Alarm an Friedrich-List-Schule: „Wir waren mucksmäuschenstill“

Auch wenn alles diszipliniert ablief: Für Schüler wie Lehrer ist eine Alarmsituation mit anschließender Verbarrikadierung psychisch extrem belastend – und muss aufgearbeitet werden.

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  • Die Mutter umarmt ganz erleichtert ihren Sohn Birkan (18), der gestern den vermeintlichen Amoklauf an der Friedich-List-Schule in Klasse 12 miterlebte: „Wir hatten schon Angst.“ 1/2
    Die Mutter umarmt ganz erleichtert ihren Sohn Birkan (18), der gestern den vermeintlichen Amoklauf an der Friedich-List-Schule in Klasse 12 miterlebte: „Wir hatten schon Angst.“ Foto: 
  • Schüler verbarrikadierten die Tür ihres Klassenzimmers mit Tischen und Stühlen. 2/2
    Schüler verbarrikadierten die Tür ihres Klassenzimmers mit Tischen und Stühlen. Foto: 
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Kritisch war die erste Stunde von 12.15 bis 13.15 Uhr. „Wir sind  von einer ernsthaften Bedrohungssituation ausgegangen. Wir wussten ja nicht, was den Alarm ausgelöst hat“, berichtet ein Lehrer am Dienstagnachmittag. Seine Kollegen hatten sich direkt nach dem Alarm mit ihren Schülern in den jeweiligen Klassenzimmern eingeschlossen, die Jalousien wurden heruntergelassen, „wir saßen weit weg von der Tür auf dem Boden, waren mucksmäuschenstill und warteten“. Das ist eine der Anweisungen, wenn der Alarm ausgelöst wird. Eine andere Anweisung: Falls sich kein Lehrer mit im Zimmer aufhält, sollen die Schüler Tische und Stühle unter die Türklinke schieben und somit den Zugang versperren. Deshalb waren manche Räume völlig verbarrikadiert. Und eine dritte Anweisung: kein Handy- oder Smartphone-Kontakt mit der Außenwelt!

Ein Teil der Schüler habe sich sehr diszipliniert und ruhig verhalten, ein anderer Teil habe dagegen sehr verängstigt reagiert, manche standen unter Schock und weinten, „eine solche Situation ist psychisch erheblich belastend“, ist aus dem Lehrerkollegium zu hören. Das Geschehen soll deshalb am Mittwoch im Unterricht aufgearbeitet werden. Wer möchte, kann sich auch an Lehrer und Notfallseelsorger wenden.

Schulleiter Markus Pfeil war in seinem Zimmer, als der Alarm ausgelöst wurde: „Es war in der Pause. Das ist natürlich eine besonders schwierige Situation, weil viele Schüler und Lehrer auf den Gängen unterwegs und noch nicht in ihren Zimmern sind.“ Da Sekretariat, Rektorat und Lehrerzimmer nach dem Umbau direkt miteinander verbunden sind, standen hier alle miteinander in Kontakt. „Für die Kollegen, die draußen allein waren, war die Situation natürlich ungleich schwieriger.“ Zumal auch Klassen in dieser Zeit allein gewesen seien oder Jugendliche auf der Toilette, die dann in anderen Zimmern Unterschlupf suchten, weil ihr eigentliches Zimmer verschlossen war.

Markus Pfeil selbst wusste nicht mehr als alle anderen. Er stand zwar in telefonischem Kontakt mit der Stadt Ulm, sah aber ebenso wenig, was sich draußen abspielte.

Lesen Sie hier: Die Ereignisse im Ticker

Wer oder was letztlich den Alarm ausgelöst hat, wurde dem Lehrerkollegium am Dienstag nicht mehr mitgeteilt. „Wir haben keine Informationen von der Schulleitung erhalten“, sagt ein Lehrer. Regulär hätte gegen 14.30 Uhr eine Konferenz stattfinden sollen, sie wurde dann auf 15 Uhr verschoben, währte aber nur kurz. Die Suche nach der Ursache dauerte an, nachdem die Schüler die Gebäude verlassen hatten.

Ein Lehrer vermutet, dass die Auslösung des Alarms mit den Bauarbeiten in der Schule zusammenhängt. „Der Verdacht liegt nahe, zumal der Fehlalarm vor zwei Jahren auch durch Bauarbeiten verursacht worden ist.“ Dies wurde offiziell nicht bestätigt. Allein der „technische Defekt“ ist genannt. Auch auf der Internetseite der Schule. Die Untersuchungen gehen am Mittwoch weiter. Auf jeden Fall sei die Schule sicher, der Unterricht kann stattfinden.

Auch wenn es – zum Glück –  kein Amoklauf war, die Situation sei „extrem belastend“ für Schüler und Lehrer gewesen, sagt Pfeil. „Zumindest unser innerschulisches Warnsystem hat sehr gut funktioniert“, obwohl viele neue Schüler und neue Lehrer gerade erst den ersten Schultag hinter sich gebracht haben und noch in der Findungsphase sind. Wie genau das Warnsystem funktioniert, das will Markus Pfeil nicht erklären. Jede Schule hat ihr eigenes und behält die Details für sich, um möglichen Tätern keine Anhaltspunkte zu geben.


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