"Solardorf Ermingen" komplett

2006 hat das Projekt "Solardorf Ermingen" begonnen. Dazu gehören jede Menge Photovoltaikanlagen, ein Solarpfad und Solargräser. Neuerdings werden noch zwei Begrüßungsstelen mit Sonnenenergie beleuchtet.

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Die Solarstiftung Ulm/Neu-Ulm hatte vor zehn Jahren festgestellt, dass es auf 330 geeigneten Gebäuden in Ermingen und seinen Teilorten Allewind, Schaffelkingen und Harthausen nur 3 Photovoltaikanlagen zur Stromproduktion und 36 Solarthermieanlagen zur Warmwasseraufbereitung gab. Durch die Bürgeraktion "Solardorf Ermingen" sollte viel mehr Sonnenenergie genutzt werden. Die Solarstiftung finanzierte einen Experten, der interessierte Bürger kostenlos beraten hat. Abgeklopft wurden Fördertöpfe und Darlehensangebote sowie Mengenrabatte beim Einkauf von PV-Anlagen. Und die Stadt Ulm gab einen Investitionszuschuss von 100.000 Euro. Allein 70.000 Euro gingen an die Vereine. Der Rest war gedacht für kleinere Vorhaben.

Grüß-Gott-Stelen Die jüngste und letzte Investition für insgesamt 20.000 Euro sind die zwei Begrüßungsstellen am Ortseingang von Harthausen her kommend und in Allewind. An einer etwa zwei Meter hohen Säule arbeiten die Photovoltaikmodule. Seitlich angebracht ist der Metall-Schaukasten. "Herzlich willkommen" steht neben dem Wappen. Und unter Glas, das nachts mit LED-Lampen beleuchtet wird, werden Feste, Konzerte und Vereinsjubiläen angekündigt. "So etwas gibt es nirgends zu kaufen", sagt Ortsvorsteher Herbert Tress. Geplant hat die Neuheiten das Büro Eberhardt in Ulm. Umgesetzt hat es die kleine Mähringer Metallbaufirma Vetter.

Photovoltaik Ein Jahr nach Beginn kamen zu den drei vorhandenen schon 15 neue Photovoltaikanlagen hinzu. Inzwischen sind es 44, die ihren Strom ins Netz der Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) einspeisen, sagt SWU-Sprecher Bernd Jünke. "Die Anlagen erbringen insgesamt eine Leistung von 543 Kilowatt." Das entspreche einer jährlichen PV-Stromeinspeisung von etwa 500.000 Kilowattstunden und rein rechnerisch dem Bedarf von 150 Haushalten mit zwei bis drei Personen. Jünke betont "rechnerisch", denn wenn die Sonne nicht scheint, sind diese Haushalte auf andere, konventionelle Stromquellen angewiesen. Tress betont: "Auch wenn unser Projekt nun abgeschlossen ist, dürfen Erminger jederzeit gerne weitere Photovoltaikanlagen installieren."

Solarpfad 13 Objekte mit jeweiligen Erklärungstafeln gehören zum etwa fünf Kilometer langen Solarpfad. Er führt unter anderem zu einem Erdwärmehaus, zu Kollektoren auf Haus- und Scheunendächern und zum Hof Häussler in Schaffelkingen, wo mit Holzhackschnitzeln geheizt wird. Schließlich steckt in Holz auch Sonnenenergie, die der Baum einst zum Wachsen getankt hat. Weitere Stationen sind die Vereinsheime und die "Solargräser".

Vereinsheime Auf dem Musikerheim und auf dem Sportheim surren Photovoltaikanlagen im damaligen Gesamtwert von 145.000 Euro. Die Vereine nahmen dafür Darlehen auf. Jedoch sollen die Anlagen bald abgezahlt sein über den Erlös, den der Stromverkauf an die SWU einbringt. "Jeder weitere Erlös geht auf das Konto der Vereine, ist sozusagen die Rente für unsere künftigen Sportler", sagt Tress. Die Vergütung für eingespeisten Photovoltaik-Strom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz im Vergleich: Vor zehn Jahren waren es 51,8 Cent netto je Kilowattstunde. Zum 1. August 2015 lag der Preis bei 12,34 Cent netto je Kilowattstunde, hat Jünke nachgeschaut.

Solargräser Die vier filigranen, sieben Meter hohen Gebilde stehen am Ufer des Dorfweihers. An ihren Edelstahl-Halmen wiegen sie sich im Wind oder spiegeln sich im Wasser. Jede "Blüte" besteht aus einem Quadratmeter Modulen. Stückpreis im Jahr 2006: 2000 Euro.

Bushaltestelle Auf einer Straßenseite der Bushaltestelle "Allewind" liefert die Sonne schon seit gut 20 Jahren Energie, um die Haltestelle nachts zu beleuchten. Eigentlich war das Ganze eine Notlösung, denn man wollte nicht extra die Straße aufbaggern, um die Beleuchtungskabel auf der anderen Straßenseite anzuzapfen.

Solarstiftung Ulm/Neu-Ulm

Beginn Die Solarstiftung wurde im Solarjahr 1995 von den Städten Ulm und Neu-Ulm und den Stadtwerken gegründet. Zentrales Ziel der Solarstiftung war die Verbesserung der Rahmenbedingungen zur Nutzung erneuerbarer Energien in der Region. Dazu hat die Solarstiftung über Jahre hinweg ein Netzwerk zwischen Anbietern und Nachfragern geschaffen, mit dem Zweck, das vorhandene Knowhow optimal zu nutzen. Dies galt sowohl für den Bereich der Wissenschaft und Forschung, als auch für Wirtschaft und Bildung.

Ende Vor zwei Jahren wurde das Vermögen für weitere nachhaltige Initiativen umgewandelt. Dazu OB Ivo Gönner: "Die Stiftung hat ihren Zweck erfüllt." Eine derartige Förderung sei nicht mehr nötig in Zeiten eines Erneuerbare-Energie-Gesetzes und anderer Vergünstigungen.

 

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