Abschaffung der 35-Liter-Eimer und neues System sorgen für Diskussionen

Die 35-Liter-Mülltonne soll weg, doch was kommt dann? Die Stadträte sind sich nicht einig, die Entsorgungsbetriebe dagegen wissen, wo sie hinwollen: zu großen Tonnen, die sich mehrere Haushalte teilen.

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Die 35-Liter-Mülltonne soll weg, doch was kommt dann? Die Stadträte sind sich nicht einig, die Entsorgungsbetriebe dagegen wissen, wo sie hinwollen: zu großen Tonnen, die sich mehrere Haushalte teilen.  Foto: 

Michael Potthast redet sich zurzeit den Mund fusselig. Oder, wie es der Chef der Entsorgungsbetriebe Ulm (Ebu) ausdrückt: „Wir sind in intensiven Diskussionen.“ Vor allem mit Stadträten. Die sollen am 10. April über ein neues Müllsystem entscheiden. Wie das aussehen wird, ist noch nicht sicher.

Klar ist, <span style="display: none;"> </span>dass die Ebu die 35-Liter-Restmülltonnen, die verbreitetsten in der Stadt, aus Gründen des Arbeitsschutzes abschaffen wollen<span style="display: none;"> </span>. Der kleinste Behälter soll dann 60 Liter fassen – wesentlich mehr, als viele Haushalte brauchen. Warum denken die Ebu nicht über 60-Liter-Mülltonnen mit 40-Liter-Einsatz nach, wie es sie in einigen Städten gibt? „Wir denken darüber nach“, sagt Potthast. Die Vorteile: Die Müllwerker hätten es leichter, und für die Bürger bliebe fast alles beim Alten. Sie müssten nur schauen, wo sie die Groß-Tonnen unterbringen.

Dennoch macht der Ebu-Chef kein Geheimnis daraus, dass er den Tonnen mit Einsatz skeptisch gegenüber steht. „In der Anschaffung sind sie teurer, und durch den höheren Schwerpunkt fallen sie bei Windstößen leichter um.“

Vor allem aber gefällt ihm nicht, dass sie das bestehende System 1:1 fortsetzen würden. „Alle Haushalte mit 35-Liter-Tonne würden auf eine 60-Liter-Tonne mit Einsatz umsteigen“, meint er. Die Folge: Die Zahl der Mülltonnen bliebe gleich. Den Ebu sei jedoch daran gelegen, die Zahl zu senken. Und zwar durch Müllgemeinschaften: Mehr Haushalte sollen sich eine Tonne teilen.

Der Hintergrund ist finanzieller Natur. Die Ebu wollen sparen. Viele Mülltonnen bedeuten viel Arbeit, und Zeit ist buchstäblich Geld, sagt Potthast. „Rechnet man die Kosten pro Leerung, macht die Verbrennung die eine Hälfte aus und die Logistik, also die Leerung, die andere Hälfte.“ Während die Verbrennungskosten sänken, stiegen die Kosten für die Leerung, zum Beispiel durch höhere Personalausgaben. Potthast ist überzeugt: Gäbe es weniger Mülltonnen, könnten die Ebu ihre Kosten drücken. „Ob ich eine 35-Liter-Tonne leere oder eine mit 60 Litern, macht zeitlich keinen Unterschied.“ Entscheidend sei nur die Anzahl der Behälter.

Die Ebu setzen also auf größere Tonnen und Müllgemeinschaften. Ob die Stadträte darauf einschwenken, ist offen. Es wird heiß diskutiert in den Fraktionen. Denn die Ebu möchten zusätzlich das Gebührensystem umstellen und jede Mülltonne mit einem Chip ausstatten. Die Bürger sollen dann statt einer jährlichen Gebühr je nach Eimergröße eine Gebühr pro Leerung bezahlen. Weniger Müll zu produzieren, zahle sich dann wie bisher aus. Für Müllgemeinschaften könnte das Chip-System sogar billiger sein als einzelne Tonnen, meint Potthast. Und der Gestank, wenn Müll wochenlang im Eimer dümpelt? „Im Sommer kann man den Behälter ja alle zwei Wochen rausstellen.“

Die Nachbarstadt Neu-Ulm hat ein anderes Müllgebührensystem. Sie zieht die Gebühren nicht von jedem Haushalt ein, sondern vom Grundstückseigentümer. Er legt die Gebühr dann auf die Mieter um. Dieses System führt dazu, dass es viele Müllgemeinschaften gibt, sagt Abfallberater Jürgen Gerhardt.

Das Grundmodell in Neu-Ulm ist die 120-Liter-Tonne. Sie gibt es mit 60- und 80-Liter-Einsatz. Die bis dato kleinste Tonne mit 50 Litern wurde 2006/2007 abgeschafft. „Anfangs gab es Beschwerden, zum Beispiel dass die größeren Tonnen nicht in die Müllboxen passen“, berichtet Gerhardt. „Aber die neuen Autos sind auch breiter und länger und passen nicht in alte Garagen.“ Mittlerweile hätten sich die Bürger an die großen Tonnen gewöhnt.

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Kommentare

17.02.2013 19:42 Uhr

back to the roots

Müllgemeinschaften gab es doch schon vor 30 jahren - irgendwann wurde eine Tonne pro Haushaat eingeführt.

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