Alan Parsons Live Project im Klosterhof

Perfekt arrangiert: Das Publikum im Wiblinger Klosterhof wollte den scheuen Briten Alan Parsons mit seinem Live Project zwischen "Lucifer" und "La Sagrada Familia" gar nicht mehr von der Bühne lassen.

|
Lange Zeit wollte er gar nicht vor Publikum spielen, jetzt begeisterte Alan Parsons mit seinem Live Project das Ulmer Publikum.  Foto: 

Kaum einer schafft den Spagat zwischen Kunst und Kommerz so lässig wie dieser scheue Engländer, der selbst nicht gern im Rampenlicht steht. Alan Parsons hat sich deshalb in den 1970er und 80er Jahren hinter seinem Alan Parsons Project versteckt. Mit dem reinen Studioprojekt blieb er den Fans lange Jahre das schuldig, was es am Freitag im Wiblinger Klosterhof zu erleben gab: perfekten Wohlklang mit dem Alan Parsons Live Project.

Bereits als junger Mann wirkte Parsons bei den Beatles-Alben "Abbey Road" und "Let It Be" als assistierender Toningenieur mit, später veredelte er am Mischpult Pink Floyds "Dark Side Of The Moon" und machte sich einen Namen als Produzent für Künstler wie Al Stewart, John Miles und Pilot, bevor er das nach ihm benannte Projekt ins Leben rief. Um einen harten Kern aus versierten Studiomusikern und seinem langjährigen Partner Eric Woolfson scharte Parsons von Album zu Album viele renommierte Musiker und Sänger der britischen Rockszene. Ab Ende der 70er Jahre konnte er einige Hits verbuchen. Spätere Alben waren Kritikern zu glattgebügelt, dem musikalischen Mainstream der 80er angepasst.

Aber Frühes wie "Tales Of Mystery And Imagination" genießt noch heute Kultstatus. Nie wirklich progressiver Rock, doch intelligent und spannungsreich arrangiert mit einem Sinn für massenkompatible Ohrwürmer. Das instrumentale "Lucifer", mit dem die acht Mann starke Truppe ihren Wiblinger Open-Air-Auftritt eröffnete, gemahnt gar an frühen Techno.

Zum Synthie-Beat bearbeitete Drummer Danny Thompson präzise-stoisch sein Schlagwerk. Weltraumkalte Klangteppiche aus den Keyboards von Tom Brooks hallten förmlich im Inneren des Klosterhofs wider. Nach dieser programmatischen Ouvertüre wechselten sich immer wieder kurze Instrumentals mit hymnischen Rocksongs, Disco-Stampfern und herrlich melancholischen Balladen ab - letztere fesselnd dargeboten von Sänger P. J. Olsson: der Klassiker "Time" ebenso wie die aktuelle Single "Fragile". Fünf Sänger, der heute 65-jährige Parsons eingeschlossen, intonierten das Material. Die Musiker, die wohlgemerkt nicht identisch sind mit dem ursprünglichen Alan Parsons Project, spielten allesamt auf höchst professionellem Niveau. Das zeigte sich im harmonischen Zusammenspiel mit seinem satten Sound ebenso wie bei Soloeinlagen - Todd Coopers Saxofon sorgte für steten Jubel.

Freilich haftet einer derart perfekt arrangierten Darbietung des üppigen Best-of-Repertoires immer auch etwas Kalkuliertes an. Überraschung und Natürlichkeit sind einem großen Ziel geopfert: dem Besucher den ursprünglich nur für die heimischen Kopfhörer gedachten Klangkosmos als audio-visuelles Live-Event zu präsentieren. Dies gelang mit Bravour. Bei "Eye In The Sky" hielt es das Publikum im fast ausverkauften Klosterhof nicht mehr auf den Plätzen, frenetisch klatschend und johlend holte es die Band nach den Zugaben erneut auf die Bühne - für eine "Sagrada Familia" in sakralem Ambiente.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Drei Millionen Euro für neue SSV-Duschen

Nach heftiger Debatte über die Sporförderung hat der Rat die Sanierung des Baus an der Gänswiese einstimmig durchgewunken. weiter lesen