"Auf Schritt und Tritt" im Museum Villa Rot

Frauensache? Von wegen. Schuhe gehen alle an. Das zeigt jetzt eine Ausstellung in Burgrieden mit witzigen bis nachdenklich machenden Exemplaren. Mal sind sie Accessoire, mal Kunstobjekt, mal Fetisch.

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Lecker: ein Pumps aus Schokolade. Das dazugehörende Video in der Ausstellung "Auf Schritt und Tritt - Schuhwerk in Kunst und Design" in der Villa Rot in Burgrieden zeigt einen Mann, der diesen Stöckelschuh einer Frau direkt vom Fuß knabbert. Das Naschwerk wirkt auf manche wohl auch sexy.

Nochmal lecker: ein Paar High Heels aus Zucker im Schaukasten daneben. An den klassischen schwarzen Herren-Lederschuhen im Stockwerk darunter mag man hingegen eher nicht herumkauen. Die sehen zwar elegant, aber auch gebraucht aus. Ob die Oxfordschuhe gern mal an etwas knabbern würden? Ihre Sohle besteht aus Zähnen. Keinen echten, keine Sorge: Es ist Zahnersatz. Aber sehr echt aussehend, sogar ein paar Goldzähne blitzen hie und da hervor. Vor allem Vögel werden Aart van Bezooyens "For The Birds" lecker finden: mit Körnern beklebte Ballerinas.

Eklig hingegen: ein Frauenbein, das samt fleischfarbenem Absatz in ein Netz gepackt ist wie ein Rollbraten, der beim Metzger vom Haken hängt. Doch wie die anderen Fotografien von Alexander Fielden, die derzeit das Treppenhaus des Museums im Ortsteil Rot schmücken - ein Frauenbein, an dem dunkle Spaghetti hinuntergleiten und eins, dessen Sohle und Ferse in herabtriefende flüssige Schokosoße getaucht wurde -, soll auch diese Inszenierung den Bereich "erotische Obsessionen" abdecken.

Stachelig und damit untragbar selbst für Aschenputtels Schwestern: ein güldener Damenschuh der Polin Erwina Ziomkowska, den diese mit zwei Kilo Stecknadeln bestückte. Was äußerlich fast samtig wirkt, wird innerlich zur reinsten Folter. Nur der Brite Julius Welby geht mit seinen "Suicide Shoes" noch einen Schritt weiter: Die per Kabel an eine Steckdose anschließbaren Riemchenhacken sollen der torturbereiten Absatzträgerin zumindest den Gang ins Jenseits erleichtern.

Zum Schießen: ein Schuh, dessen Absatz eine echte Pistole darstellt. Mit seiner Sohle aus einem Pferdehuf hat das Artefakt der hessischen Künstlerin Iris Schieferstein zugleich etwas Teuflisches. Gewitzt und witzig sind viele der dem Bereich Kunst zuzurechnenden Ausstellungsstücke, "High Tide Heels" des Belgiers Paul Schietekat, der den Stöckel mit Taucherflossen kombiniert, Nici Josts mit einem beleuchteten Dia, einem Monitor und Vogelgezwitscher ausgestattete pinkfarbene Pailletten-Tanzschuhe und - im Obergeschoss - die Video-Installation "Footnotes", Fußnoten, der jungen griechischen Künstlerin Anna Vasof. Die hat sich 17 absurd-lustige Kreationen aus Schuhen einfallen lassen - von der Stiefelette mit Luftpumpe, die beim Gehen ein Windrad an ihrem Pendant ins Rotieren bringt bis hin zum "sich verselbstständigenden", da ferngesteuerten Sneaker. Die führt sie auf Videos so vor, dass die dabei entstehenden Geräusche eine rhythmische Komposition ergeben. "So kannst du mit deinen Bewegungen eine Geschichte erzählen", sagt die Wiener Kunststudentin. Da macht die Auseinandersetzung mit diesem Kleidungsstück zwischen Luxus-Accessoire, Identifikationsobjekt und Fetisch sogar Kindern Spaß.

Höchst ausgefallen, aber tragbar, und schon deshalb dem Bereich Design zuzurechnen ist ein roter Riemchenpumps der israelischen Marke Shani Bar, an dem der weiße Kniestrumpf gleich dran ist. Dazu Hochglanzentwürfe der Stararchitektin Zaha Hadid, Modelle der Marke United Nude und Julian Hakes sohlenloser "Mojito", den Museumsleiterin Stefanie Dathe aus ihrem eigenen Bestand beisteuerte.

Die meisten der rund 150 Exponate aber kommen von Leihgebern. Die amüsante bis nachdenklich machende Schau stellte Dathe mit der Niederländerin Liza Snook vom virtuellen Schuhmuseum und dem Grassi Museum für Angewandte Kunst in Leipzig zusammen.

In der Jugendstil-Villa ist jetzt ein Café eingerichtet

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