Interview: Motivieren als Beruf

Motivationstrainerin Angelika Pauw über die Gene der Ängstlichen und warum es sinnvoll ist, seiner Psyche etwas Gutes zu tun.

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Eine Blume am Wegesrand oder ein Gespräch mit der Verkäuferin morgens beim Bäcker. Motivationstrainerin Angelika Pauw will in den Kursen ihrer Glückswerkstatt das Bewusstsein der Teilnehmer für die Freude und das Glück an den kleinen Dingen im Alltag schärfen. Im Interview spricht sie über den wissenschaftlichen Hintergrund ihrer Arbeit und warum es hilfreich ist, bereits vor dem Burn­out auf seine Seele achtzugeben.

Glückswerkstatt heißt Ihr Konzept. Das hört sich nach Handwerk an. Ist Glücklichsein Arbeit?

Angelika Pauw: Ja, auf jeden Fall. Weil Glücksgefühle auch damit verbunden sind, selbst etwas geschafft zu haben. Menschen sind in der Regel so gestrickt, dass sie ihre guten Seiten entwickeln und voranbringen wollen. Nur in der Hängematte zu liegen, führt dabei nicht weiter.

Wie sind Sie dazu gekommen, andere beim Glücklichwerden zu unterstützen?

Ich maße mir nicht an, andere glücklich zu machen. Das kann und muss jeder selber machen, aber es gibt wirksame Interventionen und Hilfestellungen, und die kann ich jedem mit an die Hand geben. Diese Übungen sind konzipiert für alle Menschen, für gesunde genauso wie für Leute, die schon mit einem Fuß im Burnout stehen. Aber so lange muss man nicht warten. Es ist auch besser, wenn ich Übungen für meinen Rücken mache, bevor ich einen Bandscheibenvorfall habe.

Also praktisch ein Fitnessprogramm fürs Wohlbefinden?

Ja, so kann man das sagen. Ich war jedenfalls nicht am Boden zerstört, als ich angefangen habe, mich mit diesen Themen zu beschäftigen.

Was war bei Ihnen der Auslöser?

Das war Zufall. Ich habe in meiner Zeit als Personal Trainerin von der Positiven Psychologie gehört und dachte: Das interessiert mich, das passt zu mir und meinem Beruf. Daraufhin habe ich Fortbildungsseminare am Inntal-Institut in Bad Aibling besucht, und das ist inzwischen meine zweite Heimat. Anfangs habe ich die Ausbildung nur für mich selbst gemacht, aber dann habe ich aus meiner Begeisterung heraus begonnen, mein erworbenes Wissen in Coachings und kleineren Gruppen weiterzugeben.

Wie kann man sich so eine Sitzung vorstellen?

Zunächst einmal mache ich eine Anamnese, um die Ursachen der Probleme zu ergründen. Dann fangen wir häufig mit Klassikern an, wie zum Beispiel dem „Positiven Tagesrückblick“, der „Dankbarkeit“ und „Freundlichkeit”. Menschen verlieren heute leicht ihren Fokus und sind sich dessen, was sie sind und haben, gar nicht mehr bewusst. Ohne dieses Bewusstsein stellt sich früher oder später ein Gefühl der Leere und des Mangels ein. Ein hilfreicher Ansatz ist es, sich jeden Abend drei schöne Momente des erlebten Tages vor Augen führen und sich diese positiven Momente zu vergegenwärtigen. Daraus kann sich sehr schnell der Wunsch und Wille bilden, selber für solche schönen Momente zu sorgen. Ich bin aber keine Psychotherapeutin. Menschen mit schweren Depressionen oder Burnout müssen zu einem Psychologen oder Therapeuten. Mein Angebot kann dabei nur unterstützen.

Positive Psychologie, was ist das?

Der Psychologe Dr. Martin Seligman hat diese neue Wissenschaft 1998 offiziell ins Leben gerufen. Er selbst kommt aus der klinischen Depressionsforschung und war darin sehr erfolgreich. Die Positive Psychologie nennt sich die Wissenschaft vom guten Leben. Sie beschäftigt sich in Theorie und Forschung mit der Frage: „Was macht das Leben lebenswert?“ Der Fokus liegt dabei auf den Ursachen, die eine Psyche glücklich machen. Dagegen beschäftigt sich die klassische Psychologie seit 100 Jahren hauptsächlich damit, was uns krank macht und was psychische Störungen sind. Es handelt sich also um eine grundlegende Veränderung des Blickwinkels.

Was ist für Sie Glück?

Mein Beruf, in dem ich mich weiterentwickeln und mit Themen beschäftigen kann, die mich erfüllen. Die Basis ist, dass ich zwei gesunde Kinder habe und in einem schönen Umfeld leben darf.

Sind Sie einfach lebensfroh oder ist es auch für Sie Arbeit, glücklich zu sein?

Es ist und bleibt Arbeit. Man muss die unterstützenden Übungen machen und immer mal abwechseln. Denn aufgrund der Evolution gewöhnt sich unser Gehirn an Zustände. Um dieser hedonistischen Tretmühle zu entkommen, muss ich mir immer wieder neue kleine Ziele setzen. Das Gefühl, diese dann erreicht zu haben, macht glücklich und ist stabiler als das so genannte Wohlfühlglück, das von glücklichen Momenten abhängig ist, die nicht von Dauer sind. Und deshalb brauchen wir eine zweite Art von Glück, das nennen die Wissenschaftler „Werteglück“ – und da geht es um andere Fragen. Was erfüllt mich, was gibt meinem Leben einen Sinn? Wofür lohnt es sich, sich anzustrengen und die Ärmel hochzukrempeln? Gute Freundschaften sind auch ganz wichtig für das Glücklichsein.

Immer die rosarote Brille aufhaben, kann doch aber auch nicht die Lösung sein.

Ab und zu darf das schon mal sein – mit einem Augenzwinkern – aber nicht auf Dauer. Ich bin kein Freund davon, alles zu deckeln. Im Job brauche ich natürlich einen so genannten Fehlerscanner, der mir zeigt, da stimmt etwas nicht. Also, das ist ein absolut wichtiger Blick, wenn es um Qualität geht, wenn es um meine Arbeit geht, wenn ich etwas erreichen oder verändern will. Aber was unsere innere Lebenszufriedenheit betrifft, da ist das nicht hilfreich. Wir haben laut Seligman ein katastrophisches Gehirn. Wir haben die Gene von den Ängstlichen und Misstrauischen geerbt. Die, die gut drauf waren, die aus der Höhle raus sind, um die Gänseblümchen zu bewundern, wurden vom Säbelzahntiger gefressen und kamen gar nicht mehr in die Lage, ihre Gene weiterzugeben. Aber heute lauert nicht mehr an jeder Ecke ein Säbelzahntiger. Da kann es nicht schaden, die positiven Erinnerungen zu verinnerlichen.

Wer kommt zu Ihnen?

Das ist unterschiedlich. Häufig kommen die Leute aus Neugier.

Gibt es auch hoffnungslose Fälle?

Nein. Aber es ist schade, wenn die Leute die Übungen nicht machen. Der reine Gedanke an Liegestütze hilft ja auch noch nicht, ich muss es schon machen, wenn ich einen starken Körper bekommen möchte. Und so ist es mit diesen mentalen Übungen auch. Am besten ist es, selbst Einfluss zu nehmen, sich weiterzubilden und weiterzuentwickeln – sowohl körperlich als auch geistig.

Angelika Pauw Die Ulmerin, die ihr Alter nicht in der Zeitung lesen möchte, hat wie sie selbst sagt auch mal etwas „Gescheites“ gelernt. Einer Banklehre folgte eine Ausbildung zur Speditionskauffrau sowie eine tanzpädagogische Ausbildung. Als Personal Trainerin ließ sich Pauw vor sieben Jahren am Inntal-Institut in Bad Aibling zur lizenzierten Anwenderin der Positiven Psychologie ausbilden. Sie arbeitet als Coach und Beraterin in Firmen und mit Privatpersonen.

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