"Klangvisuelle Münsterreise": Chorkonzert im Stadthaus

Ein Vokalensemble, Streicher - aber eine Orgel und Glocken spielten auch mit: allerdings stumm, im Film. Eine "klangvisuelle Münsterreise" war im Stadthaus zu erleben: "von außen betrachtet".

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"Licht, warm und schwer wie reines Gold . . ." In Eric Whitacres moderner Motette "Lux aurumque" besingen die Engel das neugeborene Kind. Und noch von einem ganz anderen Werden und Wachsen war im Stadthaus die Rede, vom Erschaffen und Erhalten des Ulmer Münsters, eines Gott geweihten Bauwerks. Bilder aus dem Steinbruch, das Gießen nicht von Gold, sondern von Blei für die Fugen, mit denen die Sandsteine zusammengehalten werden - mit solchen Bildern begann eine "klangvisuelle Münsterreise": ein eindrucksvolles Chorkonzert zum Turmjubiläum.

"125 Blickwinkel" heißt ein von der Stadt Ulm gefördertes Kunstprojekt des Neu-Ulmer Design-Kollektivs "Bootschaft - Crew für Gestaltung", das von Mitte März an in der Turmhalle des Münsters zu sehen sein wird. Aus dem reichen Videomaterial für die Installation haben Münsterkantor Friedemann Johannes Wieland und das Team um Kathrin Guther zunächst mal einen Film für eine rund 60-minütige konzertante "Klangreise" geschnitten. Eine überzeugende, stimmungsvolle Zweitverwertung!

"125 Blickwinkel" bietet tatsächlich den Mikro- und Makrokosmos Münster aus ungewöhnlichsten Perspektiven: von faszinierenden Kamerafahrten durchs Hauptschiff bis zu verblüffenden Nahaufnahmen, deren Objekte der Zuschauer quizmäßig entschlüsseln darf. Nicht allein der vor 125 Jahre vollendete Turm hat die "Bootschafter" interessiert, sondern das ganze Münster als "lebendiger Organismus". Wunderschöne Details: etwa die bemoosten Steine, eine bunte Erkundung wie aus dem Korallenriff.

Die Installation wird ein eigenes, von Jonas Vogt komponiertes Sounddesign haben. Was Friedemann Johannes Wieland mit dem 19-köpfigen Vokalensemble Ulmer Münster und Streichern des Philharmonischen Orchesters der Stadt Ulm jetzt bot, war mehr als ein Soundtrack: a-cappella-Stücke Eric Whitacres, die "Berliner Messe" Arvo Pärts für Chor und Streicher sowie das Streicherwerk "Into the heart of light" des Finnen Einojuhani Rautavaara in deutscher Erstaufführung. Neoromantische Klänge also: tonal in farbenreich dissonanter Reibung, klangvoll lichtstark, meditativ. Leuchtende Ewigkeitsmusiken im dunklen Stadthaus-Saal, dessen Panoramafenster den titelgebenden Durchblick zum Münster freigab: "von außen betrachtet". Im Innern war bei klarer Akustik ein feines Vokalensemble zu hören mit maßvoll differenziertem, stimmlich gut ausbalanciertem Gesang.

Und eigentlich war, paradox virtuell, noch viel mehr zu hören: Zu Rautavaaras schön herber Streichererkundung himmlischer Erscheinungen zeigte der Film ausgerechnet lange Sequenzen über die Münsterorgel samt Pedal- und Tastenspiel und auch anhaltendes Glockengeläut. Dann aber eine Kamerafahrt im Dachstuhl auf gleißend hell strahlende Fenster zu: ein musikalisches wie bildhaftes Lichtspektakel. Großer Applaus.

"125 Blickwinkel"

Installation Zu den regionalen Kunstprojekten, die von der Stadt Ulm im Jubiläumsjahr "125 Jahre Ulmer Münsterturm" in Auftrag gegeben wurden, gehört die audiovisuelle Installation "125 Blickwinkel" der Neu-Ulmer Gruppe "Bootschaft - Crew für Gestaltung". Ihre aufwendigen Filmarbeiten dokumentieren die Macher im Internet unter www.125blickwinkel.de

Die Installation ist im Münster von 13. März bis 26. April zu sehen.

 

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