Interview mit Martin König von der Ulmer Stolperstein-Initiative

Martin König ist einer der Köpfe der Ulmer Stolperstein-Initiative. Derzeit fehlt es an Geld, für weitere Stolpersteine. Spenden werden benötigt.

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Martin König, einer der Köpfe der Ulmer Stolperstein-Initiative.  Foto: 

Sechs Dutzend Stolpersteine sind seit Mai 2015 verlegt worden. „Jetzt ist die Kasse leer!“, heißt es im Flyer zur fünften Verlegung. Wir sprachen mit Martin König. Der Deutsch-, Geschichts- und Gemeinschaftskundelehrer an der Robert-Bosch-Schule ist einer der Köpfe der Ulmer Stolperstein-Initiative.

Das hört sich nach Hilfeschrei an ...

... das ist in der Tat so. Wir haben drei Jahre lang sehr erfolgreich gearbeitet. 74 Stolpersteine, die vom kommenden Donnerstag eingerechnet, hat der Künstler Gunter Demnig in Ulm verlegt. Die Finanzierung war bislang gesichert, seit Gründung summieren sich die Spenden auf knapp über 20.000 Euro. Zusätzlich bekamen wir 2000 Euro von der Ulmer Bürgerstiftung. Aber jetzt ist der Topf leer. Schon seit Längerem sind keine Spenden mehr eingegangen. 2015 waren es noch 50 Spender, 2017 bislang nur vier.

Woran liegt das?

Ich glaube, die Ulmer gehen davon aus, dass die Stolperstein-Intiative ein Selbstläufer ist, aber genau das ist nicht der Fall. Wir sind weiterhin auf Spenden angewiesen, Spenden aus der Bürgerschaft sind auch Voraussetzung, dass wir städtische Zuschüsse erhalten.

Wofür werden die Spenden verwendet?

Zum einen natürlich für die Stolpersteine, einer kostet 120 Euro. Zum anderen für die Flyer, sie sind uns wichtig, weil darin die Biografien der Menschen herausgearbeitet sind. Wir wollen an die Menschen erinnern, ihnen ein Gesicht zurückgeben. Zum Dritten setzen wir einen kleinen Teil der Spenden für die Begegnungen mit den Familien ein, die zu den Verlegungen kommen, dieses Mal aus Israel, der Schweiz und sogar aus Australien. So wirkt das Thema bis in die Gegenwart.

Wie viele Stolpersteine sollen noch verlegt werden?

Wir haben noch viel vor, das Spektrum an Opfern der NS-Diktatur ist breit. Neben den jüdischen Opfern, die uns sehr wichtig sind, wollen wir uns verstärkt um politisch Verfolgte, um Eu­thanasie-Opfer und auch um Homosexuelle und Roma kümmern. Wir sind immer noch Feuer und Flamme für die Stolpersteine.

Info Das Spendenkonto lautet: Stiftung Erinnerung Ulm, IBAN DE76 6305 0000 1010 8100 90. Fragen beantwortet Martin König, Tel. (0731) 950 14 36.

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