„Wir müssen Flagge für Europa zeigen“

|
Richard Weber: „Wir müssen ein Zeichen für Europa setzen.“  Foto: 

Die Verhandlungen um den Brexit stehen nach dem 20-Milliarden-Angebot von Theresa May plötzlich wieder ganz oben auf der Agenda. Vor diesem Hintergrund schien das Regionalforum Wirtschaft in der IHK diese Woche besonders passend, Thema: „Europa vor dem Brexit“.

Das Forum wird als Gemeinschaftsinitiative der Ulmer und Neu-Ulmer Wirtschaftskammern und -verbände in regelmäßigen Abständen organisiert. Diesmal informiert Dr. Richard Weber, seit mehr als 20 Jahren Vorsitzender der saarländischen IHK, Chef der Karlsberg-Brauerei und Präsident bei Eurochambres – dem Dachverband der europäischen Industrie- und Handelskammern – über die aktuelle Lage in Europa.

Weber, der noch im Kriegsjahr 1944 im Saarland geboren wurde, hat in der Grenzregion die deutsch-französische Geschichte am eigenen Leib miterlebt, hatte mal den deutschen, mal den französischen Pass. Nicht zuletzt deshalb ist er, wie er selbst sagt, seit seiner frühen Jugend ein „flammender Europäer“.

Wichtig für den Wohlstand

Insbesondere betonte er immer wieder die große Bedeutung Europas für die freie Wirtschaft – mit Zollfreiheit, Binnenmarkt und Know-how-Transfer. All das sei entscheidend für den Wohlstand in Deutschland. „Europa ist eine Erfolgsgeschichte, von der wir alle profitieren, die wir aber oft zu wenig wertschätzen.“

Europa müsse sich dennoch Gedanken darüber machen, wo die Reise hingeht. „Soll alles so bleiben wie bisher? Das scheint keine Lösung zu sein“, sagte Weber. Denn Europa stehe vor großen Herausforderungen wie der Digitalisierung, der Jugendarbeitslosigkeit, der Flüchtlingsproblematik und dem Aufkommen des Nationalismus.

Gerade wegen  erstarkender nationalistischer Parteien „müssen wir Flagge zeigen für Europa – heute mehr denn je“, appellierte er an die rund 100 Repräsentanten der regionalen Wirtschaft im Ludwig-Erhard-Saal der Kammer: „Es liegt an uns, ein Zeichen für Europa zu setzten in den Unternehmen, bei den Mitarbeitern und im Bekanntenkreis.“

Eine aktuelle Herausforderung ist der Brexit: „Die Verhandlungen treten auf der Stelle, es gibt keine Fortschritte“, sagte Weber. Wenn sich die EU und London nicht einig werden, seien es die Firmen, die durch Zölle und Fachkräftemangel am meisten leiden. Dazu kommt, dass Großbritannien ein wichtiger Absatzmarkt für Waren und Dienstleistungen ist. Am Ende könne der Brexit nur im Schulterschluss mit den Briten bewältigt werden.

An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussionsrunde an. Eine Zuhörerin wollte wissen, wie ein optimales Ergebnis für den Brexit aussehen könnte. Für Weber ist eine ähnliche Kooperation wie mit den Nicht-EU-Ländern Schweiz und Norwegen vorstellbar. Er ist sicher: Großbritannien wird sich damit anfreunden.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Jamaika-Krach – Stimmen aus der Region: „Alle noch auf Endorphin“

Die Abgeordneten der Region zeigen sich angesichts des Scheiterns überrascht. Wie es weitergeht, ist für viele unklar. weiter lesen