Ach wie gut, dass niemand weiß . . .

Dass man Damen - insbesondere, wenn sie nicht mehr taufrisch sind - nicht nach deren Alter fragen soll, ist bekannt.

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Freut sich übers Bundesverdienstkreuz und darüber, dass keiner sein Alter heraus bekommt: Datenschützer Gerhard Kongehl.  Foto: 

Allerdings gibt es auch ältere Herren, die auf diesbezügliche Anfragen allergisch reagieren. Womit wir bei Prof. Gerhard Kongehl wären.

Vergangene Woche erst ist der Vater aller baden-württembergischen Datenschützer für seine Verdienste um den Datenschutz im Ulmer Rathaus mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden, was ihn, spätestens jetzt, zur öffentlichen Person macht.

Da darf man schon mal nach dem Geburtsdatum fragen, dachte sich die Redaktion in jugendlicher Unbekümmertheit. Um von Kongehl freundlich, doch bestimmt belehrt zu werden: Das gehe die Öffentlichkeit nichts an. Aha, der Mann nimmt seinen Beruf ernst, konstatierten wir. Und wollten es nun erst recht wissen.

Ein stante pede installiertes Team aus knallharten Rechercheuren scheiterte indes kläglich. Zwar finden sich im Internet zig Einträge, auf denen man etwas über den Physiker und Neurowissenschaftler erfährt, etwa, was er am 8. April 2011 vor dem Senat der französischen Republik über die Erfahrungen des Datenschutzes in Deutschland gesagt hat. Doch zu Kongehls Alter: kein Jota. Selbst die Uni Ulm, an der er einst mit einer Arbeit über die "Informationstheoretische Analyse des menschlichen Innenohrs" promovierte und die ihn 1978 zum ersten Datenschutzbeauftragten des Landes bestellte, muss passen. Eine Sprecherin: "Wir haben seine Doktorarbeit ausgegraben, aber da steht nichts zum Alter drin."

"Na ist doch prima", freut sich Kongehl auf Nachfrage. Er wolle eben mit seinen Anliegen wahrgenommen werden, Lebensjahre spielten dabei keine Rolle. Mit Eitelkeit ("ich bin ein alter Knacker") habe das nichts zu tun. Dafür mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 15. Dezember 1983, das jedem das Recht auf informationelle Selbstbestimmung garantiere. "Deshalb finde ich es nicht akzeptabel, dass es heute gängige journalistische Praxis ist, hinter jedem Namen in Klammern ungefragt die Alterszahl anzuhängen."

Seine Freunde kennen sein Alter, sagt Kongehl. "Warum auch nicht? Sogar Institutionen, bei denen sie angefragt haben wissen's." Stimmt wohl, wie eine Nachfrage bei Prof. Achim Bubenzer ergibt. "Aber ich werd' einen Teufel tun, es ihnen zu sagen", sagt der Rektor der Hochschule Ulm.

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