Bundestagswahl-Kandidatin Eva-Maria Glathe-Braun: „Die Leute sind diesmal viel offener“

Für Eva-Maria Glathe-Braun (Die Linke) steht gesellschaftliche Teilhabe im Vordergrund. Sie setzt sich auch für Flüchtlinge und alleinerziehende Mütter ein.

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Eva-Maria Glathe-Braun verteilt das Wahlprogramm der Linken, im Hintergrund Kabarettistin Christa Mayerhofer.  Foto: 

Für Eva-Maria Glathe-Braun ist es der zweite Bundestagswahlkampf, in dem sie für die Linke die Ideale der sozialen Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Teilhabe vertritt – und zwar auf unterschiedlichem Terrain im Wahlkreis 291 Ulm. Die Theater-Souffleuse mit Engagement am Staatstheater Gärtnerplatz in München trifft beim Wahlkampf-Auftritt in der Ulmer Fußgängerzone Hirschstraße auf viele Sympathisanten und Freunde aus der Kultur- und Flüchtlingsarbeit. Dagegen schlägt ihr später in der Hauptstraße Obere Stadt in Ehingen einiges Misstrauen entgegen. Die Vorbehalte schwinden erst mit vorbereiteten kleinen Wahlgeschenken wie Lollis („Mundpropaganda“), Brausepulver („Die Linke, schmeckt nicht jedem“) und Tempotaschentüchern („Für rote Nasen“).

In der Einkaufsmeile läuft es gut

In der Ulmer Einkaufsmeile auf Höhe Pfauengasse läuft es am Stand der Linken dagegen glänzend. Die Wahlkampfzeitung mit den Spitzenkandidaten Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch auf dem Cover findet guten Absatz. Eva-Maria Glathe-Braun und ihr Team verteilen auch Wahlprogramme in einfacher Sprache mit vielen Grafiken: für Menschen mit geringeren Deutsch-Kenntnissen – wie auch Migranten.

Mit von der Partie ist im Bänkelsänger-Look Christa Mayerhofer. Sie hat sich ein Schild mit der Aufschrift „Ren(n)tner“ umgehängt – weil sie eben schauen muss, wie sie über die Runden kommt und zusätzlichen Einkünften hinterherrennt. Die Kabarettistin singt Texte wie: „Sie planen die Altersarmut; Hauptsache, die Wirtschaft funktioniert.“

Die bunte Szenerie spricht die Menschen an. „Die Leute sind viel offener als 2013“, sagt die Kandidatin mit Blick auf ihren ersten Bundestagswahlkampf und fügt hinzu: „weil die Wahl viel offener ist.“ Diesmal lautet eines ihrer Ziele: „Wir wollen die drittstärkste Fraktion im Bundestag bleiben“, möglichst zweistellig.

In der Großstadt Ulm scheint die Linke allemal eine Option zu sein. „Ich wähle die Grünen nicht mehr, es gibt sonst keine Alternative“, sagt eine ältere Dame, die ein Wahlprogramm mitnimmt. Ein anderer Passant, den man dem konservativen Lager zurechnen würde, hat das Vertrauen in die Koalition verloren. Er lobt die Spitzenkandidatin der Linken: „Ich halte viel von Sahra Wagenknecht, das ist die einzige, die die Wahrheit sagt.“ Er ist ganz für die anti-militaristische Parteilinie und fragt: „Was hat Deutschland in Afghanistan verloren?“ Ein anderer meint mit Blick auf die Wahl am 24. September: „Es sollte sich unbedingt was ändern.“

Die Kandidatin hat in den Gesprächen Zeit, ihre Positionen rüberzubringen. Sie plädiert für ein bedingungsloses Grundeinkommen, vor allem dürfe es keine Kinderarmut geben. Dabei müsse man Sorge tragen, dass bei Alleinerziehenden oder geringverdienenden Familien das Kindergeld ungeschmälert ankommt und nicht mit anderen Transferleistungen verrechnet wird. Sie spricht lange mit Menschen, die sie aus der Flüchtlingsarbeit kennt. Eva-Maria Glathe-Braun engagiert sich im Flüchtlingsrat, beim Stopp für Abschiebungen nach Afghanistan und will über die Kulturloge neben  Geringverdienern auch Flüchtlingen einen Zugang zum kulturellen Leben ermöglichen. Das soll die Menschen, die eher am Rande der Gesellschaft stehen, auf andere Gedanken bringen und ihnen ein Gefühl der Zugehörigkeit geben.

Bezahlbares Wohnen

Eva-Maria Glathe-Braun ist außerdem im Frauenforum aktiv. Am Abend will sie noch zu einer Veranstaltung in Sachen sozialer Wohnungsbau. Das ist ebenfalls ein vorrangiges Anliegen der Linken: Wohnen soll für alle Einkommensschichten bezahlbar bleiben

Nach dem Heimspiel in Ulm tritt das Team den Weg nach Ehingen an: der größten Stadt des Alb-Donau-Kreises, der ebenfalls zum Bundestagswahlkreis gehört. In der Fußgängerzone läuft ein Kinderferienprogramm mit dem feuerroten Spielmobil – das würde eigentlich passen. Dennoch ist es ein ungewohntes Terrain für die Kandidatin, die sich auf alle Fälle schon mal einen zweiten Besuch vornimmt. Die Passanten wissen mit dem improvisierten Auftritt der Linken, die wegen des Filmfestivals keinen Stand aufbauen dürfen, zunächst wenig anzufangen. Eva-Maria Glathe-Braun versucht, das Eis zu brechen: „Darf ich Ihnen was mitgeben?“ Aber die Eltern sind anfangs noch unsicher, ob sie Süßigkeiten für ihre Kinder annehmen sollen.

Dann taut das Umfeld ein bisschen auf. Ein älterer Herr ist sogar recht freundlich und meint: „Die Zeit von CDU und SPD ist bald vorbei.“ Und dann sagt eine Mutter auch: „Also den Lolli nehme ich gerne.“ Vor allem jüngere Leute nehmen auch die Werbematerialien mit, die dann zur Freude Glathe-Brauns im weiteren Verlauf des Nachmittags weitgehend weg sind. Darin findet sich auch die Forderung der Linken nach einer Mindestrente von 1050 Euro und einem Mindestlohn von zwölf Euro pro Stunde sowie einer Millionärssteuer für die Superreichen. So soll das wichtigste Anliegen von Eva-Maria Glathe-Braun Wirklichkeit werden: die Einbeziehung aller Menschen in der Gesellschaft.


Lebenslauf Eva-Maria Glathe-Braun (58)  stammt aus Rostock, der Vater war Tierarzt und Virologe, die Mutter Mikrobiologin. Abi in Dresden. Drei Töchter, ein Sohn, zwei Enkel. Sie war künstlerische Mitarbeiterin auf und hinter der Bühne in Leipzig, Pforzheim, Cottbus, Stuttgart und Ulm –momentan ist sie am Staatstheater am Gärtnerplatz München. Seit 2010 Mitglied der Linken, auch Mitglied von Verdi, zahlreiche ehrenamtliche Engagements.

Schlusswort Die Grundlage meines politischen Handelns wird es immer sein, für einen Alltag ohne soziale Demütigungen und Ausgrenzung einzutreten – denn das ist das Grundrecht aller Menschen ohne Ausnahme.

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