"Alles Maskerade!": Fastnachts-Ausstellung in der Villa Rot

Keine Angst vor roten Nasen: Die Künstler in der Ausstellung "Alles Maskerade!" der Villa Rot befassen sich auf kluge, subtile Weise mit Fastnacht, Karneval, Anarchie, Subversion und Rollenspielen.

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  • Axel Hoedts Faszination für die Fastnacht ist bis heute nicht abgerissen - hier eine der Fotografien, die in der Villa Rot zu sehen sind. 1/2
    Axel Hoedts Faszination für die Fastnacht ist bis heute nicht abgerissen - hier eine der Fotografien, die in der Villa Rot zu sehen sind. Foto: 
  • Klaus Pichler dokumentiert Gegenwelten: "Just Two of Us" aus dem Jahr 2013. 2/2
    Klaus Pichler dokumentiert Gegenwelten: "Just Two of Us" aus dem Jahr 2013. Foto: 
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Axel Hoedt hat das Thema nicht mehr losgelassen. Vor einigen Jahren hat der in Freiburg geborene Modefotograf angefangen, sich mit der schwäbisch-alemannischen Fastnacht zu beschäftigen. Für ihn begann eine Forschungsreise, auf der faszinierend verstörende Bilder entstanden: Porträts von Menschen hinter rätselhaften Masken, Belichtungen eines rauen, archaischen Brauchtums, dessen ursprünglicher Sinn sich kaum mehr erschließt.

Hoedts Reise ist bis heute nicht zu Ende, im Gegenteil, sie hat ihn bis nach Österreich und in die Schweiz geführt, diese Woche traf man den in London lebenden Fotografen in der Villa Rot an. Beim Bilderhängen für die neue Ausstellung "Alles Maskerade!", eine Schau über "Fasnacht, Karneval und Mummenschanz", die morgen eröffnet. Von kommender Woche an ist auch die Parallel-Ausstellung in der Mewo-Kunsthalle Memmingen zu sehen. Beide Häuser liegen am Rand des Fastnachtsgebiets, und die Aktualität des Themas belegen spätestens die momentan in Tirol populären Krampus-Larven mit ihren blutigen Mäulern und spitzen Hörnern, die der Schnitzer Miguel Walch in der jüngst eröffneten Kunsthalle der Villa auf Stangen gesetzt hat: Die Nikolaus-Büttel 2.0 tragen Züge grusliger Fantasy-Orks.

Statt Konfettiregens findet man schon auf Axel Hoedts Bildern erstarrte Landschaften, statt betrunkener Verbrüderung trifft man einsame Larventräger, die eher frösteln als feiern machen. Das lässt ahnen: Mit simpler Narretei ist hier nicht viel, natürlich nähern sich die zwölf zeitgenössischen Künstler - unter anderem Fergus Greer, Kristof Georgen, Thomas Hörl und Yinka Shonibare - der Sache nicht mit der roten Pappnase im Gesicht.

Die amerikanische Fotografin Phyllis Galembo liefert da noch einen vergleichsweise erwartbaren Ansatz, indem sie rituelle Verkleidungen etwa aus Afrika dokumentiert; manche sind fast ganz aus Blättern oder Gras und von magischer Bedeutung. Ironischer spielt die Australierin Jacqui Stockdale mit einer fingierten ethnologischen Geste. Sie stellt ihre aus allerhand kulturellen Versatzstücken zusammenkostümierten Modelle vor selbst gemalte Landschaften, als nähme sie Bilder für Cartes de Visites des 19. Jahrhunderts auf.

Der Schweizer Jean Tinguely aktivierte den subversiven Zug der Fastnacht: Mit der Künstler-Clique "Kuttlebutzer" in Basel unterlief er seit 1972 das organisierte Brauchtum. Selbstgebastelte Masken hängen an der Wand, Entwürfe zeugen davon, dass er die Fastnacht auch als Plattform für den Protest gegen Atomkraft nutzte.

Verkleidung als Mittel, Konformität zu irritieren, zu provozieren - das haben auch Sabine Keric und Yvonne Rundio in den späten 2000er-Jahren probiert. Für ihre Aktion "Urban Camouflage" schlichen sich die zwei unangemeldet in Supermärkte und bauten sich Ganzkörperkostüme aus den angebotenen Waren. Als Plastikflaschen- und Spinattütenmonster sieht man sie im Video neben den Einkaufenden herwackeln - doch die kuriosen Gestalten werden von den meisten ignoriert. Der Alltag lässt sich vom Einbruch des Unwahrscheinlichen nicht einfach aus dem Takt bringen. Umso lakonischer und lustiger ist die Dokumentation geraten.

Dieweil andere ihren Alltag so unwahrscheinlich wie möglich gestalten, indem sie Gegenwelten im häuslichen Wohnzimmer errichten. Die Menschen, die der Wiener Klaus Pichler in seinen wunderbaren Fotos porträtiert, brauchen keinen Karneval, sie leben ihre Fantasie jeden Tag. Da sitzt so ein Monster gemütlich neben der Raffael-Madonna, Batman steht am Bügelbrett. Pichlers Blicke in die privaten Fluchträume vor der verwalteten Welt sind überhaupt nicht despektierlich, nur äußerst interessiert.

Das radikalste Rollenspiel aber bleibt das von Mann und Frau, bleibt die Befragung der körperlichen Identität, für die Imme van der Haak ein berührendes bewegtes Bild gefunden hat. Auf dem Wannenrand des alten Bades in der Villa sitzend, sieht man zwei Schauspielern dabei zu, wie sie "Beyond the Body" treten. Die Künstlerin hat Fotos von Menschen verschiedenen Alters lebensgroß auf transluzide Seide drucken lassen, damit sie für das Paar zur zweiten Haut werden, in die sie hinein- und aus der sie hinausschlüpfen können. Ein leiser Tanz, ein leichtes Spiel, in dem alle Grenzen auseinandergleiten, ein subtiler karnevalesker Traum.

Parallel in Memmingen

In Burgrieden-Rot

Museum Villa Rot (Burgrieden-Rot, Schlossweg 2): "Alles Maskerade! Fasnacht, Karneval und Mummenschanz". Eröffnung morgen, Sonntag, 11 Uhr. Mi-Sa 14-17, So 11-17 Uhr. Bis 22. Februar.

In Memmingen Die Schau in der Mewo-Kunsthalle eröffnet Freitag, 21. November, 19 Uhr und ist ebenfalls bis 22. Februar zu sehen. Di, Mi, Fr, Sa, So 11-17 Uhr, Do 13-19 Uhr.

SWP

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