"Donauflimmern" bietet Open-Air-Kino im SSV-Bad

Zum Ulmer Donauflimmern zieht es im Sommer allabendlich 100 bis 600 Menschen ins SSV-Bad. Dort sind auf der Großleinwand open air Filme zu sehen, die das Jahr über in den Kinos liefen, Neues und Klassiker.

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"Gone Girl" im Open-Air-Kino: Gut 100 Besucher verfolgen den Zweieinhalbstunden-Thriller beim Donauflimmern im SSV Bad Ulm.  Foto: 

Herrlich. Hier dürfen Sie Ihren Gartenstuhl selbst an Ihren Lieblingsplatz rücken. Hier dürfen Sie die Beine auf einen zweiten Stuhl hochlegen. Hier dürfen Sie auch auf dem Boden fläzen. Zu vorgerückter Stunde samt Mumienschlafsack auf der klamm gewordenen Picknickdecke. Deshalb pilgern Filmfans jetzt wieder allabendlich ins Freibad. Hier dürfen sie rauchen, und hier dürfen sie ganz offiziell Snacks und Getränke selbst mitbringen.

Das sehen Sabrina Reindl (30) und ihr Chef Marco Abbagnara vom Kiosk zwar nicht so gern, schließlich wollen der Wirt und seine Angestellten hier ja Saftschorle, Bier, Pommes und Tortilla-Chips verkaufen, damit sich der Aufwand lohnt. Aber: "Je weniger du mit Regeln anfängst, umso besser", sagt Wolfgang Schick vom Kinobüro Augsburg. Und der ist der Chef beim 22. Donauflimmern, das seit 25. Juni und - je nach Wetter - noch bis in den September hinein abends im SSV-Bad veranstaltet wird.

Vor allem aber können Film-Fans in diesem sommerlichen Open-Air-Kino die Filme sehen, die ihnen das vergangene Jahr hindurch im regulären Kino durch die Lappen gegangen sind. Dazu Neues wie die animierten "Minions" oder Sebastian Schippers in einer einzigen Einstellung gedrehtes, Silberner-Bär- und Filmpreis-gekröntes Werk "Victoria"; Kultfilme, zu denen in Ulm in der jüngsten Vergangenheit auf jeden Fall der hier gedrehte "Ein Geschenk der Götter" gerechnet werden darf; allzeit Beliebtes wie Quentin Tarantinos jüngstes Opus und Klassiker: "Blues Brothers", "Cinema Paradiso", "Blade Runner".

Paul Fuchs (18) hat nach einem Praktikum quasi die Sahneschnitte unter den Ferienjobs ergattert. Drei bis vier Mal pro Woche legt der Abiturient seit Ende Juni im neuen, bunt bemalten, hölzernen Vorführwagen die DCPs ein, Digital Cinema Packages, wie die Nachfolger der altgedienten 35-Millimeter-Filmrollen ausgeschrieben heißen. "Morgens ausschlafen, mittags baden" - von den Arbeitszeiten her sei dieser Job genial, auch wenn der bei einem Film mit Überlänge wie David Finchers "Gone Girl" am Montag auch mal erst nach Mitternacht endet.

Eingelernt sei er "relativ schnell" gewesen, sagt er. Die gelieferten Festplatten braucht er nur noch in den Projektor zu laden, nachdem der Chef den jeweiligen Film "entschlüsselt" hat, erklärt der Filmvorführer. Danach zieht er noch das Vorprogramm, Werbung und Trailer für die Filme der nächsten Tage, an die richtige Stelle auf dem Bildschirm. Fertig ist der Open-Air-Film-Abend.

Nein, halt, eine Aufgabe hat er noch, bevor es "Film ab" heißt. Nach Einbruch der Dunkelheit, genauer gesagt "etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang", was derzeit etwa 21.15 Uhr entspricht, begrüßt er die Zuschauer und verweist auf Organisatorisches: Rechts von der Leinwand befinden sich die Toiletten. Flaschen und Stühle sind nach Ende der Vorstellung dorthin zurückzubringen, wo sie geholt wurden. Müll bitte wieder mitnehmen. Raucher nehmt Rücksicht auf Nichtraucher und holt euch vom Kiosk Aschenbecher für die Kippen. "Danke", schließt Paul Fuchs - und erntet dafür Applaus.

"Die Til-Schweiger-Filme ziehen", sagt Kioskkraft Sabrina Reindl. "Bei ,Minions' und ,Victoria' wird's sicher auch voll." Am Montag aber ist sie erstmal gespannt, wie das Buch, das sie verschlungen hatte, verfilmt rüberkommt. "Die Hauptdarstellerin war, glaube ich, nicht die erste Wahl."

Auch Paul Fuchs ist Filmfan. Am meisten los war bisher tatsächlich bei Til Schweigers "Honig im Kopf", bestätigt er: "Jeweils mehr als 600 Leute. Normalerweise sind es 100 bis 200." Einmal war's für ihn bislang stressig. Da war er im Zweifel, ob er einen Film wegen eines Gewitters unterbrechen soll. "Aber dann hat es nur getröpfelt - und wir hatten tapfere Zuschauer."

Der Eröffnungsfilm, die Dokumentation "Pedal the World" samt Weltumradler, Hauptdarsteller und Kameramann Felix Starck, war Wolfgang Schick zufolge ebenfalls ein Erfolg. Mit rund 400 Leuten erzielte die Dokumentation die zweitstärkste Nachfrage bisher.

Ärger gab es für den Donauflimmern-Chef nur am Samstag vor einer Woche. Ausgerechnet bei dem beliebten Film "Frau Müller muss weg", der bislang nur einmal im Programm stand, musste das Open-Air-Kino ausfallen. Wegen einer Feier auf der Terrasse des benachbarten Restaurants. Da gab es dann eine Runde Freikarten für alle Umsonstgekommenen. ",Frau Müller' könnte dieses Jahr Wunschfilm werden", tröstet er eine Frau, die den Lehrer-Film gern gesehen hätte. "Da müssen Sie aber schon ein paar Fans zusammensuchen."

Das Bild auf der Großleinwand ist anfangs noch schwer zu erkennen, da es drumherum noch nicht ganz dunkel ist. Manche Besucher nerven Mücken. Und mit der Zeit wird's fröstelig auf dem SSV-Bad-Gelände. Doch die Donauflimmern-Fans sind bestens ausgerüstet, mit Jacken, Decken, Schals. Nach der Vorführung räumen sie äußerst gesittet auf. Nur einer meckert, der 150-Minuten-Streifen hätte auch "zwei Stunden kürzer" sein können.

Was demnächst auf dem Programm steht

Filme Heute, Freitag, zeigt das Donauflimmern "Minions"; morgen, Samstag, die Literaturverfilmung "Madame Mallory und der Duft von Curry"; am Sonntag die Stephen-Hawking-Bio "Die Entdeckung der Unendlichkeit"; kommende Woche die französische Komödie "Monsieur Claude und seine Töchter", "Django Unchained", zweimal "Honig im Kopf", "Ein Sommer in der Provence" und "Shaun das Schaf".

Karten Los geht es im SSV-Bad gegen 21.15 Uhr. Karten kosten 9.50 Euro, Kinder 4.50 Euro.

 

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