Anatomie-Trauergottesdienst für 90 Körperspender im Münster

Respekt und tiefe Dankbarkeit - diese Worte erklangen in vielerlei Gestalt am Mittwoch beim Anatomie-Trauergottesdienst im Münster für 90 Körperspender.

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Für jeden der 90 Körperspender wurde gestern im Münster eine Kerze angezündet und der Name verlesen - als Zeichen des Danks und des Respekts. Foto: Matthias Kessler

"Sie haben ihre Körper zur Verfügung gestellt, damit wir lernen können zu helfen und zu heilen." Zum Dank und zum Gedenken an die 90 Frauen und Männer gestalteten die Medizinstudenten am Mittwoch den Anatomie-Trauergottesdienst im Münster. Rund 500 Menschen nahmen daran teil, Angehörige der Körperspender und der medizinischen Fakultät der Uni Ulm. Der katholische Studentenpfarrer Michael Zips und die evangelische Münsterpfarrerin Tabea Frey hatten als Motto des Gottesdiensts "Über den Tod hinaus" gewählt.

Für die Medizinstudenten gehört der so genannte Präparierkurs zur Grundausbildung. Hier kommen die angehenden Ärzte erstmals in Kontakt mit Leichen, um Anatomie in der Praxis zu studieren. Freiwillige stellen dafür ihre Körper nach ihrem Tod zur Verfügung.

Einige Studenten berichteten gestern über ihre Gedanken und Eindrücke aus dem Kurs. Die meisten spürten anfangs Angst und Unsicherheit, doch dann stellten sich Faszination ein und Dankbarkeit für die Spender, dazu machten sich auch viele Gedanken über deren Leben. Ein Studierender bezeichnete den Spender als "Begleiter auf meinem Lebensweg, obwohl er tot ist. Durch seine Hilfe habe ich mehr über mich selbst gelernt." Eine zukünftige Ärztin sagte, sie empfinde große Dankbarkeit für die 90 verstorbenen Frauen und Männer. "Ihr letzter Schritt auf dieser Welt war, uns zu begleiten. Jetzt ist es an uns, sie auf ihrem letzten Schritt von dieser Welt zu begleiten."

Die Studierenden gestalteten den Gottesdienst mit Wort- und Musikbeiträgen. Zwei islamische Studenten bedankten sich in der Tradition ihrer Religion für die Opferbereitschaft zum Wohl der Menschheit. Anatomie-Professor Dr. Matthias Böckers attestierte den Körperspendern ein "weitsichtiges Vermächtnis". Im Laufe des "intensiven Semesters" hätten die Studenten "auch durch die Begegnung mit der Endlichkeit einige neue Dimensionen des Arztberufs kennengelernt".

In ehrendem Gedenken wurden die Namen der 90 Frauen und Männer vorgelesen und dazu jeweils eine Kerze angezündet. Die Gedanken der Studenten bleiben noch einige Tage lang an der Gebetswand im Münster aufgehängt, wo Interessierte sie lesen können.

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