"City Tor" am Hauptbahnhof

Können die Fußgängerströme vom Hauptbahnhof und vom Busbahnhof gerecht verteilt werden in die gute, alte Bahnhofstraße und in die neuen Sedelhöfe? Handel und IHK sagen ja - und machen Vorschläge.

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Einladend sieht anders aus: Der heutige Zugang vom Hauptbahnhof her in die Fußgängerzone. Foto: Oliver Schulz

Es rumort und gärt: Namhafte Handelshäuser in der Ulmer Bahnhofstraße, IHK und der Verein Ulmer City Marketing sorgen sich, im Zuge des Baus des Sedelhöfe-Einkaufszentrums könnte die Chance verspielt werden, vom Bahnhof her ein einladend wirkendes Tor in die City zu schaffen als sich der dortige Stadteingang bisher präsentiert. Mehr noch: Es wird befürchtet, dass die Fußgängerströme durch die oberirdischen und unterirdischen Wegeführungen gezielt stärker in Richtung der neuen Läden in den Sedelhöfen dirigiert, mithin weg gelenkt werden könnten vom angestammten Handel, der sich benachteiligt fühlt. Jüngste Debatten und der aktuelle Planungsstand schüren solche Skepsis (wir berichteten).

Der Handel in Gestalt der fünf großen Häuser Peek & Cloppenburg, Werdich, Sport Sohn, Galeria Kaufhof und Reischmann sowie IHK-Chef Otto Sälzle und Citymanager Henning Krone haben sich in einem weiteren Brief an Stadträte und die Bürgermeister Alexander Wetzig und Gunter Czisch gewandt. Zentrale Sätze: "Es geht um eine Entscheidung, die für Jahrzehnte den Zugang in die Innenstadt prägen wird . . . Mit der Neugestaltung des Citybahnhofs und der Sedelhöfe besteht eine Jahrhundertchance für diese zentrale Achse zwischen Hauptbahnhof und Münster."

Das Septett belässt es aber nicht bei grundsätzlichen Feststellungen und Allgemeinplätzen, sondern unterbreitet Vorschläge, wie es sich einen runderneuerten Zugang vorstellt. Das Projekt läuft unter dem Motto "City Tor - neue Visitenkarte für Ulm". Zentraler, durch Planskizzen untermauerter Gedanke: Es sollen "die fußläufige Verbindung auf der Ebene Null zwischen Hauptbahnhof, Nahverkehrs-Haltestelle in der Friedrich-Ebert-Straße gebündelt und zusammen mit der Bahnhofspassage/Subway optimiert werden".

Für ein solches City Tor böten sich zwei Alternativen an: Erstens ein zentraler Fußgängerüberweg zwischen dem Gebäude Bahnhofsplatz 7 (so genanntes Volksbank-Haus) und dem südlich davon gelegenen Gebäude Bahnhofstraße 17 (Ulmer Diagonale); in diesem Fall, meinen die Initiatoren, "würde der fußläufige Zugang zur Innenstadt über das obere Ende der Bahnhofsstraße erfolgen, das problemlos als Fußgängerzone ausgebildet werden könnte, ohne dass es zu Konflikten mit dem Zulieferverkehr an den Tagesrandzeiten kommt". Zweitens zwischen Volksbank-Haus und dem nördlich davon durch den Sedelhof-Investor MAB neu zu errichtenden Gebäude (in dem bisher unter anderem McDonalds residiert).

Den Stadträten und der Stadtspitze, die gestern kurzfristig auf heute zu einer Pressekonferenz über den Stand des Projekts Sedelhöfe eingeladen hat, werden zahlreiche Alternativen vorgestellt und Vorschläge gemacht, wie die Bahnhofsunterführung besser gestaltet werden könnte. "Es muss für deren Passanten eine Lösung gefunden werden, die für die Innenstadt und die Sedelhöfe fair ist", heißt es.

Der Vorschlag von MAB sei nicht akzeptabel. Erhebliche Teile der City-Besucher kämen über die neue Tiefgarage mit 800 Stellplätzen für Pkw und 500 für Fahrräder. Dieser Strom werde mehr oder weniger direkt in Richtung Sedelhöfe gelenkt. Der andere Teil der Passanten gelange über die Rolltreppe nach oben und habe dort dann zwar eine direkte Sichtbeziehung zur Sedelhofgasse, nicht aber in die Bahnhofstraße. "Dies ist für die Passanten ein unbefriedigender Zustand und aus unserer Sicht nicht akzeptabel."

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Kommentare

23.05.2013 13:33 Uhr

Diskussion bald sinnlos?

Laut Neu-Ulmer Zeitung online wird die "MAB Development" welche die Sedelhöfe bauen wollte abgewickelt, das heißt aufgelöst. Ob die Sedelhöfe gebaut werden, steht auf der Kippe.
Man kann gespannt sein, wie es weitergeht. Möglicherweise hängt dies auch damit zusammen, dass die Glacis Galerie jetzt doch gebaut wird und es nicht genügend potentielle Mieter gibt.

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