"Junge Choreografen": Umjubelte Uraufführung im Podium

Originell, kreativ und faszinierend: Ballett-Mitglieder des Theaters Ulm vertanzen sechs eigene Choreografien im ausverkauften Podium. Immer wieder neue Figuren und Geschichten fesseln das Publikum.

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Kreativ und dynamisch: Ballett-Mitglieder des Theaters Ulm tanzen eigene Choreografien, hier Damien Nazabal, Yuka Kawazu, Rustam Savrasov und Ceren Yavan-Wagner (von links).  Foto: 

Finsternis, Stille. Zu gurgelnden Technoklängen lösen sich im fahlen Licht zwei Körper aus der Dunkelheit. Im Pas de deux umschlingen, winden, verknoten, trennen sie sich. Trommelschläge befeuern das flirtende Paar, bis ein männlicher Rivale sich mit machohaften Posen in Ceren Yavan-Wagners fesselnde Choreografie einmischt.

Es ist der Auftakt für einen Abend der großen Gefühle. Allseits Bewunderung und Beifallsstürme für die zehn Mitwirkenden und die großartige Collage aus sechs Choreografien. Federleicht die aparten Tänzerinnen, durchtrainiert die Männer. Ob Solo-Auftritte oder Tutti-Szenen, immer wieder formieren sie sich neu zu überraschenden Figuren und Geschichten (Dramaturgie: Matthias Kaiser). Temporeich und kraftraubend fließen Hiphop, Breakdance und klassischer Spitzentanz in die Bewegungen des Modern Dance ein.

Energiegeladen tanzt sich die junge, international besetzte Compagnie des Drei-Sparten-Theaters Ulm förmlich die Seele aus dem Leib. Darüber hinaus werden auch innere Prozesse wunderbar anschaulich, mal präsentieren sich die Täner als wagemutige Artisten oder aggressive Kämpfer, mal als Verführer oder Opfer, als naive Kinder oder romantisch Verliebte.

Bei rund 50 Vorstellungen pro Saison - im Großen Haus wie im Podium, allein oder spartenübergreifend mit dem Musiktheater - wirkt das Ballett mit. Wie in vergangenen Spielzeiten kreierten auch heuer sechs Tanzende eigene Choreografien für sich und ihre Kollegen. Bei der vierten Produktion "Junge Choreografen" (Gesamtleitung: Roberto Scafati) ist das tänzerische Spektrum so umfassend wie die Musikauswahl vielseitig: kontrast- und abwechslungsreich, kreativ, originell, berührend.

Starke, dynamische Szenen-Bilder werden im ausverkauften Podium von einem passenden Musikmix aus Geräuschen, Techno, Klassik und Pop angetrieben und mit Lichteffekten, sparsamer Bühnenausstattung und einfallsreichen Kostümen (Mona Hapke) in Fahrt gehalten: große Tanzkunst auf hohem Niveau. Eine betörende Verführung für ein junges Publikum und für Kenner. Jedes Stück steht für sich, manchmal bleibt der Sinn dahinter allerdings verborgen. Wer nicht im Programmheft Klärung sucht, genießt die Spielräume für Interpretationsfantasien und Gedankenflüge.

Neben kleinformatigen Choreografien von Juliane Nawo ("Living Time") oder Pablo Sansalvador ("Das Büro") fesselt Damien Nazabals "Jetzt bist du dran" zu Mozarts "Requiem"-Passagen unterm Galgenstrick ungemein. Mit der langmähnigen Ceren Yavan-Wagner, einer herausragenden Tänzerin, als Versinnbildlichung des dämonisch Bösen im Dialog mit drei Unschuldsmädeln in weißem Tüll.

Die japanische Tänzerin Yuka Kawazu unterlegt in ihrem "Hikari" ("Licht") die Zeitreise des Tutti-Ensembles mit Versionen des berühmten Pachelbel-Kanons. In Lorenzo Angelinis "Yin und Yang" gerät der Übergang zwischen dem ersten Teil mit Christian Bertoncellos virtuosem Cello-Solo zwar brüsk. Doch nach großer Choreografie-Vielfalt entlässt das Finale mit Paarbeziehungen und Geschlechterkämpfen rockig, akrobatisch, mit Spitzentanz (Yuka Kawazu) und viel Witz die hellauf begeisterten Zuschauer lächelnd.

Info Nächste Vorstellungen von "Junge Choreografen" im Podium: 31. Mai, 5. und 7. Juni, jeweils 19.30 Uhr. Karten: 0731/161 44 44.

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