Alte Apfelsorten

Schwarzwälder Renette und Goldparmäne sind alte Apfelsorten. Sie wachsen beispielsweise auf Hochstämmen auf einer Streuobstwiese im Örlinger Tal - und sind auf dem Ulmer Wochenmarkt sehr gefragt.

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    Helene Holzschuh gibt an ihrem Marktstand gerne Auskunft über alte Apfel- und Birnensorten. Fotos: Matthias Kessler
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Ein Ehepaar bleibt auf dem Wochenmarkt am Apfelstand vor dem Münster stehen. Der Mann sagt zu seiner Frau: "Schau mal, Goldparmäne, den Apfel kriegst Du heute nicht mehr, wenn Du Bodenseeobst kaufst." Sie nickt.

Heinz Holzschuh nickt auch, bejaht aber etwas anderes: "Die Erwerbsanbauer kommen auch wieder drauf, auf die alten Sorten." Er hat seit zehn Jahren diesbezüglich Heimvorteil, denn er hat gemeinsam mit seiner Frau Helene im Örlinger Tal vom Großvater eine Streuobstwiese übernommen. Die Bäume sind zwischen einem und 100 Jahre alt, denn Holzschuh ersetzt altersschwache Obstbäume immer wieder durch junge Hochstämme. Der 100-jährige ist eine Mostbirne, "die ist nicht zum Verzehr geeignet, nur zum Verkaufen", scherzt er. Er verkauft die herbe Sorte als Mostobst.

Umso süßer sind die alten Birnen- und Apfelsorten, die er in der Hauptsaison - neben anderen Kollegen mit heimischem Obst - mittwochs und samstags auf dem Ulmer Wochenmarkt anbietet. Aber was heißt anbietet: Man kann regelrecht zuschauen, wie sich die Obstkisten langsam aber stetig leeren, bis der Markt um 13 Uhr vorbei ist.

Eine Frau kauft fast zwei Kilo rotbackige Äpfel querbeet durch die Sorten. Ein Mann verlangt drei gelbe Butterbirnen, zahlt 30 Cent und darf sich noch eine vierte aus der dann leeren Kiste nehmen. Eine weitere Kundin findet den saftigen und süßen Gravensteiner "wahnsinnig gut". Und Helene Holzschuhs Favorit ist der "Transparent". Die Streuobstwiesen-Expertin hat uns ein paar Sorten beschrieben:

Der gelbe Transparent gehört wie der hellgrüne Klarapfel und der rotgelbe große Jakob Fischer zu den Frühäpfeln. Deshalb hält sich der Transparent auch nur 14 Tage, und er ist druckempfindlich. Die Frucht enthält wenig Säure, schmecke mild und sogar "etwas nach Banane". Vor allem aber sei der Transparent ideal zum Kuchenbacken. Am besten auf einem Blech zwischen Hefeteig und Butterstreuseln.

Die Goldparmäne mit ihrer rot gesprenkelten Schale auf gelbem Grund habe zwar einen eigenwilligen Geschmack, "aber manche Leute mögen sie sehr", sagt Helene Holzschuh. Der Apfel galt über viele Jahrhunderte als eine der besten Tafelobstsorten. Diese alte Sorte entstand wahrscheinlich bereits um 1510 in der Normandie. Bei den Franzosen heißt sie sogar Reine des Reinettes (Königin der Prinzessinnen). Aus dem Sortiment des modernen Erwerbsanbaus ist die Goldparmäne jedoch nahezu verschwunden, da sie sehr krankheits- und schädlingsanfällig ist.

Der Elstar muss ebenfalls gegen Pilzkrankheiten gespritzt werden. Da Holzschuhs aber Spritzmittel ablehnen, hatten sie dieses Jahr beim Elstar "eine Missernte". Die Früchte sind voller Schorf, dem Schadbild des Pilzes, und landen deshalb alle "in der Moste". Der Elstar wurde ab 1955 in den Niederlanden gezüchtet und 1972 ins Zuchtbuch eingetragen. Die Muttersorte ist der Golden Delicious, die Vatersorte heißt Ingrid-Marie.

Die Alkmene ist ebenfalls eine sehr alte Sorte mit ihrer rotgesprenkelten Schale. Sie schmeckt süßsauer und hat ein etwas gröberes Fruchtfleisch als andere Sorten. Die so genannte Genussreife dauert von September bis November. Die Alkmene ist eine Kreuzung aus Cox Orangenrenette und Geheimrat Dr. Oldenburg. Der Baum ist nicht empfindlich gegen Schorf und Mehltau, allerdings anfällig für Feuerbrand und Krebskrankheiten. Er benötigt eine milde, leicht schattige Lage, in der die Blüten keine Spätfröste abbekommen.

Die Schwarzwälder Renette (großes Foto) ist knackig und süßsauer. Holzschuhs Kunden kaufen den kleinen roten Apfel gerne ihren Kindern fürs Pausenvesper oder als Zierde für einen Erntedank-Kranz.

Der Himbeerapfel (Foto rechts) heißt so, weil seine Schale himbeerrot ist, nicht wegen des Geschmacks, erklärt Helene Holzschuh. Er muss schnell gegessen werden, überreif schmecke er nicht. Man soll zwar Äpfel nicht mit Birnen vergleichen, aber auch dort gibt es süße alte Sorten:

Die Butterbirne mit der dunkelorangefarbenen Schale bezeichnet Helene Holzschuh als "zart schmelzend und zuckersüß für Kinder".

Die Doppelte Philippsbirne heißt deshalb so, weil ein Fruchtstand immer aus zwei Birnen besteht. Sie ist saftig, nicht zu süß, gut zum Kuchenbacken und bleibt weiß beim Eindünsten.

Eindünsten, macht das heute noch jemand? Alte Ulmer Wochenmarktkunden schon.

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