"Kassandra: Lieder der Fremde" im Podium

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Zeitgenössisches Musiktheater am Theater Ulm: Werke des Komponisten Gerhard Stäbler gibt es aktuell in zwei Produktionen. Im Podium inszenierte Philipp Jescheck "Kassandra: Lieder der Fremde".

Christa Wolf hat mit ihrer Erzählung "Kassandra" Stäbler zu einer Oper angeregt, zwei Instrumentalstudien daraus, "Kopflos" und "Abschiede", kommen an diesem von Hendrik Haas geleiteten 70-Minuten-Abend zur Aufführung. Aber nicht allein. Reizvoll ist die Moderne mit Renaissance-Musik kombiniert. Der Theaterchor singt mit der Inbrunst eines Opernensembles Orlando di Lassos "Prophetiae Sibyllarum". Im Mittelpunkt: Kassandra, gespielt von Christel Mayr, als die staunend verwirrte Seherin der antiken Mythologie im Gegenwartseinsatz. Diese geisterhafte und doch wirkliche Frau spukt durch eine fröhliche Festgesellschaft, die an langer Tafel sitzt. Konflikte? Im Podium verharrt die reale Auseinandersetzung in der choreografierten Schwebe. Manche Handlungsaktion ist bemüht, Kassandra spielt Blinde Kuh, verstört nicht wirklich. Philharmoniker aber markieren mit Stäblers wirkungsvoll musiktheatralischer Sprache den Weg eines blinden Volks, das die Realität verleugnet. Paukenschlag und Klavier-Akkord, endlos, bedrohlich, dazu grummelndes Suchen. Oder später das Streichtrio: laut angerissene Töne wie Aufschreie, dann langgezogene Unruhe. Philipp Jescheck bebildert poesievoll: nachhaltig der Schluss, wenn Kassandra über dem aufgerissenen Bühnenboden schaukelt - die Seherin souverän über dem Abgrund. jük

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