Alarmstufe Grün

Marteria ist einer der deutschen Rap-Superstars. Wie so viele US-Hip-Hopper hat er ein technoides Alter Ego: Als Marsimoto war der Rostocker jetzt in Ulm. Der Auftritt begeisterte nicht nur Fans auf ganzer Linie.

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Maskiert, eingenebelt und ganz in Grün: Marsimoto im Roxy.  Foto: 

Ausnahmezustand vor dem Roxy: Die Fanschlange windet sich über den halben Parkplatz und wächst fast eine Stunde lang stets gleich wieder nach, kaum ist ein Schwung zumeist junger, zumeist in Grün gekleideter Menschen eingelassen worden. 24 Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma zählen ab, wie viele der letztlich 1200 Besucher reindürfen ins seit Langem ausverkaufte Haus.

Ein paar Schritte weiter kontrolliert die Security nicht nur die mitgeführten Taschen, sondern tastet jeden Fan einzeln ab. In der ansonsten nicht eben für Randale oder sonstige Ausfälle bekannten Kulturhalle herrscht am Mittwochabend "höchste Sicherheitsstufe". Denn dort gibt Marsimoto ein Konzert. Und zu solchen Anlässen führten die Fans nicht nur Haschisch, sondern gerne auch pyrotechnische Gegenstände mit, berichtet der stellvertretende Roxy-Geschäftsführer Günther Heiser. Drogen werden vereinzelt gefunden und deren Besitzer des Hauses verwiesen; Pyros hat keiner dabei.

Auch in den Herzen der Fans herrscht vor dem Konzert Alarmstufe Grün: Ein Student der nahegelegenen Hochschule für Kommunikation und Gestaltung hat Marten Laciny - so heißt Marsimoto mit bürgerlichem Namen - eine große Leinwand mit dessen maskiertem Konterfei gemalt, die er dem Star zu überreichen versucht. Da der gerade auf dem Weg in die Dusche ist, gibt es statt des persönlichen Treffens immerhin ein Foto des Musikers samt Geschenk aufs Handy.

Alles im grünen Bereich also. Als solcher erweist sich, kaum haben die Vorbands Dead Rabbit und die tollen Kid Simius die Bühne geräumt, auch die Werkhalle. Grün ist nicht nur auf dieser "Green Tour" die Farbe von Marsimoto, dem stets ganz in einen Glitzerfolienanzug gehüllten und mit Maske auftretenden Alter Ego des Rostocker Rappers Marteria. Marsis viertes Album erschien im Juni und heißt "Ring der Nebelungen" - auch der Nebel ist während der nächsten eineinhalb Stunden Programm: Der verkleidete Sänger, der heute 33 Jahre alt wird, ist ebenso wie seine drei Mitstreiter an Saiteninstrument, Schlagwerk und DJ-Pult im grünen Trockeneisdunst kaum zu erkennen. Das macht den Fans, die am späten Nachmittag in der Stadt dank Marsimoto- Merchandise-Beuteln und -Sweatshirts vereinzelt als Werder-Bremen-Fans missverstanden worden waren, aber nichts.

Vom ersten grünen Scheinwerferstrahl an, der sich aus dem Kunstnebel tastet, wird der Mann in der grünen Maske frenetisch gefeiert. Zu Recht: Auch wer Marterias glitzerige Zweitinkarnation bislang nur von deren 20-minütigen Gastauftritten bei seinen Rap-Konzerten kannte und sich zuvor gefragt hatte, ob das Konzept wohl einen ganzen Abend hindurch trage, ist nach der ersten Single des neuen Albums, "Illegalize It", nach "Tijuana Flow" und spätestens nach "Mir Ist Kalt" vollständig überzeugt.

Marsimotos Gesang variiert mehr als gedacht, die Stimme ist nicht durchweg verzerrt. Die Musik vereint Reggae, Jungle, Techno, Trip-Hop und gechillt-meditativen Hip-Hop im Stil des Fanta-4-Hits "Krieger". Die Texte sind klug, wortspielerisch, prägnant. Und der Sound im Roxy ist so gut wie die Stimmung an diesem von Tom Schmitts Rebellution veranstalteten Abend. Nur ein Fan ist am Ende nicht ganz glücklich: "Grüner Samt" habe gefehlt, ihr Lieblings-Marsimoto-Lied.

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