"Wir werden nicht helfen können"

Am Montag jährt sich die Atomkatastrophe von Fukushima zum zweiten Mal. Reinhold Thiel von der Ulmer Ärzteinitiative über die Auswirkungen.

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Das Atomkraftwerk Gundremmingen muss abgeschaltet werden, fordert Reinhold Thiel. Foto: Privat

Die Nuklearkatastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima hat die Bevölkerung für das Thema Atomkraft sensibilisiert. Haben Sie von der Ärzteinitiative IPPNW seitdem mehr Zulauf?

REINHOLD THIEL: Ja, das kann man schon sagen. Seit Fukushima sind deutlich mehr Ärzte bei der IPPNW Mitglied geworden. Und man hört uns auch mehr zu.

Das Thema gerät also nicht schon wieder in Vergessenheit?

THIEL: Nein, es gibt nach wie vor rege Diskussionen. Das Ereignis ist in der gesellschaftlichen Wirkung ähnlich nachhaltig wie Tschernobyl. Aber die Regierung versucht leider jetzt, schon in die Wege gebrachte Beschlüsse und Maßnahmen zu alternativer Energiegewinnung zu verwässern.

Die Meinungen zu den Auswirkungen der Fukushima-Katastrophe sind ja durchaus geteilt . . .

THIEL: Die Weltgesundheitsorganisation versucht mit statistischen Tricks die Auswirkungen schön zu reden. Der IPPNW-Bericht "Gesundheitliche Folgen von Fukushima" zeigt aber, dass vor allem Kinder gesundheitlich geschädigt sind. Allein in der Präfektur Fukushima wurden bei 55 000 Kindern Schilddrüsenveränderungen festgestellt, die man als Vorstufen von Krebs werten muss. Außerdem ist die Geburtenrate deutlich zurückgegangen. Auch durch die Nahrungskette werden die Menschen dort weiterhin belastet.

Besteht denn durch Lebensmittel auch für Deutschland Gefahr?

THIEL: Das kann ich nicht sagen, das ist nicht mein Fachgebiet. Aber ich kann den Ulmern sagen: Falls im Kernkraftwerk Gundremmingen ein Unfall mit radioaktiver Freisetzung passieren sollte, werden weder die Katastrophenschutzbehörden noch wir Ärzte helfen können. Ulm liegt 30 Kilometer entfernt. Daher gilt für mich: Das Kernkraftwerk Gundremmingen muss umgehend abgeschaltet werden.

Info Die Ulmer Ärzteinitiative ist eine Gruppe der IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges - International Physicians for Prevention of Nuclear War). Reinhold Thiel ist Allgemeinarzt mit Praxis in Senden und Sprecher der Ulmer Ärzteinitiative, seit 2009 ist er außerdem im Vorstand der Deutschen Sektion IPPNW.

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