Allergien durch Fast Food?

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Das Gegenteil von Fast Food: Frisches Gemüse.  Foto: 
Papa, ich möchte einen Hamburger, Papaaaa! Und Pommes! Kinder stehen auf Fast Food, sie sind kaum an den Läden vorbeizulotsen, ohne dass Tränen fließen. Als Vater oder Mutter braucht es gute Nerven. Dass es durchaus zum Wohl der Kinder sein kann, nicht jedem Drängen nachzugeben, zeigt jetzt eine großangelegte internationale Studie, die einen möglichen Zusammenhang herstellt zwischen Allergien und häufigem Konsum von Fast Food: Kinder, die drei Mal in der Woche Hamburger und Pommes essen, haben ein erhöhtes Risiko, an Asthma, Heuschnupfen oder Hautausschlägen zu erkranken, sagt Gabriele Nagel.

Zusammen mit ihrer Kollegin Dr. Gudrun Weinmayr hat die Professorin vom Institut für Epidemiologie und Medizinischen Biometrie an der Uni Ulm an der weltweit größten Untersuchung mit einer halben Million Kindern und Jugendlichen mitgearbeitet. Deutschland war eines von 50 Ländern, die sich an der Studie beteiligten. Neben Indien, Nigeria, Polen, Iran, Spanien, Chile, Korea oder Taiwan, um nur ein paar zu nennen.

Zunächst aber: Was ist überhaupt Epidemiologie? Eine wissenschaftliche Disziplin, angesiedelt zwischen Medizin, Biologie, Mathematik, Soziologie und Psychologie, die sich mit Risikofaktoren für Erkrankungen in der Bevölkerung und den Einflussgrößen auf den Krankheitsverlauf beschäftigt. Ziel ist die Früherkennung und Prävention von Krankheiten. So auch in der Studie mit dem Titel „International Study of Asthma an Allergies in Childhood“, kurz: Isaac. Sie basiert auf der Beobachtung, dass Asthma und Allergien bei Kindern und Jugendlichen mit zu den häufigsten Erkrankungen zählen, wie Gabriele Nagel sagt. „Mittlerweile leiden zwischen 5 und 10 Prozent an einer Verengung der Atemwege, sie klagen über Heuschnupfen oder haben Hautausschläge.“ Mit steigendem Trend.

Galt diese Aussage bislang nur für Industriestaaten, so häufen sich diese Krankheiten seit einigen Jahren auch in den weniger entwickelten Staaten. Die Ursache? „Genau in diesem Zeitraum nahm auch der Konsum von Fast Food in diesen Ländern zu.“ Gab es da einen Zusammenhang? Und welchen?

Die Wissenschaftler erarbeiteten Fragebögen, um möglichst umfassende Daten zum Essverhalten der Kinder und Jugendlichen zu erhalten. Zu den Lebensmitteln, zur Menge, zur Häufigkeit. Ob Fleisch, Fisch, Gemüse und Obst, ob Hamburger und Pommes. Damit aber nicht genug. Daten zu sportlicher Aktivität, zum Fernsehkonsum und Wohlstand, zum Geschlecht und zur Religion wurden erfasst. Und ob die Mutter beispielsweise raucht. Wie aufwendig die Studie war, zeigen allein zwei Zahlen: 180 000 Kinder im Alter von 6 und 7 Jahren, 319 000 Jugendliche im Alter von 13 und 14 Jahren wurden befragt. Dazu mussten die Fragebögen in die jeweiligen Sprachen übersetzt werden, „alles nicht ganz einfach, denn gerade beim Essen offenbaren sich große kulturelle Unterschiede“, sagt die Epidemiologin.

Das Bild, das sich den Forschern bei der Auswertung bot: Es war sehr einheitlich über die Staaten hinweg. Ob in Asien, ob im Mittelmeerraum, ob in Indien oder in Europa – ganz gleich auch, welche Wertigkeit Fast Food in der jeweiligen Kultur einnimmt („das ist in Nigeria oder Ghana völlig anders als bei uns“), unabhängig von sozialen Unterschieden oder vom Geschlecht, ein Zusammenhang trat deutlich zu Tage: Wer drei Mal in der Woche Hamburger und Pommes zu sich nimmt, hat ein erhöhtes Risiko, Asthma und Allergien zu bekommen. Die Ursache findet sich laut Gabriele Nagel in den Trans-Fettsäuren, das sind ungesättigte Fettsäuren, die vor allem in industriell gefertigten Produkten auftreten. „Sie sollen verantwortlich sein für Asthma und Allergien.“ Obst und Gemüse, ebenfalls drei Mal in der Woche, schützt dagegen vor diesen Erkrankungen – auch das zeigen die Daten „relativ einheitlich“.

Sie selber isst zwar auch mal einen Hamburger, „wenn’s mich überkommt. Mit drei Mal in der Woche hätte ich allerdings Mühe.“ Ihre Empfehlung für Eltern freilich lautet, es mit Fast Food nicht zu übertreiben und lieber zu Obst und Gemüsen zu greifen. Zu denken geben sollte auch eines: „Das Essen gleich sich immer mehr an, das ist eine Folge der Globalisierung.“
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Kommentare

26.02.2013 08:23 Uhr

Mehr Details und ein anderer Blickwinkel

Für das Gesamtbild der Thematik empfehle ich dem Lebensmittelchemiker Udo Pollmer zuzuhören: http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/mahlzeit/2005574/

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26.02.2013 00:37 Uhr

.. Na dann Mahlzeit!

.. Na dann Mahlzeit!

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