Ärger um Bonsystem am Schwörkonzert

Aufregung nach dem Fanta-Vier-Konzert: Besucher mussten lange warten, um Geld für ihre übrigen Wertbons zurückzubekommen. Veranstalter Christian Becker weist Vorwürfe zurück, dass er sich habe bereichern wollen.

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Gastronom Christian Becker spendet den Wert nicht eingelöster Bons an die Drachenkinder.  Foto: 

Es hat einfach nicht funktioniert: Das Bon-System, auf das die Veranstalter Radio 7 und Christian Becker am Sonntag beim – absolut gelungenen – Schwörkonzert gesetzt haben, war für viele Besucher ein Flop. Die Idee: Besucher der Fantastischen Vier sollten Wertmarken kaufen. Mit diesen wiederum konnte man dann an Getränke- und Essensständen des Gastronomen Becker Wurstsemmel, Wasser oder Weißwein bezahlen. Den Wert nicht verbrauchter Bons sollten Besucher ausbezahlt bekommen.

Für viele fing der Ärger bereits an der Kasse an: Wie unserer Zeitung berichtet wurde, habe man die Wertbons – die es in der Stückelung 2 Euro, 1 Euro und 0,50 Euro gibt – nur als Bogen zu 10 Euro kaufen können. Dies sei von den Mitarbeitern an der Kasse kommuniziert worden. Vor allem über das Hinterher regten sich viele Besucher vor Ort und später dann auch auf den Facebook-Seiten von Radio 7, des Vereins Stadtempfinden und der SÜDWEST PRESSE auf: Die Rückgabe von Pfand und Bons, die nur an unterschiedlichen Kassen möglich war, sei schlecht organisiert gewesen. Es habe lange Wartezeiten gegeben, dazu sei das Wechselgeld ausgegangen. „Abzocke“ und „hart an der Illegalität vorbei“ waren noch die milderen Formulierungen.

Der implizite (und teils explizit geäußerte) Vorwurf: Becker habe darauf spekuliert, dass Bons nicht zurückgelöst werden. Diese Unterstellung weist der Betreiber von Stadthaus-Café, Becker’s und Riolet im Gespräch von sich. „Gegen diesen Vorwurf wehre ich mich ganz arg“, sagte Becker am Dienstag auf Anfrage. „Es ist nicht so, dass ich mich daran bereichere.“ Zum einen seien die Bons grundsätzlich zurücktauschbar, was nicht selbstverständlich sei. Zum anderen habe es auf dem Münsterplatz Pfand-Rücknahmestellen von Viva con Aqua gegeben. Die Initiative engagiert sich für eine bessere Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern; Besucher konnten ihr Pfand dort spenden. „Würde ich mich bereichern wollen, würde ich so ein System doch nicht zulassen.“

Dass es Probleme gab, das weist Becker nicht zurück. „Klar kann ich verstehen, wenn die Leute verärgert sind.“ Deshalb hätten die Veranstalter noch in der Nacht auf Montag entschieden, das Bonsystem nicht wie geplant auch auf der Schwörparty einzusetzen. Eine Weisung, nur 10-Euro-Bögen zu verkaufen, habe es aber nicht gegeben: „Da muss ich dann nochmal mit meinen Mitarbeitern reden.“ Die Kassen hätten fast reibungslos funktioniert: Von den insgesamt 18 Kassen habe es nur eine Kasse auf der Höhe des Einrichtungsgeschäfts Butlers gegeben, die kurze Zeit nur 1-Euro- und 50-Cent-Münzen hätte herausgeben können. „Das waren aber unter zehn Minuten.“

Warum er sich überhaupt für das Bonsystem entschieden hat? „Wir wollten es den Leuten komfortabler machen, damit sie und auch unsere Mitarbeiter nicht ständig mit Geld hantieren müssen, und eigentlich geht es auch schneller.“ Becker setzt das System auf den von ihm organisierten Festivals ein, dort habe es bislang tadellos funktioniert. Klar sei jetzt aber, dass es für ein Einzelkonzert weniger praktikabel sei als ein ganztägiges Event.

So oder so – die Veranstalter haben auf den Unmut reagiert. Wie Radio 7 mitteilte, kann mit den Bons bis zum 31. August in Beckers Restaurants gezahlt werden, alternativ können sie dort zurückgelöst werden. Der Wert der bis dahin nicht eingelösten Bons wird demnach an die Drachenkinder gespendet.

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