Ehrenamt: „Hilfe kann manchmal ganz einfach sein“

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Sie richten die Teller im Übernachtungswohnheim an(von links): Thomas Schönenberger, Arton Kodra und Heike Zenner.  Foto: 

Gemischter Salat, Kohlrabisuppe, Gemüsepfanne und Weißwurst – das gab es diese Woche für die Bewohner des Übernachtungsheim in der Frauenstraße zu essen. Die warme Mahlzeit war es, weswegen die Bewohner pünktlich um 18 Uhr Schlange standen. „Wir kochen mit dem, was wir so im Kühlschrank haben“, sagte Elfriede Henseler, die in der Küche des Heimes aushilft. Die Zutaten für das Essen stammen zum größten Teil aus dem Tafelladen, wählerisch dürfe man da nicht sein. Zubereitet wird es von Ehrenamtlichen, die abwechselnd und meist in Zweier-Teams kochen. „Es ist gar nicht so einfach, nur zu zweit für 25 Menschen ein Essen zu zaubern“, sagte Karin Ambacher, Leiterin des Übernachtungsheims des Deutschen Roten Kreuzes.

Diese Erfahrung haben diese Woche auch neun Mitarbeiter des Ulmer Job-Centers gemacht. Eine Woche lang bereiteten sie dort das Essen zu, aufgeteilt in Zweiergruppen. Die Idee in ihrer Freizeit ehrenamtlich auszuhelfen, hatte Arton Kodra. Er arbeitete bereits vor zwei Jahren in der Einrichtung mit, kam dann zum Job-Center und hatte nun einige seiner Kollegen motiviert, sich zu engagieren. „Viel Überzeugungsarbeit musste ich nicht leisten“, meinte er. „Wir sind bei uns auf der Arbeit ja ohnehin schon für das Thema Armut sensibilisiert“, sagte Kodra, der unter den Bewohnern viele erkannte, die zu ihm ins Jobcenter kommen.

Kodra kann nicht verstehen, dass nicht mehr Menschen oder Firmen ehrenamtlich helfen: „Wenn es nur drei Stunden im Jahr sind“, meint er. Denn solange dauert es, bis das Essen für die Bewohner serviert werden kann.

„Wir sind immer auf der Suche nach Ehrenamtlichen“, meint auch die Leiterin Ambacher. Zumal das Thema Armut immer mehr in den Blickpunkt der Gesellschaft gerate, mit zunehmender Arbeitslosigkeit und dem Wohnungsnotstand für Einkommensschwache. „Wie das Leben halt manchmal so spielt“, meint Kodra. Die Mitarbeiter des Job-Centers haben Erfahrung mit Armen. „So eine warme Mahlzeit hier zuzubereiten hilft ja im Großen und Ganzen gesehen nicht wirklich viel“, sagt Kodra. Aber: „Es gibt Hoffnung, dass auch andere Menschen über ihren Schatten springen.“

Wer es nicht schaffe mit ehrenamtlicher Arbeit etwas von seiner Zeit herzugeben, der könne sich auch in Form von Spenden einbringen, fügt Ambacher hinzu. So fehle derzeit in der Küche  ein Konvektomat, sprich: ein Heißluftdämpfer. Bisher muss das Essen nämlich noch auf alten Geräten zubereitet werden. „Es ist gar nicht so einfach mit dem klar zu kommen, was man hier halt so vorfindet“, sagt Heike Zenner vom Job-Center, während sie in der Küche die Salatsauce abschmeckte: „Das hier ist eher Spontankochen.“

Aber man tue das letztlich gerne, sagt ihr Kollege Thomas Schönenberger, der lauter extra große Portionen auf die Teller füllte. Denn, fügte er hinzu: „Manchmal kann helfen ganz einfach sein.“

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