Ausstellung „Für eine bessere Welt“ im Brotmuseum

Adventszeit ist Spendenzeit: Das Museum der Brotkultur zeigt Plakate und Kampagnen der christlichen Hilfsorganisationen Brot für die Welt und Misereor – von 1958 bis heute.

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Das Plakat der ersten „Brot für die Welt“-Kampagne 1959 wurde zum Symbol: ein schwarzer, dürrer Arm, dessen Hand nach dem „Brot” im Namen der Hilfsorganisation greift. Grafiker Rudi H. Wagner hat es signiert und dem Brotmuseum gewidmet, das es jetzt an zentraler Stelle zeigt.  Foto: 

Plakate als Schwerpunkt einer Weihnachtsausstellung? Zumal solche, auf denen gar nichts Weihnachtliches zu sehen ist? Weder Christbaum noch Nikolaus oder Krippe? Aber ja, meint Marianne Honold, die Kuratorin der Sonderausstellung „Für eine bessere Welt“ im Museum der Brotkultur. „Die Advents- und Weihnachtszeit ist die Zeit der Spendenaufrufe.“ Und so sind im Erdgeschoss des Salzstadels mehr als 30 Poster der beiden Hilfsorganisationen Brot für die Welt und Misereor zu sehen. Dazu eine „Würdesäule“, ein ganz besonderer Tischkicker, Jute-Taschen und ein Setzkasten voller traditioneller indischer Reissortenkörner.

All das verbildlicht, wie das mit der – auch weihnachtlichen – Idee der Nächstenliebe verbundene Thema Welternährung von den großen christlichen Hilfswerken umgesetzt wurde und wird. In Wort und Schrift ist in den grafischen Darstellungen aus fast 60 Jahren der Wandel ihrer Strategien zur Empathie-Erzeugung abzulesen. Andererseits erzählen die gewählten Bilder und Slogans aber auch vom Stand der gesellschaftlichen Debatte zu ihrer jeweiligen Entstehungszeit, erklärt Museumsleiterin Isabel Greschat.

Pietà und Bibelzitat

In den 1960er Jahren waren viele Menschen in Deutschland noch vom eigenen Hungern während der Kriegsjahre geprägt. Die selbst erfahrene Hilfe durch Care-Pakete und den Marshall-Plan der US-Regierung sahen sie als Verpflichtung, ihrerseits Notleidenden zu helfen.

Die Plakate des 1958 gegründeten bischöflichen Hilfswerks Misereor waren damals „eindeutig christlich“: Motive afrikanischer Frauen mit unterernährten Kindern erinnern an Michelangelos Pietà. Dazu stellte die katholische Organisation Zitate aus der Bibel: „Gebt Ihr ihnen zu essen.“

Das 1959 gegründete evangelische Pendant Brot für die Welt versah die berühmte schwarze „Hungerhand“ auf orangenem Grund schlicht mit ihrem als Aufruf interpretierbaren Namen in Blockbuchstaben. Das Brotmuseum zeigt den Original-Entwurf des Grafikers Rudi H. Wagner – mit Widmung – als eines der wenigen Exponate aus der eigenen Sammlung. Die meisten Beiträge zu dieser Weihnachtsausstellung stammen von den beiden Hilfsorganisationen, die im Brotmuseum auch aktuelle Projekte vorstellen.

Später verschwanden aus den Brot-für-die-Welt-Kampagnen die Porträts hilfsbedürftiger Menschen. An ihre Stelle traten Symbolbilder: eine kleine Pflanze, die aus gefalteten schwarzen Händen sprießt. „Ein starkes Motiv, das sich vielen Menschen einprägte“, sagt Kuratorin Honold. Hilfe zur Selbsthilfe hieß das Schlagwort.

Die sogenannte Dritte Welt entwickelte sich vom Almosenempfänger zum gleichberechtigten Partner, die Zusammenhänge wurden größer. „Das Bewusstsein für globale Auswirkungen wuchs, Ausbeutung und die Endlichkeit der Ressourcen kamen als Themen ins Spiel“, erläutert Isabel Greschat. Dafür steht in einer Vitrine der Kult-Stoffbeutel aus den 90er Jahren: „Jute statt Plastic“.

Am „Afrika-Kicker“ mit Facebook-App, den die Agentur Kolle Rebbe 2013 für Misereor schuf, können Besucher aktiv werden. Zwei Euro Einsatz pro Spiel gehen an Kinder in Afrika. Brot für die Welt stellt dazu eine „Würdesäule“ in den Raum: eine überdimensionale Wirbelsäule aus Büchern. Hirnfutter, das nicht bedrücken, aber berühren soll.

Sonderausstellung „Für eine bessere Welt“ ist bis 28. Januar im Museum der Brotkultur (Salzstadelgasse 10) zu sehen. Geöffnet: täglich 10-17 Uhr.

Begleitprogramm Dazu gibt es die Sonntags- (10.12./14.1., 15 Uhr), eine Mittags- (22.11., 12 Uhr) und eine Dialogische Abendführung (11.1., 17 Uhr), Backaktionen und Vorträge sowie Konzerte. Am 3.12. gestaltet das Brotmuseum-Team einen Adventsgottesdienst in der Pauluskirche. Weitere Infos unter www.museum-brotkultur.de

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