Müllentsorgung: Anlieger fühlen sich überrumpelt

Die neue Regelung, dass Müllautos im Ulmer Stadtgebiet nicht mehr alle Haushalte  anfahren, sorgt für Diskussionsstoff.

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„Die Mülleimer stinken im Sommer bis in meine Küche“, erzürnt sich Anwohner Stefan Baur. Gestern Vormittag fand bei ihm im Eichenäckerweg am alten Roten Berg die erste Ortsbegehung statt – von insgesamt 40 im gesamten Stadtgebiet. Dabei haben Vertreter der Entsorgungsbetriebe Ulm (EBU) mit den betroffenen Anliegern besprochen, an welchen Sammelplatz sie künftig ihre Tonnen selbst bringen müssen. Wie berichtet verbieten die EBU ihren Müllfahrzeugfahrern, in engen Straßen ohne Wendeplatte weiter als 150 Meter rückwärts zu fahren. Und das ist in rund 40 Straßen der Fall. Diese Regelung wurde aus Sicherheitsgründen getroffen, weil immer wieder in ganz Deutschland beim Rückwärtsfahren Müllmänner und Passanten verletzt oder sogar tödlich verletzt werden. Aus diesem Grund gilt bereits eine neue Unfallverhütungsvorschrift der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung.

Klares Nein zum Sammelplatz

Baur vermutet, „dass die Müllmänner nicht mehr so weit laufen wollen“, denn bisher sei das Müllfahrzeug an manchen Abholtagen auch schon nicht mehr bis zum letzten Haus durchgefahren. Er braucht seine Tonne zwar nur auf die gegenüberliegende Straßenseite zu bringen, aber ihm stinken die Tonnen der Nachbarn. Dagegen wolle er sich wehren.

Dazu sagt EBU-Chef Michael Potthast, der am Montag selbst bei drei Ortsterminen dabei war: „Wir haben keinen Verhandlungsspielraum.“ Ansonsten habe es ihn aber gefreut, dass viele Anwohner Verständnis gezeigt hätten für die neue Regelung: „Je enger die Straße, desto größer war das Verständnis.“ Aber ganz Gewiefte hätten gleich mit ihm verhandelt, ob die EBU dann auf der Wegstrecke bis zum Sammelplatz als Gegenleistung den Winterdienst übernehmen. Tun sie nicht.

Die Haushalte, die die EBU bislang in einem Schreiben über die Neuregelung informiert haben, hätten sich überrumpelt gefühlt, weil sie vorher nicht gefragt wurden, zeigten die sechs Termine gestern. Andererseits hatte sich so manche Hausgemeinschaft bereits Lösungen überlegt. Ein Hausverwalter eines Wohnblocks in einer Stichstraße der Zinglerstraße bringt bereits die gemeinsame Biotonne vor. Vielleicht wird ja bald auch eine große Gemeinschafts-Restmülltonne angeschafft? „Ein bisschen Eigeninitiative würde uns sehr helfen“, sagt Potthast. Eigen­initiative auch dahingehend, dass ein rüstiger Anwohner die Tonne seiner betagten Nachbarin mit zum Sammelplatz nimmt. In vier Wochen dürften alle betroffenen Haushalte das Schreiben und die Einladung zu den restlichen 34 Ortsterminen erhalten haben.

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