Selbstfahrende Mietautos sind die Mobilität der Zukunft

Radikale Thesen von einem Zukunftsdenker: Selbstfahrende Mietautos werden den öffentlichen Personenverkehr in 25 bis 30 Jahren größtenteils überflüssig machen.

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Ein Robotertaxi bringt den Passagier bequem zum Ziel. Sieht so der Verkehr der Zukunft aus?  Foto: 

Über die Mobilität der Zukunft nachgrübeln: Das ist die Aufgabe von Markus Pellmann-Janssen. Zusammen mit seinem rund 40-köpfigen Team steht der Verkehrsplaner in Diensten des Konzernriesen Deutsche Bahn (DB). Sein Arbeitgeber wisse, dass das gesamte öffentliche wie auch private Verkehrswesen durch die Digitalisierung vor einschneidenden Veränderungen stehe und wolle sich darauf einstellen. Wie und mit welchen Verkehrsmitteln sind wir 2035 mobil – bis dahin sind es schließlich gerade noch 17 Jahre? Radikal zu denken, sei ihm und seinen Mitarbeitern ausdrücklich gestattet.

Riesige Effizienzverschwendung

Bei einer Diskussion im Neu-Ulmer Edwin-Scharff-Haus zur Zukunft der Mobilität war es dann auch Pellmann-Janssen, der unter allen drei Podiumsteilnehmern die provokantesten Thesen vortrug. Den Ist-Zustand bezeichnete der Verkehrsplaner als „riesige Effizienzverschwendung“. Autos stehen heute 90 Prozent ihrer Lebenszeit ungenutzt herum, wenn sie mal fahren, sitzt in der Regel nur einer drin. Und 90 Prozent aller Unfälle sind auf menschliches Versagen zurückzuführen.

Wenn Autos in Zukunft autonom, sprich computergesteuert fahren – und diese Entwicklung ist nach Ansicht Pellman-Janssens trotz aller derzeit noch bestehenden Risiken und Bedenken unumkehrbar – ist der Abschied vom eigenen heiligen Blech  die logische Folge. „Als Statussymbol wird das Auto völlig an Bedeutung verlieren.“ Stattdessen dominiert Car-Sharing. Selbstständig miteinander kommunizierende Miet-Autos sind nahezu rund um die Uhr im Einsatz, um Passagiere von A nach B zu bringen. Die Fahrzeugflotte auf den Straßen schrumpft um 90 Prozent, Parkflächen werden frei, auch die Kosten für den Einzelnen sinken, „weil sich eine große Gruppe von Nutzern die Investitionen teilt“.

Wird der Schienenverkehr einbrechen?

Diese so genante On-Demand-Mobilität werde dazu führen, dass „Individualvekehr  und öffentlicher Verkehr miteinander verschmelzen“, ist Pellmann-Janssen überzeugt. Was das konkret heißt: „Digitale Plattformen – wie heute bereits Uber – werden dafür sorgen, dass Anbieter von selbstfahrenden Autos oder Bussen und Passagiere zusammenkommen.“ Derjenige Dienstleister, der die Fahrtwünsche am besten und am kostengünstigsten bediene, werde sich durchsetzen und sämtliche Mitbewerber verdrängen. „Monopolbildung ist wahrscheinlich.“

Der Verkehrsplaner glaubt, dass es sich Kommunen insbesondere im ländlichen Raum dann nicht mehr werden leisten können, einen getakteten Busverkehr aufrecht zu erhalten. Dazu seien die Fahrgastzahlen schlichtweg zu gering.  „Auch der Schienenverkehr wird massiv einbrechen“, ist der Bahn-Mann überzeugt.

Eine wesentlich gemäßigtere Position vertrat André Dillmann, technischer Geschäftsführer der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU). Sein Credo: Das Auto und den ÖPNV wird es auch in Zukunft geben.“ Vor allem als „Verkehrsträger  für den letzten Kilometer“ – von der Haustür zum Bus und zurück – komme autonomes Fahren in Frage. In den Zentren werde der ÖPNV aber die Oberhand behalten, schon weil die Infrastruktur es nicht hergebe, mehr Individualverkehr auf die Straße zu bringen.

Trend geht hin zum Nutzen

Thomas Kostenbader, Referent für Verkehr beim bayerischen Städtetag, gab Pellmann-Janssen in einem Punkt recht. Der Trend beim Autofahren gehe „weg vom Besitzen und hin zum Nutzen“.  Doch ganz so pointiert wie vom Eingangsredner skizziert werde es wohl nicht kommen – und auch längst nicht so schnell. „In unserem Rechtsstaat wird jeder  die Freiheit haben dürfen, ein Auto zu besitzen.“

Das schon, räumte Pellmann-Janssen ein. „Per Gesetz könen sie neue Mobilität nicht verordnen. Aber wenn Car-Sharing dauerhaft bequemer und billiger ist, wird es bisherige Modelle ersetzen.“

Wenn in Ulm noch nicht mal das von Daimler angebotene und reichlich bequeme Mietautosystem Car2Go funktioniert  hat, wie sollen da andere Systeme funktionieren, wollte Moderator Ro­nald Hinzpeter wissen. „Der Pferdefuß war, dass die Autos nicht dort abgestellt wurden, wo man sie brauchte. Wenn Autos autonom fahren, hat sich dieses Problem erledigt“, so der DB-Mann.

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