"Mit der Silvia war ich per Du"

Der Zuspruch für eine München-72-Devotionalien-Schau war mäßig. Schöne Erinnerungen wurden in der HfG dennoch wach.

|
Werner Rometsch mit dem Olympische-Spiele-Ausweis, der ihm Türen und Tore öffnete.  Foto: 

Dem HfG-Archiv ist in seinen neuen Räumen an authentischer Stätte droben auf dem Kuhberg mit der Ausstellung über Otl Aichers gestalterisches Wirken für die Olympischen Spiele 1972 wahrlich eine grandiose Ausstellung gelungen. Weniger grandios war die Resonanz auf einen Aufruf, die Tage von München in Form privater Erinnerungsstücke aufleben zu lassen. Große Schätze aus Kellern oder von Dachböden kamen nicht zusammen, die wenigen Plakate, Bücher und Sitzkissen fanden Platz auf zwei Tischen. Um so umfangreicher fielen die Erinnerungen aus, die Besucher austauschten.

Als wäre es gestern gewesen, erzählte Werner Rometsch von den olympischen Tagen, "von denen sich die schönen Seiten doch viel eher ins Gedächtnis eingraben als der Terroranschlag gegen die Israelis". Rometsch, der demnächst 65 wird, Physik an der Friedrich-List-Schule unterrichtet und dessen inzwischen ergraute Haarpracht immer etwas Rebellisches hat, war vor 40 Jahren Student und durch das Organisationskomitee als Fahrer angeheuert worden. Kutschiert wurden die hochrangigen Gäste in repräsentativen Limousinen der Typen Opel Diplomat V8 und Mercedes 280, außerdem auf 750er BMW-Motorrädern in ganz eiligen Fällen.

Das Büro befand sich Tür an Tür mit jenem des OK-Chefs Willi Daume ("ein feiner Mensch"), und die Fahrer teilten es sich den Olympia-Hostessen. So war es schiere Zwangsläufigkeit, dass Rometsch auch Silvia Sommerlath über den Weg lief, die vier Jahre später königliche Karriere machen sollte, nachdem sie als olympische Begleitdame den schwedischen König Karl XVI. Gustav kennengelernt hatte.

Rometsch und Sommerlath freundeten sich sogar an. "Mit der Silvia war ich per Du." Und zum Hockey-Endspiel - Deutschland gewann gegen Pakistan 1:0 - packte der Ulmer die schöne Hostess kurzerhand als Sozia auf den Rücksitz einer BMW.

Bei - wie es sich damals gehörte - Hawaii Toast, an Zahnstochern zum Käse-Igel aufgestecktem Emmentaler und Kalten Hund schwelgte man am Sonntag in schöner Vergangenheit. Kalter Hund? Ja, das war in Puderzucker, Palmöl und Eiern angerührter Kakao, der dann erkaltete mit Butterkeksen in Zwischenlagen.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Albi: Edeka übernimmt Mitarbeiter

Der Edeka-Verbund hat am Freitag das komplette Unternehmen der Albi GmbH & Co. KG in Bühlenhausen übernommen. weiter lesen