Viele Verluste bei Open-Airs im Sommer

Das war eine harte Saison für die Veranstalter in der Region. Nur das Konzert der Scorpions war ein finanzieller Erfolg. Was lief falsch? Wie geht es weiter?

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Auch wenn Tausende kamen: Am Ende war das Konzert von Bryan Adams im Wiley-Areal ein Verlustgeschäft.   Foto: 

So viel Open Air war noch nie in Ulm. Zehn große Konzerte fanden im Sommer beiderseits der Donau statt  – auf dem Münsterplatz, im Wiley, im Söflinger Meinloh-Forum und im Wiblinger Klosterhof. Mit Ausnahme des Scorpions-Konzertes, das am Abend vor Schwörmontag  9500 zahlende Besucher anlockte, bescherten sie den Veranstaltern teils massive Verluste.

Das größte Defizit war wohl jenes des Open Airs mit Bryan Adams im Wiley-Areal. Unterm Strich legten  die Veranstalter „einen hohen fünfstelligen Betrag“ drauf,  sagt Carlheinz Gern, dessen Firma Gern geschehen mit Allgäu Concerts und Walter Feucht den Kanadier nach Neu-Ulm geholt hatte.

„Ein absehbares Ergebnis“, sagt Mitbewerber Rolf Weinmann, der mit seiner Agentur Provinztour die anderen neun Freiluftkonzerte organisiert hat. „Mir wurde Bryan Adams ebenfalls angeboten, ich habe abgelehnt.“ Der Grund: „Die Scorpions sprechen ein ähnliches Publikum an. Deren Konzert war aber schon viel früher im Vorverkauf. Wer da als Zweiter kommt, muss dem anderen nachlaufen“, sagt der Impresario aus der Nähe von Heilbronn. Ein Risiko, dass auch Carlheinz Gern kennt: „Wir haben fast 20 Jahre lang auf diese Chance gewartet, da mussten wir zugreifen“, sagt der Radio-Manager, der schon seit mehr als 40 Jahren in der Region Konzerte veranstaltet und dessen Veranstalter-Gruppe im kommenden Jahr wieder den Münsterplatz bespielt.

Kein lokales Problem

Aber auch Weinmann hat sich verkalkuliert. Seine größten Defizite: Das Konzert mit Philipp Poisel auf dem Münsterplatz und die Söhne Mannheims in Wiblingen. „Das war aber kein Ulmer Phänomen. Poisel und die Söhne waren auf ihren gesamten Sommertourneen überall schlechter besucht als kalkuliert.“ Der Liedermacher  hatte auf seiner Hallentournee einen Zuschauerschnitt von 8500 Besuchern, auf den Münsterplatz kam nicht mal die Hälfte. Das  Sängerkollektiv aus Mannheim hatte vor ihrer Sommertournee eine Platte veröffentlicht, die sich  im Song „Marionetten“ rechtspopulistischer Floskeln bediente. Statt der erwarteten 5000  bis 10.000 Besucher pro Konzert waren auf der Tournee bestenfalls 3500 pro Abend. In Wiblingen waren es 3000. „Da haben einfach tausend Zuschauer gefehlt“, erklärt Weinmann.

Wie gesagt: Kein spezielles Ulmer Phänomen. Weinmann sieht aber durchaus hausgemachte Probleme: „Der Ulmer Markt ist überhitzt. Da mischen zu viele Parteien  mit.“ Neben seiner Agentur Provinztour und Allgäu Concerts seien auch noch der DTK-Nachfolger Vaddi Concerts, das Konzertbüro Augsburg und  mehrere Stuttgarter Veranstalter  aktiv. Die Folge: Die Künstler würden nicht immer dort präsentiert, wo sie am besten hinpassen. „Bryan Adams wäre perfekt für den Münsterplatz gewesen“, glaubt Weinmann.

Nur drei Konzerte im Klosterhof?

Den bespielt nächstes Jahr die Konkurrenz. Aber auch ansonsten will Weinmann kürzer treten und das Söflinger Meinlohforum nur nutzen, wenn sich dafür ein Sponsor findet. Außerdem überlegt er, ob er im Wiblinger Klosterhof nächstes Jahr nur drei Konzerte macht. Der Termin steht bereits fest: 16. bis 19. August.

Apropos Wiblingen: Dafür war sich Provinztour mit einem Künstler eigentlich schon einig gewesen: Dieter Thomas Kuhn. Der sagte aber ab. Der Grund: Gern und Allgäu Concerts hatten ihm eine wesentlich höhere Festgage für das Konzert auf dem Münsterplatz am Vorabend des Schwörmontags 2018 geboten.

Der Vorverkauf dafür hat nun begonnen. Am ersten Wochenende seien schon 500 Tickets verkauft worden, sagt Gern. Wer das Freitagskonzert am Schwörwochenende bestreiten wird, ist noch unklar. Die Veranstalter verhandeln mit internatonalen Pop-Acts und sind zuversichtlich, ein attraktives Programm zu bieten: „Der Freitag ist weniger problematisch als ein Sonntagstermin“, sagt Carlheinz Gern.

Veranstalter Die ersten Konzerte auf dem Münsterplatz präsentierte mit wechselnden Partnern Carlheinz Gern, der auch Chef des Lokalsenders Radio Donau  3 FM  ist, als Ulmer Ortsveranstalter. Als sich der Ulmer Regionalsender Radio 7 ebenfalls um den Münsterplatz bewarb, wurde vereinbart, dass die Sender im jährlichen Wechsel den Zuschlag bekommen. 2017 waren  Radio 7, Stadthauswirt  Christian Becker und Rolf Weinmanns Provinztour an der Reihe. Kommendes Jahr bespielt das Konsortium aus Gern geschehen, Allgäu Concerts  und Walter Feucht den Münsterplatz.

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