Absturz einer Drohne am Münsterturm

Nach dem Absturz einer Drohne ist Münsterbaumeister Michael Hilbert mächtig sauer und hat Anzeige erstattet. Die Ermittlungen der Polizei aber gestalten sich schwierig.

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Drohnen sind immer mehr im Luftraum über Ulm im Einsatz. Viele Leute fühlen sich davon gestört. Dabei ist geregelt, wann sie eingesetzt werden dürfen. An Schwörmontag jedenfalls nicht.  Foto: 

„Das war echt knapp“, sagt Münsterbaumeister Michael Hilbert, wenn er auf den Vorfall vor einem Monat angesprochen wird: Am 18. Juni ist eine Drohne im Turm des Münsters eingeschlagen – fünf Meter neben dem Turmwart, auf einer Höhe von 102 Metern. „Das ist unglaublich: Die Dinger sind saugefährlich mit ihren messerscharfen Propellern. Und sie dürfen über bewohntem Gebiet gar nicht fliegen.“ Die Konsequenz: Hilbert hat die Reste der Drohne der Polizei übergeben und Anzeige erstattet.

Drohnen beschäftigen auch das Ulmer Rathaus, und das im besonderem Maß vor Schwörmontag. „Es sind viele Anfragen eingegangen, zum Schwörmontag Drohnen fliegen zu lassen“, berichtet Rainer Türke, Chef des Ordnungsamts. Anfragen etwa von TV-Sendern. Weil aber ein Flugverbot über Menschen­ansammlungen gilt, wurden alle Anfragen abgelehnt: „An Schwörmontag ist die Innenstadt von Nachmittag an voll – bis in die Nacht rein.“

Eine Ausnahme macht die Stadt am Sonntag, bei der zweiten Runde des Fischerstechens. Wer die erste Runde des Fischerstechens miterlebt hat, weiß, dass dabei bereits eine Drohne über der Donau surrte, mal näher an die Zuschauer ranflog, mal wieder aufstieg – bis sie von  Moderatorin Susanne Grimmeiß, der Vorsitzenden des Schiffervereins, verscheucht wurde. Vor allem das Schiedskomitee, das hinter ihr auf dem Kirchweihschiff saß, fühlte sich gestört: wie viele Besucher. Doch die Kameradrohne war tatsächlich genehmigt und im Auftrag des SWR unterwegs.

Ebenso genehmigt ist die Drohne, die am Sonntag über der Donau aufsteigen wird. Nach Türkes Worten wird sie vom hiesigen Sicherheitsdienst SHS gestartet, mit dem Ziel „das Sicherheitskonzept weiter auszubauen“. Die Zeiten für den Drohnenflug sind vorgegeben: Zwischen 12 und 13 Uhr soll sie über der Donauwiese und Stadtmauer kreisen – für Aufnahmen des Areals, also noch vor dem Einlass für Besucher des Stechens. Sollten Personen auf dem Video erkennbar sein, sollen sie mittels Bearbeitungsprogramm unkenntlich gemacht werden.

Nochmal an diesem Nachmittag wird die Drohne des Sicherheitsdienstes mit Beginn des Stechens aufsteigen. Fliegen wird sie nur über dem Wasser, aber „nicht über den Stechern und nicht über dem Geschehen“. Grundsätzlich gilt für den Drohnenflug: „Das nimmt zu“, berichtet Türke. Ebenso grundsätzlich ist die Haltung der Stadtverwaltung: „Flüge  ums Münster lehnen wir ab, weil dort immer was los ist.“

Nur: Touristen scheinen das nicht zu wissen. Dem Besitzer der Drohne, die im Münsterturm einschlug, kam Hilbert auf die Spur, weil er und seine Mitarbeiter die Aufzeichnungen der Drohne angesehen hatten. Es wurde klar, dass der Besitzer ein chinesischer Tourist auf Deutschlandtour ist und vorher in Heidelberg war.

Tatsächlich hat sich am Folgetag über die Homepage der Münstergemeinde ein Chinese per Mail gemeldet und geschildert, dass er Ulm besucht habe und mittels einer Drohne Fotos vom Münsterturm geschossen habe. „Unglücklicherweise“ habe er die Kontrolle über die Drohne verloren. Er bat für den Fall, dass das Gerät gefunden wird, man mit ihm Kontakt aufnehmen möge. Eine Adresse außer dem Namen und der Mail­adresse hat der Absender aber nicht angegeben.

Die Polizei hat von Hilbert alle Daten und die Mail bekommen. „Die Ermittlungen laufen“, sagt Polizeisprecher Uwe Krause. Mehr dazu könne er  nicht sagen. In Laufe des Jahres sind im Stadtgebiet Ulm schon drei Vorfälle mit Drohnen bei der Polizei angezeigt worden. In den beiden anderen Fällen sind Flüge gemeldet worden. Die Polizei hat die genannten Straßen gleich darauf überprüft, ist aber nicht mehr auf Drohnen gestoßen oder jemanden, der die gesteuert hätte.

Der zweite Crash am Turm

Münsterbaumeister Hilbert berichtet, dass dies bereits der zweite Crash eines solchen fliegenden Fotogeräts am Turm war: 2015 gab es den ersten. Auch damals hatten die Mitarbeiter der Münsterbauhütte versucht, über die Aufzeichnungen des Chips etwas in Erfahrung zu bringen. Daraus ging laut Hilbert hervor, dass damals jemand die Drohne von der Hirschstraße aus bis zum Maritim hatte fliegen lassen. Dann muss das Gerät außerhalb der Reichweite des Funkkontakts gekommen sein. In solchen Fällen, so Hilbert, fliegt die Drohne direkt zu ihrem Besitzer am Startpunkt zurück. „Aber da war der Münsterturm im Weg“, kommentiert er den Absturz, mit dem die Bildaufzeichnung dann abreißt.

Hilbert ist sauer auf Leute, die sich über das Flugverbot hinwegsetzen. „Das ist gefährlich: Wenn so ein Ding mit seinen scharfen Propellern falsch auf jemanden fällt, kann der tot sein.“

Dazu Krause: „Es gibt Vorschriften, in welchem Bereich, auf welcher Höhe und bei welchem Gewicht Flüge erlaubt  sind. Und in Bereichen, in denen sich Menschen aufhalten, brauchen die Piloten eine spezielle Erlaubnis – weil die Gefahr groß ist. Abstürze können schlimme Folgen haben.“ Die Piloten seien allerdings meist nicht zu ermitteln.

Vorschrift Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur regelt die Flugbedingungen für Drohnen. Bei einer Flughöhe von unter 100 Metern gelten für Drohnen und Modellflugzeuge die gleichen Regeln: Generell dürfen sie nur in Sichtweite geflogen werden. Fluggeräte ab 250 Gramm müssen eine Plakette mit Namen und Adresse des Eigentümers tragen.  Ab zwei Kilo müssen die Piloten außerdem besondere Kenntnisse nachweisen, ab fünf Kilo brauchen sie eine spezielle Aufstiegserlaubnis der Landesluftfahrtbehörde. Ab 100 Metern Flughöhe dürfen Drohnen nur mit behördlicher Erlaubnis fliegen.

Verbot Generell verboten ist das Überfliegen von Menschenansammlungen, Einsatzorten von Polizei und Rettungskräften, Wohngrundstücken, Industrieanlagen, Naturschutzgebieten, Hauptverkehrswegen, Kontrollzonen von Flughäfen, Bundes- und Landesbehören. Verboten ist jegliche Gefährdung und Behinderung.

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Kommentare

24.07.2017 06:24 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „was wird unternommen?””””

Wenn DHL oder sonst irgendein bekanntes oder unbekanntes Unternehmen über eine Menschenmenge fliegt, sollte man auch diesem Unternehmen diese Flüge verbieten. So ein Rotorblatt muss nicht "messerscharf" sein um jemanden zu verletzen, es genügt wenn es sich dreht und jemanden berührt. Eine Drohne muss nicht etliche kg wiegen um jemanden zu verletzen wenn sie aus geringer Höhe herunterfällt.

Hubschrauber etc. werden nicht von Menschen geflogen die diesen zum Geburtstag geschenkt bekamen und sich denken wow schon 30 Sekunden nicht abgestürzt, lass doch mal über den Münsterplatz fliegen.

Hat es schon mal funktioniert auf Verantwortungsgefühl zu vertrauen? Ich empfehle den Bereich Blaulicht dieser Zeitung. Dann solls mit Drohnen funktionieren?
Optimismus ist an sich etwas schönes. Aber er sollte realistisch bleiben.

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23.07.2017 15:52 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „Antwort auf „was wird unternommen?”””

Hier gehts nicht darum was ich glaube, nur die Frage, was wäre gewesen wenn DHL drauf gestanden wäre. Von wegen messerscharf, haben Sie jemals sowas von der nähe gesehen, gar mal berührt. Anscheinend nicht. Ach ja, täglich fliegen hunderte Flugzeuge und Hubschrauber über Ulm, da kräht kein Hahn danach wie ach so gefährlich das ist. Alles nur Meinungsmache.
Wo ich Ihnen recht gebe, ein wenig Verantwortungsgefühl sollte natürlich dazu gehören wo man fliegt, jedoch mit Verboten kommt man hier nicht weiter. Denn gesetzliche Regelungen gibt es schon genug.

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23.07.2017 14:49 Uhr

Antwort auf „Antwort auf „was wird unternommen?””

Was ist Quatsch daran dass nicht jeder ein Fluggerät über Menschenansammlungen fliegen lassen muss? Hier geht es nicht um ferngesteuerte Autos auf dem Boden sondern um Geräte die in der Luft fliegen und gefährliche Rotoren dran haben. Die teilweise von Kindern oder sonstigen Menschen mit kindlichem Geist gesteuert werden, die nicht in der Lage sind zu überlegen was passiert wenn das Ding abstürzt.

Glauben Sie im Ernst DHL und sonstige fliegen wirklich in kürze schon mit Drohnen durch Städte? Auch noch automatisch? Vielleicht sind ja Sie derjenige der alles glaubt was er liest?

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22.07.2017 17:32 Uhr

Antwort auf „was wird unternommen?”

Würden sie auch so ein Quatsch schreiben wenn auf dem Quadrocopter DHL oder Amazon stehen würde. Gut nachplappern aus der Presse kann jeder.

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22.07.2017 11:45 Uhr

was wird unternommen?

Seltsam dass diese Geräte schon lange frei verkäuflich sind und jeder auf die Vernunft der Besitzer hofft. Dass das schief läuft sollte man schon längst verstanden haben. Natürlich muss auch hier etwas passieren bis man bemerkt dass ein anonymer Besitz nicht durch Regelungen kontrolliert werden kann.

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