Ärger über Blitzer auf der B10 Richtung Dornstadt

Neues aus dem Schilderwald. Für Ärger sorgt jetzt zur Abwechslung ein fehlendes Tempo 50-Schild auf der B 10. Die Radarfalle lauert.

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Wieder gibt es Ärger über Geschwindigkeitsüberwachungen und Temposchilder auf der B10 in Ulm.  Foto: 

Unverschämtheit, Abzockerei, Frechheit – Michael Kemmer ist nicht gut auf die Stadt zu sprechen. Der Grund: Die Radarfalle auf der B 10 Richtung Dornstadt, Höhe Bleichstraße. Tempo 60 war dort immer erlaubt, er ist dort immer Tempo 60 gefahren – und auch der Bußgeldbescheid, der ihm jüngst ins Haus geflattert ist, weist eine „festgestellte Geschwindigkeit (nach Toleranzabzug) von 57 km/h“ aus.

Warum dann der Bußgeldbescheid? Weil auf der B 10 seit neuestem nurmehr 50 km/h erlaubt sind. Das Problem beginnt freilich 200 Meter vor der Radarfalle. Wer beispielsweise von Söflingen kommend über den Kreisel auf die B10 fuhr, durfte gefühlte zwei Jahrzehnte lang auf 60 beschleunigen. Damit war’s Anfang Februar aus. Das Regierungspräsidium Tübingen reduzierte die Höchstgeschwindigkeit auf der B 10 auf Tempo 50; kein Schild weist allerdings auf das geänderte Tempolimit hin. Mit dem Erfolg, dass Autofahrer reihenweise in die Falle rauschen. Kemmer: „Das ist reine Geldmacherei.“

Mit seiner Vermutung liegt Kemmer so schlecht nicht. Bei der Stadt klingelt wirklich die Kasse, wie Bernhard Gräter bei einem Anruf in der Bußgeldstelle erfahren hat. Er wurde dort ebenfalls mit 57 km/h geblitzt: 15 Euro sollte er bezahlen. Was er ebenso wenig wie Kemmer einsieht, „ich kann keine neue Regelung einhalten, wenn ich nicht darauf hingewiesen werde“. Das hat Gräter so auch der „netten Mitarbeiterin“ der Stadt mitgeteilt, die leutselig aus dem Starenkästchen plauderte, von Gräter sinngemäß zitiert: Die neuen Tempobegrenzungen brächten der Stadt Ulm ein „absolutes Rekordjahr“ ein.

Und der Herr über die Bußgeldkasse, reibt er sich die Hände? In der Stadt seien nunmal 50 km/h erlaubt, sagt Roland Häußler, Chef der Bürgerdienste, und verweist auf die vielen Artikel zum neuen Tempolimit auf der B 10. Aus den gefühlten 20 Jahren Tempo 60 ein Gewohnheitsrecht abzuleiten, „das ist fraglich“, sagt Häußler.

Fraglich ist aber auch, das Tempo zu reduzieren – und diese Änderung nicht über ein Schild anzuzeigen. Da mag die Zeitung noch so viel schreiben, in Anlehnung an Trainer Alfred „Adi“ Preissler gilt nur eines: Entscheidend ist auf der Straße.

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Kommentare

28.03.2013 20:55 Uhr

Bürgermeister und Stadtrat werden sich bei der nächsten Wahl wundern ...

Was sich die Stadt Ulm verkehrspolitisch leistet ist schon ein Armutszeugnis. Vor allem die 10.000 Leute, die in der Wissenschaftsstadt arbeiten, und die Gehälter und Pensionen auch der Ulmer Politiker und Beamten mitbezahlen, werden schickaniert bis zum Gehtnichtmehr. Dauerstau und Verkehrschaos, schlimmer als am Stachus in München. Gefährliche und unübersichtliche Verkehrsführungen in Ulm an allen Ecken und Enden. Und jetzt auch noch die dreiste Abzocke mit den Blitzern. Auffällige Hinweisschilder auf die neuen gültigen Geschwindigkeiten wären das mindeste gewesen. Man kann doch nicht von den Leuten erwarten, das aus der Zeitung zu lesen? Die Beamten, die über solche Maßnahmen entscheiden, sollten mal wieder darüber nachdenken, dass sie von vielen dieser Autofahrer sehr gut bezahlt werden und die Politiker auch noch von ihnen gewählt werden - oder eben in Zukunft nicht mehr (von mir zum Beispiel).

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12.03.2013 07:31 Uhr

woanders gibt's auch Hinweisschilder

Klar ist die straßenrechtliche Seite das eine: kein Schild, also 50 km/h.
Andererseits wird an vielen anderen Stellen, an denen langjährige Regelungen geändert werden, mit Hinweisschildern darauf hingewiesen, z.B. "Vorfahrt geändert", wenn aus einer Vorfahrtsstraße plötzlich eine gleichberechtigte Straße mit Rechts-vor-Links-Regelung wird; auch hier würde es einfach reichen, die Vorfahrtsschilder abzuschrauben. Für jemanden, der die Strecke aber täglich fährt, fällt ein nicht mehr vorhandenes Schild nicht wirklich auf.
Wahrscheinlich sind der Stadt aber einfach nur die Schilder ausgegangen; schließlich stehen die alle an der südlichen B28-Zufahrt nach Ulm ;-)

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11.03.2013 10:34 Uhr

Bericht ist falsch

Im Bericht heisst es:

"Damit war’s Anfang Februar aus. Das Regierungspräsidium Tübingen reduzierte die Höchstgeschwindigkeit auf der B 10 auf Tempo 50; kein Schild weist allerdings auf das geänderte Tempolimit hin. Mit dem Erfolg, dass Autofahrer reihenweise in die Falle rauschen. Kemmer: „Das ist reine Geldmacherei.“

Diese Darstellung der SWP ist falsch!

Die Reduzierung auf 50 km/h ist auf der B28/B10 direkt nach dem Tunnel angezeigt, für die die vom Söflinger Kreisel kommen, bedarf es keiner Geschwindigkeitsanzeige. (wie schon beschrieben).

Die SWP versucht also den schwarzen Peter an die Stadt zu schieben, obwohl der Fehler beim autofahrer liegt, der nicht richtig aufpasst.

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11.03.2013 10:23 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Niveauuntergrenze erreicht””

> Nein eben nicht! Dort AUF DIESER EINEN BESCHRIEBENEN STRASSE gilt seit URzeiten Tempo 60!

Falsch! In Deutschland gilt generell 50 km/h im Stadtgebiet (gelbes Ortseingangsschild, welches auf der B10/B28 kurz nach der Donaubrücke steht). Bisher war dort 60 km/h erlaubt, nun 40 km/h und nach dem Tunnel halt 50 km/h. Wieso darf jetzt jemand, der vom Kreisverkehr (auf dem 50 km/h nunmal gilt) plötzlich 60 km/h fahren darf?? Kein Schild zeigt das an.

Sie schreiben ja sogar selber, dass bei einer Geschwindigkeitsänderung ein Schild aufgestellt werden muss. Klar ist auch so, aber in diesem Fall gibt es keine Geschwindigkeitsänderung! => kein Schild notwendig! Man kommt von einer 50 km/h Zone und fährt auf eine Straße mit 50 km/h Begrenzung.

Ich versteh ehrlich gesagt das Problem nicht, was hier manche haben. Im Straßenverkehr gab es noch nie ein Gewohnheitsrecht im Punkto Geschwindigkeit, dass sollte man beim Führerscheinmachen eigentlich gelernt haben.

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11.03.2013 09:26 Uhr

Antwort auf „Niveauuntergrenze erreicht”

Ah, ein militanter Fußgänger?

> Es ist nun mal so: es gilt schon seit Uhrzeiten in der Stadt eine Tempolimit von 50 Stundenkilometern.

Nein eben nicht! Dort AUF DIESER EINEN BESCHRIEBENEN STRASSE gilt seit URzeiten Tempo 60!

> Soll die Stadt überall dort, wo sich das Tempolimit ändert, etwa eine Infotafel aufstellen?

Das ist eigentlich generell so üblich! Wenn sich das Tempo von 50 auf 60 erhöht werden Schilder aufgestellt. Wo die 60er Zone endet, werden entweder Schilder aufgestellt die eine durchgestrichene "60" zeigen, ein Schild das das neue Tempo anzeigt oder ein entsprechendes Schild das tempobegrenzende Wirkung hat z.B. Ortschild

Also erstmal Führerschein machen oder einen Auffrischungskurs!

> Wenn Herr K. zu schnell fährt ist es seine Schuld und nicht ein Fehler der Stadt

Ach ja? Diese Obrigkeitsgläubigkeit ist ja wohl nicht zu fassen!
Wenn man darüber berichtet wie die Stadt ihre Bürger über den Tisch zieht ist journalistische Pflichtübung und keine "Bildzeitung"!

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11.03.2013 08:55 Uhr

Augen auf im Straßenverkehr

Was nervt sind die unterscheidlichen Geschwindigkeitsbeschränkungen.

Aber wer von Söflingen kommend einfach mal schneller fährt als er darf (wo ist den das 60 km/h Schild???) hat einfach Pech gehabt!

Augen auf im Straßenverkehr!!!!

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11.03.2013 01:02 Uhr

Niveauuntergrenze erreicht

Es ist nun mal so: es gilt schon seit Uhrzeiten in der Stadt eine Tempolimit von 50 Stundenkilometern. Soll die Stadt überall dort, wo sich das Tempolimit ändert, etwa eine Infotafel aufstellen?

So viel Selbstgerechtigkeit ist fast nicht zu fassen. Wenn Herr Kemmer zu schnell fährt ist es seine Schuld und nicht ein Fehler der Stadt Ulm (und dann ruft er noch bei der Stadt an und hält eine Mitarbeiterin von der Arbeit ab - und haut sie zudem mit einem nicht belegten Zitat in die Pfanne). Tip: beim nächsten Mal beim Autofahren einfach das Hirn einschalten (Faustregel zur Hilfe: wenn kein Schild dann einfach 50 km/h fahren, ok?).

Fast noch schlimmer finde ich aber die SWP, die journalistische Niveauuntergrenzen austestet und sich allmählich auf populistischem BILD-Zeitungsniveau wieder findet. Schon traurig, wenn man glaubt zurückgehende Quoten durch Populismus anstatt durch Qualitätsjournalismus ausgleichen zu müssen.

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10.03.2013 23:21 Uhr

Die Grünen?

Ihr heiliger Furor in allen Ehren, aber der Regierungspräsident in Tübingen, Hermann Strampfer, ist ein Schwarzer und kein Grüner. Fakten sind halt doof, wenn man sich eigentlich nur auskotzen will, aber mei.

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10.03.2013 19:40 Uhr

"Regierungspräsidium" - Die GRÜNEN!!!

Danke an die GRÜNEN im RP!

Hoffentlich werden sich bei der nächsten Wahl all die Wähler, die sich jeden Tag auf dem Weg zu ihrer Arbeit über möglichst unsinnige Tempolimits ärgern und bei der nächsten Stromrechnung immer mehr zahlen müssen, darn erinnern, wer dafür verantwortlich ist und die Steuerzahler und Autofahrer immer noch mehr melkt: Die GRÜNEN!"

Auf dass die dann zur Null komma eins-Partei werden!

Ach ja - und 'Danke' an das SPD-regierte Ulm. Diese Abzocke ärgert die Bürger wirklich!

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