Adieu, Café Beirut: Das Nahost-Kunstprojekt schließt am Freitag

Drei Monate bekam man im Ulmer "Café Beirut" Tee umsonst und Kunst obendrein - nun schließt das temporäre Kunstprojekt wieder. Am Freitag, 2. September, ist um 19 Uhr das Abschiedssfest.

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Die Initiatoren des „Café Beirut“: Griesbadgaleristen Petra Schmitt und Martin Leibinger.  Foto: 

Einen Sommer lang war der Nahe Osten zu Besuch in Ulm – und er ist offensichtlich ein gern gesehener Gast gewesen. Das temporäre Ausstellungsprojekt „Café Beirut“ war aus Sicht der veranstaltenden Griesbadgaleristen ein großer Erfolg: „Es waren in diesen drei Monaten auf jeden Fall mindestens 5000 bis 6000 Besucher da“, sagt Martin Leibinger. Ganz genau nachvollziehen lässt sich das nicht, denn neben der Galerie „Café Beirut“ im Abbruchhaus in der Gideon-Bacher-Straße waren Ausstellungen in der Stiege, im Stadthaus und in der SÜDWEST PRESSE-Galerie zu sehen.

„Allein in der Stadthaus-Ausstellung waren 2000 Leute in 18 Tagen“, sagt Leibinger, der das Projekt zusammen mit Petra Schmitt federführend leitete. Die Installation „Qalandia 2087“ des palästinensischen Künstlers Wafa Hourani stellte die architektonische Vision eines real existierenden Flüchtlingslagers in Ramallah dar. Auch die iranische Fotografin Azadeh Akhlaghi zog mit ihrer Serie re-inszenierter politischer Mordattentate und Todesfälle unter dem Titel „By an Eye-Witness“ in der SWP-Galerie viele Besucher an, die teils einen ganzen Rundgang durch die Ausstellungsorte in der Stadt absolvierten: „Viele haben die Runde gemacht und empfanden es wie eine kleine Biennale“, sagt Leibinger.

Für die Veranstalter, die allesamt neben ihrem Hauptberuf ehrenamtlich dafür arbeiteten, war das Projekt ein erheblicher Aufwand: „Wir haben schon gemerkt, dass es eigentlich ein ganzes Museum mit dem Personal dafür braucht. Aber es hat sich gelohnt.“ Die Kontakte zu Künstlern und Sammlungen wie der Nadour-Collection seien ein Aufschwung für die Griesbadgalerie und ein spannender Start in das Thema nahöstliche Kunst: „Das Thema wird uns nicht so schnell loslassen.“

Die eingeladenen Künstler hätten ihre teils sehr politischen Inhalte ohne Aktivismus, sondern in künstlerischer Freiheit und mit „poetischem Ausdruck“ transportiert, „das ist eine schöne Weise, damit umzugehen“, findet der Galerist. Auch der „Syrien-Raum“, in dem Tommi Brem Künstler zeigte, die zum großen Teil noch in Syrien leben, sei eine tolle Sache gewesen.

Einer der Künstler, Dani Hasrouni, konnte seine eigene – erste – Ausstellung persönlich in Augenschein nehmen, weil er kurz zuvor sein Visum bekommen hatte und nach Deutschland ausgereist war. Das „Café Beirut“, in dem außerdem das Collectif Gémeaux und der Zeichner Mazen Kerbaj aus dem Libanon vertreten waren, sei überhaupt ein Anziehungspunkt für Besucher gewesen, die ihre Wurzeln im Nahen Osten haben.

,„Wir hatten sehr viel Unterstützung von allen möglichen Seiten, und die Stadt selber war sehr kooperativ“, sagt der Galerist – das hätten auch die Künstler so wahrgenommen. Das Projekt wurde finanziell gefördert mit je 10.000 Euro von der Stadt Ulm und dem Land Baden-Württemberg; aus den Erträgen der Stiege kommt ein Zuschuss, eine private Spende gab es ebenfalls.

Die Macher stießen auch sonst auf offene Ohren. So hatte das Stadthaus spontan wenige Wochen vor Eröffnung Platz für Houranis große Installation gemacht. Zum Dank gibt es am Freitag ein Abschiedsfest im „Café Beirut“ mit Kunst und Musik.

Info Das „Café Beirut“ (Gideon-Bach-Straße 3) ist noch am Donnerstag und Freitag von 18 bis 23 Uhr geöffnet - am Freitagabend ist dann ab 19 Uhr das Abschiedsfest.

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