"Süßes Brot" im Museum der Brotkultur

Woran erinnert man sich als Erwachsener, wenn man an die Weihnachtsfeste seiner Kindheit denkt? Mit diesen Erinnerungen spielt die Ausstellung "Süßes Brot" im Museum der Brotkultur.

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Advent, die stille Zeit. Von wegen. Der Advent war auch immer voller Vorbereitungen aufs Weihnachtsfest. Und dazu gehörte zumindest in den vergangenen 150 Jahren auch das Backen von Stollen, Plätzchen und Lebkuchen. Gebäck, dessen Zutaten die Küche und das Haus ganz speziell parfümierten. Diese Erinnerungen ruft das Museum der Brotkultur mit der Weihnachtsschau "Süßes Brot" wach.

Kuratiert hat die Ausstellung Jan Rüttinger. Der kümmert sich um die rund 21.000 Stücke starke Sammlung des Hauses. Als er da im Sommer Teigräder systematisierte, kam ihm die Idee, doch mal eine Schau rund um Backutensilien von gestern und heute zu machen. Und in welcher Jahreszeit wird am meisten und am fleißigsten gebacken? Im Advent!

Zumindest war das in den vergangenen 150 Jahren so. Denn erst mit der Raffinade von Zuckerrüben, der Erfindung der Presshefe und des Backpulvers waren die nötigen Zutaten für alle verfügbar und so billig, dass nicht nur reiche Pfeffersäcke sich an Pfefferkuchen und Co. gütlich tun konnten. Marzipan etwa wurde Mitte des 19. Jahrhunderts noch in der Apotheke feil geboten - zu entsprechenden Preisen.

Auf vielen Darstellungen, die in der Schau im Salzstadel zu sehen sind, gibt es auch irgendwo einen Guglhupf oder dessen Auflaufform. "Das war der Magenfüller", weiß Rüttinger. Denn auch wenn sich breite Gesellschaftsschichten vor 150 Jahren Weihnachtsgebäck leisteten, die Zutaten für die Plätzchen waren teuer. Damit die kostbaren Teile nicht auf einen Satz gegessen wurden, gab's dazu immer auch einen preiswerten Napfkuchen.

Das alles erklärt die Schau "Süßes Brot" mit alten Werkzeugen wie Schokoladenbrechern, Mörsern, einer Mohnmühle und Nudelhölzern, einer Riechbar mit Gewürzen wie Kardamon, Zimt, Ingwer, Rosenwasser und Orangeat. Der besondere Reiz: Es gibt auch Werkzeuge, die die Besucher vielleicht noch aus ihrer eigenen Kindheit kennen, wie etwa einen Metall-Messbecher aus den 60er Jahren, oder ein Starmix-Rührgerät der Marke Electrostar aus Reichenbach an der Fils. Doch ja, das hatte Mama auch in der Küche! Und es gibt auch Lebkuchenhäuser. Doch die sind eigentlich eine relativ neue Entwicklung. "Als die Brüder Grimm 1812 ,Hänsel und Gretel' veröffentlichten, war von einem Haus die Rede, das ,ganz aus Brot, Kuchen und Zucker hergestellt ist'", erklärt Rüttinger. Zu einem Lebkuchenhaus wurde es erst bei der Uraufführung von Engelbert Humperdincks gleichnamiger Weihnachtsoper 1893 am Hoftheater in Weimar unter Richard Strauss. "Da stand eindeutig ein Lebkuchenhaus auf der Bühne." Und das machte Schule - erst bei Bäckern und Konditoren, später auch in den Haushalten.

Tja, und dann sind da auch noch ein paar Blechschachteln und Dosen zu sehen, in denen die Plätzchen gelagert wurden, um sie mürbe zu machen. Die zu finden und daraus zu naschen, ohne dass es Mama merkte, das war der eigentliche Sport vor Weihnachten. Wie gesagt, diese Ausstellung spielt geschickt mit den Erinnerungen an die Weihnachtsfeste, die man als Kind erlebte.

Rund um die Springerle

Schau Die Ausstellung "Süßes Brot" ist bis 17. Januar im Museum der Brotkultur im Ulmer Salzstadel zu sehen: täglich 10-17 Uhr.

Modelmarkt Springerle sind schwäbische Spezialitäten. Um sie und die Model, die für ihre Herstellung nötig sind, dreht sich alles am Sonntag, 10-17 Uhr, im Museum. Der Eintritt ist an diesem Tag frei.

 

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