"Sonus loci" heißt ein besonderes musikalisches Projekt zum Münsterturmjubiläum

Dem Klang des Münsters wollen sie nachgehen - ganz in echt: Fünf Musiker und eine Pfarrerin erforschen am Freitag mit Musik und Wort den "Sonus loci". Ein Projekt zum Turmjubiläum.

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Musikerin Elisabeth Haselberger und Pfarrerin Tabea Frey treten in Dialog mit dem Ulmer Münster.  Foto: 

Wenn jemand weiß, wie das Münster klingt, dann ist es Tabea Frey. Schließlich ist es der Beruf der Pfarrerin, die Kirche regelmäßig zu "besprechen". Das Hauptschiff, sagt sie, habe einen langen Nachhall. "Aber der Chorraum ist ein Sprachraum, der ist für mich wie Butter." Am Freitag wird sie deshalb nicht von der Kanzel reden, sondern von diesem "intimen Raum" aus, so wie es passt für den Psalm 84,1-5, in dem es heißt: "Der Vogel hat ein Haus gefunden/und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen."

Sollen doch Wort und Raum eine ganz besondere Verbindung eingehen an diesem Abend, den die Geistliche mit fünf Mitstreitern ins Werk setzt. Beziehungsweise in Klang, denn Worte sind nur ein Element des vierteiligen Konzerts "Sonus loci"; konzipiert zum Münsterturmjubiläum ist es eines der städtisch geförderten Projekte. An die 10 000 Euro - etwa die Hälfte des erforderlichen Budgets - hat die Gruppe bekommen für den schönen Gedanken: "Ein Raum, der schon klingt, wird zum Klingen gebracht", so erklärt ihn Frey.

Die Idee stamme vom Komponisten Klaus Hollinetz, der das Konzept ähnlich schon verwirklicht habe, sagt Projektleiterin Elisabeth Haselberger. Die Blockflötistin wird den musikalischen Teil des Konzerts zusammen und im Wechsel mit Jürgen Grözinger an den Percussions und Alexander Moosbrugger an den Orgeln bestreiten, Tontechnik und Sound Design übernimmt Andreas Usenbenz - und Komponist Hollinetz steht als eine Art geistlicher DJ am Pult. Grundlage nämlich sind die Ergebnisse "akustischer Vermessungen", die er schon lange zuvor unternommen hat, wie Haselberger erklärt. Aufnahmen mit den Mitwirkenden hat er zu 20-Kanal-Soundtracks verarbeitet, zu denen die Musiker wiederum spielen und improvisieren werden. "Es sind keine starren Module, wir haben die Möglichkeit, damit kreativ umzugehen", sagt Haselberger. Das Gehen darf man wörtlich nehmen: Die Musik wird ihre Zuhörer an vier verschiedene Orte im Münster führen, das immer anders antwortet. Den Beginn macht Elisabeth Haselberger mit einem Marienhymnus, gefolgt von einem elektronisch paraphrasierten Madrigal und einem weiteren Stück aus dem 14. Jahrhundert, dem Jahr der Grundsteinlegung des Münsters. "Überschreibungen der Zeit" ist dieser Teil 1 am Kanzelaltar überschrieben, "mit historischen Referenzen an die Zeit, als die mittelalterliche Musik auf ihrer komplexen Höhe war".

Der zweite Teil führt zum Chorraum und damit zu Grözinger und Frey, die zum Beispiel auch den Text der Grundsteinlegung 1377 lesen wird. Passend zum Text des Psalms spielt Alexander Moosbrugger die Schwalbennestorgel als Überleitung zu Teil III mit elektroakustischen Kompositionen und Glockenspiel, in Teil IV finden alle Instrumente zusammen.

"Es ist auch eine kleine Materialschlacht", sagt Elisabeth Haselberger. 2000 Meter Lautsprecherkabel müssen verlegt werden. Trotzdem: "Sonus loci", so wünschen sich die Verantwortlichen, soll kein Event, sondern ein Konzert sein. Die Zuhörer sollten sich die Zeit nehmen, damit Konzentration und eine "Hörergemeinschaft" entstehen kann. Nur ein Zugeständnis an die unruhige Welt da draußen gibt es: Wer nach der Eröffnung der Triennale in der Kunsthalle Weishaupt kommen möchte, erhält um 20.30 Uhr noch Einlass.

Info "Sonus loci": Freitag, 24. Juli, 20 bis 23 Uhr. Abendkasse ab 18 Uhr am Nordportal. Reservierungen: 0731/729 93 64, www.ulm125.de

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