Akademietheater zeigt sehenswerte „Meisterklasse“

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Barbara Schmidt als Maria Callas.  Foto: 

Hämmernde Akkorde, perlendes Tastenspiel, Chopin, Beethoven. Am Flügel spielt sich die junge  Marianne Mai alias Manny warm. Maria Callas rauscht ins Klassenzimmer, wo sie am  Ende ihrer Ausnahmekarriere in der  New Yorker Juilliard School Anfang der 70er Jahre unterrichtet. „Kein Beifall bitte, wir sind hier, um zu arbeiten“, befiehlt die exzentrische  Operndiva, die im ausverkauften Akademietheater alles und jeden vom Kalfaktor (Jenny Fuchs) bis zu den Studenten einschüchtert, provoziert und beleidigt.

„Es geht hier nicht um mich“, sagt die Callas. Und doch dreht sich in „Die Meisterklasse“, dem Broadway-Erfolgsstück von Terrence McNally, alles um die tragisch Göttliche. Einst eine „fette Kuh mit Brille“, die  von drei Lästermäulern hinterm Gazevorhang verspottet wird,  dann eine schlanke Schönheit und Primadonna assoluta mit einer Jahrhundertstimme. 1977 starb sie im Alter von 53 Jahren an Herzversagen. Oder an gebrochenem Herzen?, fragt sich das faszinierte Publikum in der lang beklatschten Premiere.

Barbara Schmidt  verkörpert mit Medea-Lidstrich, schwarzer Haarmähne, theatralischen Gesten und italienischen Sprachfetzen  grandios die Opern-Ikone. Ja, sie ist die alternde Callas: Perfektionistin und Tyrannin. Voller Erinnerungen an Höhen und Tiefen gerät ihre Meisterklasse zur Retrospektive und Generalabrechnung nach dem Verlust ihrer Stimme, ihres Babys und ihrer großen  Liebe Aristoteles Onassis. Wie Stubenfliegen erdrückt die Callas dabei ihre Gesangsschülerinnen, verkörpert von Leonie Haßfeld und Miriam Morlock.

 Nick Körbers kluge und ideenreiche   Inszenierung,  mit der er sein Studium an der AdK abschließt, bleibt zwischen Komödie und psychodramatischem Kammerspiel dicht an den  historischen Fakten. Und die sind im Falle der Callas dramatischer als alle Verdi-Opern zusammen.

Info Nächste Vorstellungen: 10., 11., 17., 24. und 25. Februar, jeweils 20.15 Uhr.

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