"Früher gabs auch nicht immer Fleisch"

Es gab geteilte Meinungen zum vegetarischen Tag. Bewohnerin Grete Weiser ist dafür, Horst Friedrich weniger. Für den Koch war es "toll", aber nicht leicht.

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Grießsuppe; überbackener Fenchel, grüne Nudeln; Karottensalat und Schokoladen-Rum-Quark.

So lautete eines der vegetarischen Menüs für den Mittagstisch im Dreifaltigkeitshof. Als Bestandteil des Projekts "Altersgerechte Verpflegung/Nachhaltige Ernährung" gab es sechs Wochen lang jeweils einen komplett vegetarischen Tag für Heimbewohner und Personal. Seither kann täglich jeder mittags zwischen einem fleischhaltigen und einem vegetarischen Gericht wählen.

Grete Weiser, 84, fand es in Ordnung, dass es einen fleischlosen Tag gab. "Was für die Gesundheit gut ist, muss man auch tun", sagt sie. Die meisten vegetarischen Gerichte haben ihr geschmeckt, nicht alle, "aber daheim hat früher ebenfalls nicht jedes Gericht gemundet". Und: "Früher gabs auch nicht jeden Tag Fleisch." Das habe man sich gar nicht leisten können, sagt die gebürtige Ulmerin.

Das sieht Horst Friedrich, 87, anders. "Ich bin ein Fleischfresser", sagt er und lacht, fügt aber gleich hinzu, dass er in den Projektwochen durchaus auch die vegetarischen Gerichte gegessen habe. Woher kommt sein Heißhunger auf Fleisch? Friedrich war von 1942 bis 1951 in französischer Kriegsgefangenschaft und hat in einem großen Lager in der Bretagne miterlebt, "wie tausende von Gefangenen verhungert sind". Teilweise habe er nur Gras gegessen. Er, ein 1,77 Meter großer Mann, wog nur noch 46 Kilogramm. Seit 1951 lebt er in Ulm und seit ein paar Jahren im Dreifaltigkeitshof. Friedrichs Kommentar: "Die Küche ist exquisit."

Das hört der 29-jährige Koch Marcus Müller gern. Er hat seine Lehre in Oberfranken gemacht und war dann in Restaurants beschäftigt. Seit 2003 steht er im Dreifaltigkeitshof am Herd. Der vegetarische Tag war für ihn eine Herausforderung, denn bei täglich 180 Essen könne man nicht kurz gegartes Al dente-Gemüse reichen. Das lasse sich nicht mit der aufwendigen Essensverteilung - auch auf die Zimmer - vereinbaren und "nicht mit den Zähnen der älteren Herrschaften". Aber das Graupenrisotto mit Gemüsewürfeln, Knoblauch, Sahne und Parmesankäse sei gelobt worden.

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