André Rieu und seine sehr musikalische Show-Truppe begeistern das Publikum

Das Debüt des holländischen Walzerkönigs in Neu-Ulm: André Rieu und sein Johann Strauss Orchester samt Opernensemble sorgten für gute Laune. ja Begeisterung in der Ratiopharm Arena.

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Sehr bunt, sehr professionell, sehr unterhaltsam: Walzerkönig André Rieu und Gefolge in Neu-Ulm. Foto: Sophie Kraus  Foto: 

Ein Bugatti Veyron zum Beispiel beschleunigt mit seinen 1000 PS von Null auf Hundert in 2,5 Sekunden - das ist allerdings ziemlich lahm im Vergleich zu einem Konzert von André Rieu und seinem Johann Strauss Orchester. Dort dauert es handgestoppte 0,1 Sekunden bis die Stimmung den Siedepunkt erreicht. Marschmusik aus dem Lautsprecher, auf den Videowänden zündet ein Feuerwerk, und quer durch die Halle zieht der Walzerkönig mit seinem großen Gefolge ein, unter rhythmischem Applaus der 4000 Zuhörer. Gut zweieinhalb Stunden wird sich am Begeisterungspegel nichts ändern.

Endlich einmal ist André Rieu in Ulm zu Gast - in der Neu-Ulmer Arena natürlich: Den Donnerstagabend lang schwärmte der 63-Jährige, ein begnadeter Unterhaltungskünstler, von Neu-Ulm! Der Veranstaltungsort als Running Gag. Diese "romantische Halle" sei ja geradezu ideal, um 25 Jahre Johann Strauss Orchester zu feiern, die Silberhochzeit zwischen ihm und dem Publikum. Apropos: Die Bühne sieht aus wie eine marzipanverzierte, zuckersüße Hochzeitstorte, nur dass dort lecker Musikerinnen und Musiker sitzen, die Damen in bonbonfarbener Ballkleidern, die Herren befrackt. Erstaunlich das Aufgebot von rund 50 Instrumentalisten plus quietschvergnügten Chordamen, die nicht brav die Klassik herunternudeln, sondern erstens Qualität besitzen und zweitens für jeden Ulk zu haben sind. André Rieus Show: Das ist auch ein Musikzirkus, und zwar mit Akrobaten, an der Zither, am Carillon oder am Xylophon.

Erstaunlich auch: Diese walzernden Holländer haben offensichtlich Spaß, immer noch, nach unzähligen Konzerten und Tourneen. Die Truppe des smarten, humorvollen Geigen-Conférenciers Rieu, sie lacht. Ob das Unterhaltungsgewerbe wirklich nur Vergnügen bereitet? Egal, diese Profis geben alles, zeigen bestes Handwerk, das Publikum bekommt viel für sein Geld (73 Euro noch auf oberen Tribünen!).

Es wird auch längst nicht nur der Dreivierteltakt bemüht, wenngleich der Donauwalzer Pflicht ist - und einige Zuschauerpaare zur Kür schreiten und in der Halle dazu tanzen. Auf dem Programm steht aber auch Maurice Ravels "Bolero", Klangfarbenspektakel mit dem berühmten, von zwei Kleinen Trommeln straff durchgezogenen Ostinato - und die Aufführung ähnelt dem Original sehr. Rieu verabreicht seinen Fans keine billige Schonkost, nicht alles ist nur glattbügelt. Show-spezifisch ist nur der Flügel als eine Art Generalbass im Einsatz. Und der Chor, der mit Vokalisen den sinfonischen Sound füllt.

Der weltweit beliebte Rieu, der als Stehgeiger keine großen Soli wagt, sondern als dirigierender Frontmann mitspielt, packt dann auch Oper aus der Wundertüte. Drei Tenöre, allerdings hörbar nicht die drei Tenöre, schmettern "Nessun Dorma". Fesche Damen bieten auf beeindruckendem Niveau die "Habanera" aus "Carmen", das "Casta diva" der "Norma" und, ein Höhepunkt, die große Koloraturarie der Puppe Olympia aus "Hoffmanns Erzählungen".

Riesenapplaus, das Trinklied aus Verdis "La Traviata" darf dann im großen, feucht-fröhlichen Finale nicht fehlen; die Klarinettistin allerdings schüttet den Sekt auf Ex runter, ein anderer Holzbläser greift zur Flasche. Dann aber wirds so richtig leutselig, dann gibts kein Halten mehr: ein Volkslieder-Potpourri zum Mitsingen, bis nicht nur der kleine Gardeoffizier Adieu sagt.

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