN, nur IHREN VORTEIL sehen, das sind dieselben, die uns bei jedem Skandal (ob Lebensmittel, Tierhaltung, Klimaveränderung, Atomkraft, Wasserverschmutzung) vorwerfen, warum WIR zuvor nichts dagegen unternommen haben.

Es sind auch diejenigen die nach 7 Tagen schon wieder alles vergessen haben und weitermachen wie bisher. Leider nichts gelernt!

Danke an die SWP für den Bericht, denn Frau Schavan hat bei der Gentechnik-Podiumsdiskussion auch nicht teilgenommen. Unkritische Wähler hat sie wohl genug. Wozu sich kritischen Fragen stellen?

Antworten Kommentar melden

04.09.2013 10:15 Uhr

Diese Naturschutzbund-Fritzen nerven!

Wie können ein paar wenige Umwelt-'Hysteriker' sich so aufblähen... Und wie kann die SWP denen immer so ein Podium bieten.

Nicht zu verstehen. Und ich kanns nicht mehr hören.

Antworten Kommentar melden

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Themenschwerpunkt

Bundestagswahl

mehr zum Thema

Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Laster reißt Ampeln am Bahnhof um - Straßenbahn steht still

Ein Lkw hat in der Friedrich-Ebert-Straße eine Ampel umgerissen. Die Straße war auf Höhe des Bahnhofs gesperrt. Straßenbahn und Busse hatten massive Verspätung. weiter lesen