Alle 16 Stunden wird in Ulm ein Fahrrad gestohlen

Die Polizei rät in den Sommermonaten zu erhöhter Vorsicht und empfiehlt etwa zehn Prozent des Kaufpreises für ein Rad in dessen Sicherung zu investieren.

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Nach Angaben der Polizei wird immer dort besonders viel gestohlen, wo viele Fahrräder sind – wie hier vor dem Hauptbahnhof. Wirkungsvollster Schutz sind massive Schlösser.  Foto: 

Am Mittwoch erst hat die Polizei eine großangelegte Kontrolle in der Ulmer Innenstadt gemacht. Es ging um Fahrradfahrer, die verbotenerweise durch Fußgängerzonen fahren und verwarnt wurden. Jetzt gibt dasselbe Polizeipräsidium eine Warnung heraus, dass Fahrradbesitzer ihre Zweiräder besser schützen sollen, weil vor allem in den Sommermonaten die Diebstähle sprunghaft anstiegen.

Diese Woche waren es nur drei. „Eine Ausnahme“, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jürgens. Drei Fälle aber, die die ganze Bandbreite möglicher Szenarien aufzeigen. So wurde in der Nacht auf Montag in der Pfauengasse ein Fahrrad gestohlen. In Wiblingen wurde ebenfalls über Nacht ein vor einem Wohnhaus an der Johannes-Palm-Straße angeschlossenes Mountainbike im Wert von 600 Euro gestohlen.

Fast 1000 Euro mehr wert ist das Fahrrad, das am Mittwoch am helllichten Tag mitten in der Stadt gestohlen wurde. Das Mountainbike war nur eine Stunde lang vor einem Geschäftshaus an der Neuen Straße abgesperrt. Als der Besitzer von seinen Besorgungen zurück kam, war es weg. „Es wird zu jeder Tages- und Nachtzeit gestohlen. Da kann man keine spezielle Warnung aussprechen“, sagt Jürgens.

Statistisch gesehen kommt allein im Stadtgebiet Ulm etwa alle 16 Stunden ein Fahrrad weg. 559 waren es im vergangenen Jahr, 619 sogar im Jahr 2015. Die Jahre zuvor waren die Zahlen immer nach oben gegangen von 321 Diebstählen im Jahr 2007 bis zuletzt eben 559 – auf für dieses Jahr zeigt die Tendenz nach oben.

Kurioserweise ist die Entwicklung in Neu-Ulm anders herum. Dort sinken die Zahlen seit Jahren. 2014 wurden noch 248 Räder geklaut, dann 2011 und nur noch 170 im vergangenen Jahr. „Wir haben viel Aufklärung betrieben die letzten Jahre“, sagt Markus Zoller von der Inspektion. Ob das der Grund für den Rückgang der Diebstahlzahlen ist, weiß er nicht, hoffen aber tut er es.

Auf Ulmer Seite räumt Behördensprecher Jürgens mit einem  Gerücht auf: Für die Vermutung, dass organisierte Banden durch die Städte ziehen und ganze Lkw-Ladungen gestohlener Fahrräder gen Osten kutschieren, gebe es keinerlei Belege. Er glaubt vielmehr, dass die Gelegenheit schlecht oder unzureichend gesicherter Räder Diebe macht.

„Viele stehlen oft nur, um mit dem Rad irgendwohin zu fahren“, sagt Jürgens. Dann würde es einfach stehen gelassen. Daraus folgert er, dass die Abschreckung umso größer sei, je besser ein Fahrrad gesichert ist. Seiner Erfahrung nach geht es den Dieben nur selten darum, das Rad zu verkaufen und Geld damit zu machen.

Sicherheitstest Die Stiftung Warentest hat über 30 Fahrradschlösser getestet, und viele schlechte Noten verteilt. Am besten abgeschlossen haben Bügelschlösser, die es schon ab 30 Euro gibt. Dünne Kabel- und Spiralkabelschlösser fallen dagegen ziemlich durch. Auch Kettenschlösser haben noch gut abgeschlossen. Allerdings fanden die Tester in der Ummantelung krebserregende Schadstoffe. Kein gutes Zeugnis bekamen Falt- und Panzerkabelschlösser. Die Polizei empfiehlt bei Rädern unter 1000 Euro, etwa zehn Prozent des Kaufpreises für ein Schloss auszugeben. Und das sollte unbedingt VdS-geprüft sein. Fahrräder sollten nicht nur abgeschlossen, sondern an einen festen Gegenstand angeschlossen sein.

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Kommentare

19.08.2017 09:44 Uhr

Strafen für Diebstahl sind lächerlich

Selbst wenn der Fahrraddieb erwischt wird, droht doch praktisch keine Strafe. Vielleicht etwas auf Bewährung, denn schwere Kindheit, geistige Minderbemittelung, kulturelle Missverständnisse werden schon mildernd wirken.
Wer keine Hemmung hat, ein Fahrrad im Wert von mehreren 100 Euro zu stehlen, wird später sicher ein gesetzestreuer Bürger, entgegen jedem erzieherischen Konzept. Wäre dem nicht so, müsste man bei einem Fahrraddiebstahl, der immerhin "schwerer Diebstahl" ist, andere Strafen verhängen.

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