„Der Sturm“ im Theaterei-Zelt in Blaustein

Äußerst gelungen und sehenswert: Joachim Lux‘ Fassung von „Der Sturm“ feierte im Theaterei-Zelt in Blaustein ihre deutsche Erstaufführung.

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Ein reizvoller „Sturm“ im Theaterei-Zelt.  Foto: 

Es gilt als sein letztes Stück. In „Der Sturm“ erschafft Shakespeare eine ganz eigene  Welt ohne literarische Vorlage. Eine Welt, die auch in der Inszenierung von Dieter Nelle einzigartig ist. Ein blauer Hügel auf der Bühne des ebenfalls blauen Theaterei-Zeltes. Ruhe vor dem Sturm. Prospero (Bernhard Bonvicini) erscheint mit Halskrause und Wallemantel. Der rechtmäßige Herzog von Mailand, der von seinem Bruder Antonio gestürzt wurde, strandete vor zwölf Jahren mit seiner Tochter Miranda auf dieser Insel, einem Reich der Fantasie. Der Zufall will, dass das Boot mit seinen größten Feinden vorbei zieht. Mit Hilfe des Luftgeistes Ariel (Sven Djurovic) lässt er dieses durch einen Sturm kentern.

Es geht um Rache, um Liebe, um Unterdrückung, Befreiung, letztendlich auch um Vergebung. Doch zuvor macht der verbitterte Prospero sich die Geister der Insel zu Untertanen. Ariel, den er einst vor der Hexe Sycorax rettete und deren Sohn Caliban (Laura Kaiser), den er als Sklaven missbraucht. Diese sorgen für Verwirrung unter seinen Feinden und ebnen letztlich den Weg für seine Rückkehr nach Mailand. Rehabilitiert und gemeinsam mit Miranda, die durch die Liebe zu Ferdinand, Sohn des Königs von Neapel, neue Herrscherin sein wird. Eine menschliche, darf man annehmen, denn begeistert ruft sie, die nur mit ihrem Vater aufwuchs, aus: „Wie schön ist das menschliche Geschlecht! O schöne neue Welt, die solche Leute hat!“

Vor ein paar Jahren hat Wolfgang Schukraft die Version von „Der Sturm“ des renommierten österreichischen Theatermachers Joachim Lux in Wien gesehen und sich um die deutsche Uraufführung beworben. Welch‘ ein Glück, denn das Stück ist eine hervorragende Version des oft verwirrenden Originals und gewinnt durch die Besetzung mit nur drei Schauspielern eine enorme Dichte.

Ein großartiges Ensemble konnte gewonnen werden. Mit spielerischer Leichtigkeit und tiefem Ernst schlüpfen die Drei in die unterschiedlichsten Rollen und machen einen atmosphärisch dichten, fantasievollen Shakespeare-Abend mit kleiner Besetzung und wohltuend wenig Requisiten möglich, die umso mehr Platz für Wort und Atmosphäre ließen. Grandios Laura Kaiser als animalisch sabbernder,  grunzender Caliban, die sich innerhalb von Sekunden in die anmutige, leicht naive Miranda verwandelte. Und auch die Herrenriege überzeugte mit durchgängiger Präsenz und Vielseitigkeit. Musikalisch begeisterte Markus Munzer-Dorn mit Gitarre, Banjo, Akkordeon, Concertina und Renaissance-Laute durch einen Klangteppich eigener Kompositionen, der das Spiel kongenial unterstützte.

„Wir sind aus solchem Stoff, aus dem die Träume sind“, endet Prospero, nachdem er seinen Feinden vergeben hat und seine Geister frei ließ. Tosender Beifall für diesen Theaterabend!

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