Alles Müll, oder was?

"Müllzappen" im Ulmer Stadthaus. Theater auf der Bühne und an der Wand. Ein fantasievolles abstraktes Tanztheaterstück, das gezielt überfordert. Der Rezipient muss den geistigen Müll selbst trennen.

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Drei Tänzer, ein Thema: Müll. Robert Kis, Katrin Schafitel und Helmut Ott (von links) winden sich durch Alltagsüberreizung. Foto: Sophie Krauss

Was haben gebrauchte Nespressokapseln, ein verschlissener Teppich und alte Notenblätter eigentlich auf dem Müll zu suchen? Laut Helmut Ott und Robert Kis nichts. Das machten der Münchner Choreograf und sein Kostümbildner zusammen mit Tänzerin Katrin Schafitel am Donnerstag im Ulmer Stadthaus deutlich. "Müllzappen" war folglich die Tanz-Performance mit Video-Backdrop überschrieben, eine von drei Veranstaltungen zum Thema "Tanz multimedial - interaktiv - bewegend".

Während Helmut Ott sich auf der linken Seite unter einem großen Video-Band-Salat windet, zieht der rechts am Bühnenrand hockende Robert Kis das Band aus einer Kassette und verbindet sich damit die Augen. Katrin Schafitel scheint derweil in der Mitte des kargen Raums aus Trance zu erwachen, streckt und räkelt sich. Zur Untermalung verwendet Ott unterschiedliche Elektroklänge. Auf eine Leinwand projiziert werden dazu schnelle Bilder, teilweise unkenntliche Szenen und nur halb leserliche Zitate, die das vierte Mitglied dieser freien Gruppe, Vivien Holm, zusammengeschnitten hat. Die Aufmerksamkeit zappt - passend zum Titel des Stücks - zwischen Video und Bühnengeschehen hin und her.

Das Video entstand, als Ott und Kis Abfallprozesse in Form eines Tagebuchs schriftlich und fotografisch dokumentierten. Die beiden Künstler haben dabei Müll auf außergewöhnliche Weise analysiert. Alltagsmüll, Datenmüll - alles eine Spur in die Vergangenheit, die Informationen über Lebensumstände liefert. Verbrauchtes ist in diesem Stück nicht gleich Verbrauchtes.

Auch die Kostüme des hauptberuflichen Designers Kis sind von Dingen inspiriert, die er täglich in seiner Umwelt findet. Daraus kreiert er sogenannte Objektkostüme, die den Wert des Abfalls zeigen sollen. Sogar die Requisiten bestehen aus Müll, die ganze Bühne wird zum Labor, die Choreografie ist gepaart mit improvisiertem Tanz.

Ganz schön viel Müll für ein einziges Stück. Klingt abstrakt und ist es auch. Die unzähligen Infos und Wiederholungen sollen die Konzentration des Zuschauers stören und ihn so überfordern. Er wird buchstäblich zugemüllt und soll selbst entscheiden, auf was er sich konzentriert. Was ist Müll, was nicht? Ganz wie im informationsüberfluteten Alltag. Der eine oder andere war damit aber doch etwas zu überfordert.

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