"Mit Musik geht alles besser"

Ungefähr so wie die Jungfrau zum Kinde kam Ralf Locher zum Singen. "Ich habe Fußball gespielt und gekegelt", sagt der 52-Jährige über die Zeit vor 26 Jahren. An Singen jedenfalls hatte er nicht gedacht.

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"Wir grüßen euch mit frohem Klang, ihr lieben Freunde all. Willkommen bei Musik und Sang beim Ulmer Bäckerchor." So lautet der Sängergruß des Bäckerchors, den Reiner Zimmermann (rechts) mit seinen Mannen einübt.  Foto: 

Als der Bäcker dann aber seine Verlobte zum Altar führte, saß auch der Bäckerchor unter den Hochzeitsgästen in der Suso-Kirche und sang dem Berufskollegen ein Ständchen.

"Ich wusste von nichts. Das haben die heimlich mit dem Pfarrer ausgemacht" sagt Ralf Locher, der nicht nur seit 26 Jahren verheiratet, sondern fast genauso lange auch Mitglied des Innungschors ist. Einige Wochen nach seiner Vermählung gab er den Lockungen nach und trat dem Verein bei, dessen Vorsitzender er heute ist.

Jeden Mittwoch treffen sich die Männer in der Kantine der Großbäckerei Staib im Gewerbepark Ulm-Nord. Gut zwei Dutzend Mitglieder zählt der Chor bei einem Durchschnittsalter von 72 Jahren. Jede Woche Probe, 10 bis 20 Auftritte pro Jahr, das Programm kann sich hören lassen. Allerdings sind die wenigsten Auftritte öffentlich. Meistens singt man bei Hochzeiten oder auf Geburtstagen.

"Wir sind ein ganz spezieller Gesangverein", sagt Chorleiter Reiner Zimmermann, der seit 1987 den Rhythmus vorgibt. "Das sind alles Geschäftsleute, die auf diese Weise Entspannung vom Alltag suchen." Bäcker, Metzger und Berufsfremde - ein Chor, der auf eine lange Geschichte zurückblicken kann.

1891 hatte die Innungsversammlung der Bäcker beschlossen, einen Gesangverein ins Leben zu rufen. Jahrzehnte später, nämlich 1927, zog die Fleischerinnung nach, 1963 schlossen sich beide Chöre zusammen. Während die Metzger mittlerweile ganz ausbleiben, sind noch einige Bäcker vertreten, aktiv im Beruf stehen allerdings nur noch zwei. Darunter der 52-jährige Locher, der in der Bäckerei Betz arbeitet. Verbinden kann er Beruf und Freizeit indes nur, indem er seinen Schlaf auf zwei Phasen am Tag verteilt. Abends und nachmittags, also vor und nach der Arbeit, die bei ihm um 1.30 Uhr in der Nacht beginnt. "Seit ich denken kann, schlafe ich drei Stunden am Abend und drei Stunden nachmittags", sagt Locher. Der Vorteil liegt auf der Hand, kommentiert der Chorleiter: "Er kommt ausgeschlafen zur Probe."

Was offenbar nicht immer gut hilft, denn bei der letzten Probe vor den Sommerferien war ein wenig der Wurm drin. Während beim "Sängergruß Ulmer Bäckerchor" noch alles glatt lief, hakte es beim Lied "Diese flotte Melodie". Beim Refrain flogen ein paar Sänger jeweils aus dem Takt, was den Chorleiter erzürnte: "Habt ihr wenigstens die Notenblätter richtig herum?", fragte er in die Runde.

250 Lieder umfasst das Repertoire, 100 davon haben die Sänger nach einer Probe drauf, glaubt Zimmermann. Beim nächsten großen Auftritt wird sich diese Hoffnung beweisen müssen. Denn im September singt der Bäckerchor bei der Internationalen Backausstellung in München. In roten Sakkos, weiß-gelben Krawatten zu weißem Hemd und schwarzer Hose werden dann "Der junge Adler", "Ihr von Morgen" und "Mit Musik geht alles besser" gesungen.

Info Der Bäckerchor hat eine Homepage mit weiteren Informationen: bäckerchor-ulm.de

Neue Sommer-Reihe

Vereinsleben So heißt unsere Sommerreihe, die die ganze Ferienzeit hindurch täglich erscheint. Wir stellen dabei solche Vereine und deren Mitglieder vor, die sich einem einzigen Thema oder Hobby verschrieben haben. Es handelt sich also um monothematische Vereine - ausgenommen sind somit Sportvereine, die von Fußball über Leichtathletik bis zur rhythmischen Sportgymnastik allesamt ein ähnlich breitgefächertes Programm bieten.

 

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