Bilanz des 13. Einstein-Marathons: Alina Reh sorgt für den Glanzpunkt

Insgesamt 10.809 Sportler sind am Sonntag bei den Einstein-Läufen an den Start gegangen, eine ragte heraus: Im Halbmarathon lief die Athletin Alina Reh des SSV 46 deutschen U23-Rekord.

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Sportlich hat der Einstein-Marathon bisher kaum mit Höchstleistungen aufwarten können. Das ist seit Sonntagvormittag anders: Alina Reh hat in 1:11,20 Stunden den 22 Jahre alten deutschen Halbmarathon-Rekord für die Altersklasse der U23-Jährigen um 22 Sekunden unterboten. „Es hat richtig Spaß gemacht, auch wenn ich bei Kilometer 18 gedacht habe, jetzt könnte die Ziellinie langsam kommen“, sagte die 20-Jährige bestens gelaunt.

Ihr Trainer Jürgen Austin-Kerl hatte Alina Reh bis Kilometer zehn laufend begleitet, war dann aber aufs Fahrrad umgestiegen. Bei Kilometer 16 fiel die Entscheidung, den Rekordversuch durchzuziehen. Zu diesem Zeitpunkt lag die Laichingerin auf Kurs 1:12. „Dann hab ich mir gesagt, jetzt Attacke.“ Sie löste sich von ihrem Trainingspartner Darko Tesic (SSV 46), der am Ende Zweiter der Männer wurde. Im Fischerviertel überholte sie dann auch Efrem Tadese (SSV 46) und lief als Gesamtsiegerin ins Ziel ein.

Für die Veranstalter war dies etwas ganz besonderes, haben sie sich doch seit der Premiere daran gehalten, kein Startgeld für Stars zu bezahlen. Der Einstein-Marathon ist ein Volkslauf geblieben, Profis sucht man vergeblich im Feld. Aber Alina Reh ist eben eine von hier und seit sie acht Jahre alt ist mit von der Partie. Dass sie ihren Rekord in Ulm gelaufen hat, ist keinesfalls selbstverständlich, denn der Einstein ist nicht flach, hat Ecken, Kanten und Kopfsteinpflaster – eigentlich kein rekordverdächtiges Terrain. „Sie konnte fast Ideallinie laufen, die Begleiter haben super Arbeit geleistet und auch die wenigen Inliner, die noch auf der Strecke waren, haben fair Platz gemacht“, lobte Austin-Kerl.

So führte Alina Rehs erster Weg nach dem Ziel zu ihrem Begleitradler und den beiden Polizisten, die ebenfalls voraus geradelt waren. Ähnlich bedankte sich Marathonsieger Tobias Babel (MTV Freiheit) für die Unterstützung  beim Lauf zur persönlichen Bestzeit von 2:36,57 Stunden. Frauensiegerin Susanne Gölz (Breisgau) blieb in 2:54,59 Stunden deutlich unter drei Stunden.

Auch die Formalitäten, die ein solcher Rekord nach sich zieht, wurden prompt erledigt. „Die NADA wurde von uns informiert. Innerhalb einer Stunde war ein Kontrolleur da“, sagte Wolfgang Beck vom Veranstalter Sun. Die Doping-Kontrolle ist für Alina Reh längst Normalität: „Die klingeln öfter morgens an der Haustür“, erzählt sie.

Die Polizei als Vorausradler, als Verkehrsordner und Straßenfreiräumer holte sich am Sonntag zu Recht viel Lob ab von Läufern und Zuschauern. Wohl nicht von den 24 Autobesitzern, deren Fahrzeuge abgeschleppt werden mussten. Viele, die trotz zahlreicher Informationen und Schilder das Halteverbot ignoriert hatten, wurden noch rechtzeitig herausgeklingelt, doch alle konnte die Polizei nicht erreichen.

Das Rote Kreuz und die Ärzte von BWK und Uni-Klinik erlebten den erhofft entspannten Tag. „Das Wetter war perfekt“, sagte der leitende Notarzt Claus-Martin Muth. 77-mal mussten Sanitäter und Ärzte Hilfe leisten, fünf Menschen wurden ins Krankenhaus gebracht – darunter waren nur zwei erschöpfte Sportler. Auch den einzigen Knochenbruch erlitt ein Zuschauer.

An der Strecke herrschte wie immer gute Stimmung, wobei es viele bedauerten, dass sie nicht nach Pfuhl hinein durften. Zwar tat die Feuerwehrkapelle am Straßenrand außerhalb des Orts ihr Bestes, aber es waren doch deutlich weniger Menschen an der Strecke als sonst. Überhaupt rannten die Schnellstendurch viele ruhige Straßen. Die Masse an Zuschauern kam erst später, wobei es vor allem in der Altstadt wieder voll und laut wurde. Eben passend zum Gros der Läufer, die nun mal nicht nach 1:11 ins Ziel laufen, sondern für den Halbmarathon deutlich länger brauchen. Die meisten Fans kommen ganz klar, um den Vater, die Tochter, die Kollegen anzufeuern.

Ein weiteres Novum hatte es am Samstag gegeben: Erstmals waren nachmittags bei den so genannten kleinen Läufen mehr Sportler unterwegs als vormittags. Ganze Völkerwanderungen schoben sich vor dem ersten Start um 12.45 Uhr Richtung Neue Straße Höhe Gänsturm. Entsprechend voll wurde es im Zielraum, wo sich viele in die knisternden Rettungsfolien hüllten, obwohl die Sonne wärmte.

Am Ende war es wieder ein friedliches Fest mit deutlich mehr als 10.000 Sportlern, das Veranstalter und Polizei diskret geschützt haben. Gepäcklastwagen und Rettungsfahrzeuge waren oft so platziert, dass sie die Zufahrten blockierten. Alina Reh hat übrigens im kommenden Jahr neue Ziele. Ihre Zeit über 1500 Meter will sie verbessern, weiter auf der Bahn für Furore sorgen: „Halbmarathon und Marathon sind für die Zukunft.“ Die hat am Sonntag vielversprechend begonnen.


Kommentar zum Erfolg des Einstein-Marathons: Bestens gelaufen

Der Himmel über dem Münsterplatz tiefblau, statt grauer Wolken nur bunte Seifenblasen und Luftballons in der Luft. Und unten auf dem Platz Volksfestatmosphäre, Familien, die ihre Läufer feiern, ein fröhliches und friedliches Miteinander. Der Einstein-Marathon war ein voller Erfolg: Perfekt organisiert, mit idealen Rahmenbedingungen. Gab es im vergangenen Jahr noch leise Kritik an Streckenführung und einer Doppelveranstaltung vor dem Münster, so passte in diesem Jahr alles.

Gut, ob die Jugendläufe, die diversen Rennen der Großen und die Kulturnacht an einem einzigen Wochenende steigen müssen, ist diskussionswürdig. In diesem Jahr war diese Terminüberschneidung wegen der Bundestagswahl alternativlos. Und das XXL-Wochenende hat gezeigt, dass alles bestens nebeneinander passt. Die Aufsplittung auf zwei Termine ist also nicht zwingend notwendig.

Doch nicht nur die Breitensportler konnten ein perfektes Lauferlebnis durch die Straßen und Gassen der Doppelstadt sowie entlang der Donau genießen, dank Alina Reh hat der Einstein auch sein sportliches Highlight feiern können. Ein deutscher Rekord auf einer nicht immer einfachen Strecke, begeisterte Zuschauer, ideale Rahmenbedingungen – Ulms Laufsportgipfel hat alle Chancen, auf dem internationalen Marathon-Kalender weiter nach oben zu sprinten.

Ein Kommentar von Harald John.

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