Anglers Glück und seltenes Hobby: Jürgen Keller sammelt alte Stationärrollen

In Ulm gab es nach dem Zweiten Weltkrieg erstaunlich viele Hersteller von Angelgeräten. Jürgen Keller ist darauf gestoßen. Er sammelt alte Stationärrollen: Darin wird an der Rute die Angelschnur aufgerollt.

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"Hallo, ich bin Jürgen Keller aus Ulm, dem sonnigen Süden Deutschlands", spricht der gebürtige Ulmer die Online-Besucher auf seiner Homepage an. Ulm liege am Zusammenfluss von Donau und Iller, "umgeben von Baggerseen und einigen forellenreichen Bächen". Dann verrät der Gelegenheitsangler: Er sei interessiert an alten Rollen. An Fliegenrollen mit Schnurführung, an versilberten Holzrollen mit Horngriffen, an Multiplikatorrollen samt Getriebe mit Übersetzung.

Diese Stationärrollen sind kleine Spulen mit Gehäuse. Sie werden am Griff der jeweiligen Angelrute montiert und über diese Rollen wird die Schnur beim Auswerfen der Angel abgerollt und dann beim Reinholen des Fisches oder des leeren Köders wieder aufgewickelt. Je mächtiger der Fisch, desto komplizierter die Rolle. Beim so genannten Meeresangeln muss eine stabile Multiplikatorrolle her, um den Hai an Bord ziehen zu können, erklärt Keller.

Dabei hat der heute technische Angestellte vor 40 Jahren ganz klein angefangen. Er angelte Rotaugen in der Donau inmitten der Jugendgruppe des Fischereivereins Ulm/Neu-Ulm. Vor sieben Jahren fand er dann Gefallen an den Stationärrollen, nachdem er ein altes Modell geschenkt bekommen hatte.

Als Keller versuchte, das Teil übers Internet wieder zu verkaufen, "habe ich gestaunt, dass es weltweit so viele Sammler gibt". Wie jeder Anfänger kaufte er erst einmal alles, "was alt war". Inzwischen konzentriert sich Keller auf italienische und vor allem deutsche Stationärrollen. Ihn begeistere die unterschiedliche Technik. "Die Rollen aus der Nachkriegszeit waren zum Teil schon sehr aufwendig hergestellt", sagt der 51-Jährige. Das Sammeln ist jetzt sein "Winter-Hobby", sozusagen sein Angler-Glück. Denn angeln geht der dreifache Vater nur noch ab und zu. Sein 19-jähriger Sohn angelt öfter. Wie kommt es, dass unter den rund 300 Sammlerstücken auch etliche Ulmer Modelle sind? "Hier gab es früher etliche Angelgerätehersteller", sagt Keller und zeigt auf den winzigen Spatzen, der ein Rollengehäuse ziert. Der Ingenieur Hans Oelschläger hatte diese "Weitwurfrolle Ulm" nach dem Zweiten Weltkrieg produziert - in der Nähe des Ulmer Hauptbahnhofs. Oder Hermann Stork in der Hirschstraße, 1880 einer der Gründer des Ulmer Fischereivereins. Oder die Firma Staudenmayer in Ulm a. D. Solche Erkenntnisse holt sich Keller unter anderem aus uralten Jahresausgaben der "Allgemeinen Fischerei-Zeitung".

Ansonsten aber tauschen sich die Sammler übers Internet aus und suchen so auch nach Feinmechanikern, die die fehlenden Ersatzteile einer beschädigten Stationärrolle noch herstellen können. Zweimal im Jahr kann sich Keller online an Auktionen in Bad Karlshafen, in der Nähe von Kassel, beteiligen.

Der eigentliche Handel jedoch blüht auf der großen Messe bei Eindhoven. Dazu packt Keller seine Rollen "körbeweise" in den Kofferraum und fährt durch bis nach Holland. "Dort treffen sich die Sammler aus ganz Europa, das macht Spaß." Die Betonung liegt auf Sammler. Eine Stationärrollen-Sammlerin ist Keller noch nicht begegnet.

Info
Wer Kontakt aufnehmen möchte mit Rollen-Sammler Jürgen Keller aus Donaustetten: Telefon: (0731) 6860; E-Mail: jbmsp@gmx.de

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